Neustadt
Neustadter Ortsvorsteherwahl: CDU verliert Diedesfeld und Geinsheim
Enttäuschung, Freude, Überraschung: Die Bewerber um die Ortsvorsteher-Posten haben einen spannenden Abend hinter sich. In vier Ortsteilen gibt es neue Gesichter in den Rathäusern. In Hambach müssen die Wähler noch einmal ran. Dort wird es eine Stichwahl geben.
Diedesfeld
Aus dem Stand heraus 61,7 Prozent der Stimmen geholt hat Stefan Krumm-Dudenhausen. 2012 hatte sich der FWG-Mann für den Breitbandausbau stark gemacht und kam so zur Lokalpolitik. „Ich denke, ich habe mich in den drei Wahlveranstaltungen authentisch präsentiert. Ich muss mich aber vor allem bei meinem Team bedanken“, sagt Krumm-Dudenhausen. Geholfen habe „natürlich auch die gute Arbeit“ von FWG-Mann Marc Weigel als OB. Von seiner Wahl „ehrlich überrascht“ hatte Krumm-Dudenhausen keine Feier geplant und verfolgte die Auszählung mit der FWG-Fraktion im Rathaus. Schwer getroffen hat unterdessen Patrick Henigin die Niederlage beim Kampf um den Ortsvorsteher-Sessel. Nur 38,3 Prozent der Wähler gaben dem CDU-Kandidaten ihre Stimme. „Ich kann mir das nicht erklären“, so Henigin. Insbesondere wegen der „vielen dreckigen Wäsche, die im Wahlkampf gewaschen worden“ sei, will er sich „für eine gewisse Zeit“ aus der Diedesfelder Ortspolitik zurückziehen. Dem neuen Amtsinhaber wünscht er viel Erfolg, „damit es in unserem Ort gut weitergeht“.
Lachen-Speyerdorf
„Jetzt wird richtig Party gemacht“, sagte Claus Schick, alter und neuer Ortsvorsteher in Lachen-Speyerdorf, um kurz vor halb zehn gestern Abend. Die Spannung war ihm noch anzumerken, denn über lange Zeit war unklar, ob der Amtsinhaber die Wiederwahl im ersten Wahlgang schaffen würde. Die Werte lagen mal knapp über, mal knapp unter der entscheidenden 50-Prozent-Marke. Die Herausfordererin von der CDU, Fabienne Frisch, in der Politik ein Neuling, holte auf Anhieb 26,3 Prozent der Stimmen. Corinna Kastl-Breitner, seit Langem ein bekanntes Gesicht bei den Grünen, landete nur auf Platz drei (23 Prozent). Sie sei dennoch „zufrieden“, sagte sie. Lachen-Speyerdorf sei eben ein „schwieriges Pflaster“. Kastl-Breitner räumte ein, dass die Themen der Grünen – Stichwort Linden am Jahnplatz – offenbar die Mehrheit nicht überzeugt haben.
Königsbach
89 Prozent hat Alexandra Schaupp geholt, fast genauso viel wie bei ihrer ersten Wahl 2017. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte die 45-Jährige. Denn bei manchen Themen könne man es einfach nicht allen Recht machen, beispielsweise beim Thema Parkboxen. „Aber vielleicht war ich ja doch überzeugend genug.“ Mit großem Interesse hat Schaupp auch die Wahl in den anderen Ortsteilen verfolgt, und da besonders „bei den Damen geguckt“. Im Jubiläumsjahr des Frauenwahlrechts sollten doch ein paar Frauen gewählt werden, sagte sie. Besonders spannend war für sie deshalb die Wahl in Haardt und in Lachen-Speyerdorf, wo CDU-Frauen im Rennen waren.
Duttweiler
Mit seinen 85 Prozent „natürlich sehr zufrieden“ ist Kay Lützel. Der Parteilose ist insbesondere als ehemaliger Vorsitzender des Schwimmbad-Fördervereins in Duttweiler bekannt und war beim fünf Jahre dauernden Mediationsverfahren zur Geothermie beteiligt. Am Wahlabend hat Lützel Sekt und Schorle ins Dorfgemeinschaftshaus gebracht, um mit seinen Unterstützern zu feiern. Eine Gratulation bekommt er auch von Kontrahentin Hella Kuhlbrodt (SPD), die sich mit 15 Prozent begnügen muss. „Ich hatte damit gerechnet, dass es eine neue, junge Kandidatin von der SPD nicht einfach haben wird“, sagt sie. Sie sei aber glücklich, dass es in der Demokratie die Wahl zwischen Alternativen gebe. Auch daher sei sie mit dem Ergebnis „zufrieden“.
Gimmeldingen
„Ich kann das Ergebnis gut nachvollziehen“, sagt die trotz eines Minus von 8,8 Prozent der Stimmen wiedergewählte Amtsinhaberin Claudia Albrecht. Sie hatte keinen Gegenkandidaten und kommt auf 66,4 Prozent. „Bürgerinnen und Bürger, die mit dem Mandelblütenfest ein Problem haben, tun das bei der Wahl kund“, mutmaßt die CDU-Frau. Vielleicht handele es sich bei den Stimmverlusten aber auch um „Ohrfeigen für mein Parteibuch“. Das fände sie „sehr schade“, denn im Dorf sollte man sich „an den eigenen Leistungen messen lassen“ können.
Mußbach
Mit 59,6 Prozent über ein fast gleichbleibendes Ergebnis gegenüber 2014 darf sich der wiedergewählte Ortsvorsteher Dirk Herber (CDU) freuen. Erneut hieß sein Herausforderer Roland Ipach (FWG), der 40,4 Prozent holte. „Es freut mich, dass ich für meine Arbeit und die meines starken Teams bestätigt wurde“, sagt Herber. Gefeiert hat er mit dem CDU-Ortsverband im Weingut Hellmer. Hier verfolgte das Landtagsmitglied auch die Europa-Wahl. „Besonders auffallend war, dass die Grünen hier so gut abgeschnitten haben – das aber sicher nicht aufgrund deren eigener politischer Leistung“, sagt Herber.
Hambach
In Hambach wird es auch dieses Mal wieder eine Stichwahl geben: für Pascal Bender (SPD), den Herausforderer, ein Erfolg. „Es freut mich, dass meine Arbeit honoriert wird“, sagte er. Bender war bisher Stellvertreter von Gerda Bolz (CDU), die sich auch bei der Wahl 2014 erst in der Stichwahl gegen Bender durchsetzte. Bolz war gestern Abend nicht zu erreichen. Hartmut Heller (FWG) trat ebenfalls zum zweiten Mal an und konnte sein Ergebnis im Vergleich zu 2014 um immerhin fast neun Prozent verbessern.
Geinsheim
In dem traditionell „schwarzen“ Ortsteil steht künftig eine FWG-Frau an der Spitze der Ortsverwaltung: Sabine Kaufmann, Friseurmeisterin, 51 Jahre alt. Kaufmann war „nur“ Nachrückerin (der ursprüngliche Bewerber der FWG, Lukas Bayer, konnte nicht antreten, weil er mit 21 Jahren das Mindestalter noch nicht erreicht hat), setzte sich aber auf Anhieb gegen den seit vielen Jahren aktiven CDU-Politiker Clemens Stahler und gegen die SPDlerin Eva-Maria König im ersten Wahlgang durch. Kaufmann war gestern Abend nicht erreichen. Stahler zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis. Möglicherweise habe der Trend in der Stadt, aber auch in ganz Deutschland, eine Rolle gespielt.
Haardt
Obwohl die Grünen vielerorts vom allgemeinen Trend profitiert haben, haben sie im Ortsteil den Ortsvorsteher-Posten verloren. Richard Racs war dort 2014 zum ersten grünen Ortsvorsteher der Stadt gewählt worden. Jetzt geht der Posten an die CDU. Silvia Kerbeck ging aus einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit Philipp Eber-Huber von den Grünen letztlich als Siegerin hervor. Beide waren gestern Abend nicht zu erreichen.