Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadter Realschule: Verwaltung für Abriss

Baujahr 1973: das Realschul-Gebäude.
Baujahr 1973: das Realschul-Gebäude. Archivfoto: Lm

Der Brandschutz für die Realschule plus im Böbig läuft in dreieinhalb Jahren aus. Das Gebäudemanagement der Stadt präferiert einen Neubau. Das Land will Gutachten sehen. Wo die Schüler in einer Übergangszeit nach 2023 unterrichtet werden, ist derzeit offen.

26,2 Millionen Euro soll die Sanierung der Realschule im Böbig, die künftig Georg-von-Neumayer-Realschule plus heißen soll, kosten. Allerdings müssten die Schüler in der bis zu vierjährigen Umbauzeit in Container umziehen – Kosten für deren Miete 1,98 Millionen Euro.

Die Schulaufsicht genehmigt eine Planung über 3,5 Züge für 360 Schüler – derzeit ist die Realschule vierzügig. Inklusive der Nebenräume darf die Schule damit noch eine Nutzfläche von 5500 Quadratmetern haben. Das aktuelle Schulgebäude kommt aber auf 14.900 Quadratmeter. „Wir müssten zwingend diese überflüssigen Flächen zurückbauen oder anderweitig nutzen, sonst macht das Land nicht mit“, erklärte Dagmar Wolf-Matzenbacher, Leiterin des Gebäudemanagements, vor dem Schulträgerausschuss am Donnerstagabend.

Künftig kein KRG-Bedarf

Eine zusätzliche Nutzung von Flächen durch das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium, die derzeit in der Realschule zwölf Säle belegt, will die Schulaufsicht künftig nicht mehr genehmigen. Nur eine ausgelagerte Bibliothek des KRG sei möglich, hat die Stadt bei einem Vorgespräch erfahren. Darüber hinaus gebe es für das Gymnasium keinen zusätzlichen Raumbedarf. Das gilt in den Augen der Schulaufsicht auch für die benachbarte Berufsbildende Schule.

Um künftig den Brandschutz zu gewährleisten, müsste bei der Sanierung das Gebäude komplett entkernt, die Technik ausgetauscht werden. Die zahlreichen Hohlräume zwischen den Etagen gelte es zu verfüllen. Hinter der großen Pausenhalle, die aus Brandschutzgründen als besonders gefährlich eingestuft werde, stehe ein Fragezeichen, so Wolf-Matzenbacher. Wie beim Altgebäude die Energieeinsparverordnung erfüllt werde, sei noch offen. Mögliche Schadstoffe in den Wänden würden zudem ein großes Kostenrisiko beim Umbau darstellen. Die geforderte Barrierefreiheit sei nur über den Einbau mehrer Aufzugsschächte zu erreichen.

Beim Neubau Zuschüsse zurückzahlen

Den Neubau kalkuliert die Stadt mit 26,5 Millionen Euro. Als Grundstück biete sich die Freifläche auf dem Schulgelände weiter östlich an. Der Vorteil: Während der Bauzeit von eineinhalb Jahren könnten die Schüler weiterhin im Altgebäude unterrichtet werden – eine Ausnahmegenehmigung wegen dem auslaufenden Brandschutz vorausgesetzt. Den anschließenden Abriss des Altgebäudes kalkuliert die Stadt mit rund 2,8 Millionen Euro. Weitere Folgekosten: Verbaute Zuschüsse für den Brandschutz beim Altgebäude aus den vergangenen Jahren müssten zurückgezahlt werden. Die Stadt gab dafür 1,34 Millionen Euro aus. Der Landeszuschuss belief sich auf etwas mehr als die Hälfte.

Dagmar Wolf-Matzenbacher „tendiert zum Neubau“. Sie macht aber auch deutlich, dass die Aufsichtsbehörde erst davon überzeugt werden müsse. Das Kollegium der Realschule präferiere die Sanierung des Altbaus, erklärte Schuldezernentin Waltraud Blarr. Allerdings vor dem Hintergrund der größeren Flächen, die aber ja wohl nicht zu halten wären. „Der Neubau ist alternativlos“, erklärte Rainer Nosbüsch von den Freien Wählern. Blarr schwebt ein Null-Energie-Gebäude vor. Die Zusatzkosten dafür sind nicht zuschussfähig.

Architektenwettbewerb erforderlich

Wolf-Matzenbacher machte deutlich, dass die Arbeiten europaweit ausgeschrieben werden müssen. Bei einem Neubau sei ein Architektenwettbewerb erforderlich. „Wir sind viel zu spät dran. Gehen sie mal von drei bis vier Jahren Planungszeit aus, ehe wir loslegen können“, so die Abteilungsleiterin. Ziel ihrer Abteilung sei es, im ersten Quartal 2020 detaillierte Kalkulationen für beide Varianten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion vorlegen zu können.

Egal ob Um- oder Neubau – die maximal mögliche Zuschussquote durch das Land bei Schulgebäuden liegt bei rund 60 Prozent, wie Stadtkämmerer Stefan Ulrich auf Anfrage mitteilt.

Einwurf: Den Umbau abhaken

Kein Umzug in ein Containerdorf, Neuplanung nach den modernsten Kriterien und die Chance, wirklich etwas Nachhaltiges auf das Fundament zu stellen. Vieles spricht bei der Realschule plus für die Neubaulösung, die die Stadt selbstbewusst auch gegenüber dem Land einfordern sollte. Ein Umbau wäre nur Stückwerk, zumal viele Fragen ungeklärt sind und Geld so gut wie nicht eingespart wird. Er sollte so schnell wie möglich abgehakt werden.

Der Neubau 1973, damals für Realschule und Hauptschule, ist immer noch der jüngste Schulbau Neustadts – von einigen Anbauten an bestehenden Gebäuden abgesehen. Es kann gut sein, dass 50 Jahre danach die Immobilie im Böbig von der Abrissbirne platt gemacht werden muss. Einfach unglaublich, wie verschwenderisch und wenig zukunftsorientiert in den 1970er Jahren gebaut wurde.

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