Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadter Rettungsschwimmer Linas Orth bei deutscher Meisterschaft

Linas Orth ist Rettungsschwimmer und Wasserballer.
Linas Orth ist Rettungsschwimmer und Wasserballer.

Linas Orth fiebert dem Wochenende entgegen. Der Rettungsschwimmer der DLRG Neustadt hat sich bei den Wettkämpfen um den Rheinhessen-Cup für die deutschen Meisterschaften in der Altersklasse 17/18 qualifiziert. Wie vielseitig der 16-Jährige ist, beweist er noch in einer anderen Sportart.

Linas Orth war mal reiner Schwimmer, hat beim SC Neustadt mit dem Schwimmsport angefangen. „Als damals mein Trainer aufgehört hatte, bin ich zur DLRG gewechselt“, erzählt der 16-Jährige, der Schüler am Neustadter Leibniz-Gymnasium ist. Diesen Wechsel hat er nie bereut. „Rettungsschwimmen macht mir mehr Spaß als pures Kachelzählen“, erzählt der Neustadter und verweist darauf, wie abwechslungsreich Rettungsschwimmen ist.

So musste er sich in verschiedenen Disziplinen beweisen, um sich bei den Wettkämpfen um den Rheinhessen-Cup für die deutschen Meisterschaften in der Altersklasse 17/18 zu qualifizieren. „100 Meter Retten mit Flossen“, zählt Orth die erste Herausforderung auf. Soll heißen: Orth schwimmt 50 Meter mit Flossen, nimmt eine Rettungspuppe vom Beckenboden auf und schleppt sie 50 Meter ab. Abschleppen ist hier fast wörtlich zu nehmen – die Puppe darf nicht zimperlich sein: Linas Orth hält die 70-Kilo-Figur mit einer Hand am Hals und zieht sie im Wasser neben sich her, während er krault. 1:03,73 Minuten hat er dafür gebraucht.

Puppe als Unfallopfer

In der Disziplin „50 Meter Retten“ muss die Puppe erneut „als Unfallopfer“ herhalten: Diesmal schwimmt Orth 25 Meter mit Flossen auf sie zu, nimmt sie und schleppt sie zurück. Seine Zeit: 34:82 Sekunden. Dann gibt es da noch die Disziplin „200 Meter Hindernis“. „Alle 12,5 Meter ist ein Hindernis im Wasser“, erzählt der 16-Jährige. „Es ist 70 Zentimeter tief im Wasser und 42 Zentimeter breit“, beschreibt es sein Trainer Metim Tas. „Er muss drunterhertauchen und weiterschwimmen.“ Orths Zeit: 2:29 Minuten. Schließlich ist da noch der Lifesaver, der Lebensretter, über 100 Meter, jeweils mit Gurtretter und wieder mit Puppe. Linas Orth hängt sich den Gurtretter diagonal über eine Schulter und den Oberkörper. An diesem Brust-Schulter-Gurt ist ein Seil befestigt, an dessen Ende ein biegsamer Auftriebskörper hängt – so manch einer mag sich noch an die Fernsehserie „Baywatch – die Rettungsschwimmer von Malibu“ aus den 1990er-Jahren erinnern. Die sind ebenfalls meist mit einem Gurtretter ins Meer gesprungen. „50 Meter schwimme ich mit Gurtretter und Flossen. Dann nehme ich eine Puppe auf. Ich lege den Gurtretter um die Puppe und schwimme zurück“, beschreibt Linas Orth den Ablauf.

Mitglied im Landeskader

Die drei besten Disziplinen eines Schwimmers zählen. „Die Zeiten werden in Punkte umgerechnet“, sagt Metim Tas. Orth habe es auf 2301 Punkte beim Rheinhessen-Cup gebracht. Tas: „Linas war der Schnellste aus unserem Landesverband und hat damit den Startplatz jetzt bei den deutschen Meisterschaften sicher.“ Und seitdem ist Orth auch Mitglied im Landeskader. Dass die Rettungsschwimmer im Wettkampf mit Flossen antreten, hat seinen Grund. „Es gibt Disziplinen mit und ohne Flossen“, erzählt der Neustadter Trainer. „Beim Einsatz im Schwimmbad hat ein Rettungsschwimmer Flossen eher selten dabei. Aber bei Einsätzen an Küsten und Seen haben wir sie dabei.“ Die Flossen, die schnelleres Schwimmen ermöglichen, sind allerdings nicht mit denen zu vergleichen, die Kinder gerne im Wasser verwenden. „Unsere Flossen haben ein größeres Blatt, meist aus Carbon oder gepresstem Kunststoff, und sind damit schwerer zu drücken“, erklärt Linas Orth.

Ehrenamtliche Badeaufsicht

Apropos Einsatz als Rettungsschwimmer: Als Badeaufsicht in den Schwimmbädern seien sie alle ehrenamtlich unterwegs, betont Metim Tas. „Das Einzige, was es für Volljährige gibt, ist eine Dauerkarte fürs Schwimmbad.“ Linas Orth war im Sommer im Hambacher Freibad eingesetzt. „Bisher habe ich noch nie jemanden retten müssen“, sagt er.

Dem SC Neustadt gehört der 16-Jährige übrigens immer noch an. Aber nicht als Schwimmer, sondern als Wasserballer in der U18-Mannschaft, die in der Bundesliga spielt. Für Wasserball sei der Zeitaufwand größer, erzählt Orth und verweist auf drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche. In der DLRG seien es zwei bis drei Einheiten, „je nachdem, zu welchem Training ich samstags gehe“. Dann trainieren nämlich sowohl Rettungsschwimmer als auch Wasserballer.

„Eine wirklich tolle Leistung“

Vor den Rennen um den Rheinhessen-Cup habe er gedacht, „dass es was werden könnte“, sagt Orth. Aber jetzt bei den deutschen Meisterschaften am 5. und 6. November in Freiburg „habe ich keine Ahnung, was möglich ist“. Er habe die Zeiten seiner Konkurrenten nicht studiert. „Er wird einen Platz im Mittelfeld belegen können“, überlegt sein Trainer. Als 2018 die Neustadter DLRG-Mannschaft bei den nationalen Titelkämpfen angetreten sei, „ist sie auch im Mittelfeld gelandet“, weiß Tas.

Wie auch immer. Lena Wind, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in der Deutsche-Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) Neustadt, weiß das bisher Erreichte des 16-Jährigen richtig einzuordnen: „Gerade auch mit Blick auf die coronabedingt eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten in den vergangenen Monaten hat er wirklich eine tolle Leistung erbracht.“

Linas Orth ist mit Gurtretter unterwegs. Das Unfallopfer, hier eine Puppe, hängt im gelben Auftriebskörper seines Gurtretters.
Linas Orth ist mit Gurtretter unterwegs. Das Unfallopfer, hier eine Puppe, hängt im gelben Auftriebskörper seines Gurtretters.
In der Disziplin „Retten“ zieht Linas Orth die Puppe an einer Hand neben sich her.
In der Disziplin »Retten« zieht Linas Orth die Puppe an einer Hand neben sich her.
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