Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadter befürchten Zerstörung der „gewachsenen Wohnlandschaft“

Die Tage des Hauses an der Ecke Kastanienweg/Waldstraße sind gezählt. Hier sollen zwei Mehrfamilienhäuser entstehen.
Die Tage des Hauses an der Ecke Kastanienweg/Waldstraße sind gezählt. Hier sollen zwei Mehrfamilienhäuser entstehen.

Auf der Hambacher Höhe werden zunehmend Einfamilienhäuser von Bauträgern gekauft und abgerissen, um Platz für Wohnanlagen zu schaffen. Anwohner beklagen, dass dadurch „die gewachsene Wohnlandschaft“ zerstört werde. In Kürze wird nun die Fabrikantenvilla Häussling an der Ecke Kastanienweg/Waldstraße Vergangenheit sein.

Die Firma Gerst Projektbau GmbH aus Edenkoben hat das 1421 Quadratmeter große Grundstück an der Ecke Kastanienweg/Waldstraße auf der Hambacher Höhe gekauft. Dort steht noch ein Einfamilienhaus, in dem bis vor kurzer Zeit Mitglieder der Familie Häussling wohnten. Der überwiegende Teil des Grundstücks wurde als Garten genutzt.

Das Anwesen sei für 1,1 Millionen Euro zum Verkauf angeboten worden, berichten Nachbarn. Nach Informationen der RHEINPFALZ liegt der Verkaufspreis tatsächlich in dieser Höhe. Ralf Uhl, Geschäftsführer der Gerst Projektbau GmbH, will zum Kaufpreis keine Angaben machen.

Mehrfamilienhäuser geplant

Das Edenkobener Unternehmen wolle auf dem Grundstück zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt sieben Wohnungen bauen, teilt Uhl mit. Ein entsprechender Bauantrag sei gestellt. Dieser werde von der Verwaltung derzeit bearbeitet, teilt Heike-Katherina Soffel, Leiterin der Abteilung Bauordnung, auf Anfrage mit. Bevor der Antrag vorgelegt wurde, seien bereits mehrere Gespräche geführt worden. Nach Angaben von Soffel soll die Erschließung der miteinander verbundenen Gebäude über den Kastanienweg erfolgen. Die Zufahrt zu einer geplanten Tiefgarage werde in der Waldstraße sein.

Das größere der beiden Gebäude werde zwei Vollgeschoße und ein ausgebautes Dachgeschoß haben und in Richtung Kastanienweg stehen. Ein Satteldach mit Gauben sei hier geplant. In Richtung Waldstraße sei ein Gebäude mit Flachdach vorgesehen. Wie hoch dieses Gebäude sein wird, darüber werde noch verhandelt. Uhl macht keine Angaben zu Größe und Aussehen der geplanten Gebäude.

Über Gebäudehöhe wird verhandelt

Da es für das Gebiet keinen Bebauungsplan gibt, müsse das Bauvorhaben nach Paragraf 34 der Landesbauordnung genehmigt werden, wenn es sich in die Umgebung einfügt, erklärt Soffel. Die Verwaltung achte darauf. Das sei auch der Grund dafür, dass viele Gespräche geführt worden seien und über die Höhe des in Richtung Waldstraße geplanten Gebäudes noch verhandelt werde, sagt Soffel. „Das Bauvolumen wird sich in die Umgebungsbebauung einfügen“, teilt Uhl mit.

Nachbarn sehen das ganz anders. „Das gibt ein Riegel. Und ich befürchte, dass es ziemlich hoch wird“, sagt Helmut Bernhard, der im Kastanienweg direkt neben dem ehemaligen Häussling-Anwesen wohnt. Er hat über die Bauabteilung der Stadtverwaltung darum gebeten, dass sich der Bauherr mit den Nachbarn in Verbindung setzen soll. Sie sollen aufgeklärt werden, was auf dem Grundstück vorgesehen ist. „Der Bauherr hat sich aber nicht gemeldet“, bedauert Bernhard. „Wir sind besorgt und würden gern wissen, wie es weitergeht“, sagt Bernhard. Das bestätigen andere Anwohner.

Kaufpreis sei ausschlaggebend gewesen

Wie Bernhard berichtet, habe es einen weiteren Interessenten für das Grundstück gegeben. Dieser habe das vorhandene Gebäude sanieren und umbauen wollen. Die Gerst Projektbau GmbH habe jedoch den Zuschlag erhalten, weil sie einen höheren Preis geboten habe.

„Ich habe keine Informationen, was gebaut werden soll“, sagt auch Gerhard Mattern, der Nachbar in Richtung Waldstraße. Mattern ist Bauingenieur und weiß aus beruflicher Erfahrung, „dass Bauträger dort, wo es keine Bebauungspläne gibt, so groß bauen, wie es möglich ist“. Bernhard und Mattern befürchten eine Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität. Sie wissen aber, dass sie nichts dagegen tun können.

Zur Sache: Fast keine Bebauungspläne

Das Bauvorhaben an der Ecke Kastanienweg/Waldstraße sei eines von mehreren Projekten, durch die „die gewachsene Struktur der Hambacher Höhe zerstört wird“, sagt Helmut Bernhard, der im Kastanienweg wohnt. Bereits im vergangenen Jahr wurde in der Dochnahlstraße gegen den Widerstand von Anwohnern ein Mehrfamilienhaus gebaut. Entsprechende Pläne gibt es für ein Grundstück in der Hermann-Ehlers-Straße.

„Ich habe nichts gegen moderne Architektur, aber diese Riesendinger passen nicht auf die Hambacher Höhe“, findet Bernhard. In dem Stadtteil, der überwiegend kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren entstanden ist, stehen vor allem Ein- und Zweifamilienhäusern mit teils großen Gärten. Seit einiger Zeit ist hier ein Generationswechsel. Dabei werden immer wieder Grundstücke an Bauträger verkauft. Bernhard rechnet mit dem Bau weiterer Wohnanlagen. Da für den größten Teil der Hambacher Höhe keine Bebauungspläne vorhanden sind, „ist Wildwuchs Tor und Tür geöffnet“, bedauert Bernhard.

Nathalie Humm, Mitarbeiterin der Abteilung Bauordnung der Neustadter Stadtverwaltung, bestätigt, dass nur für einen kleinen Teil der Hambacher Höhe Bebauungspläne gelten. „Das liegt an der Entstehungszeit des Stadtteils“, erklärt sie. Vor dem Krieg seien gar keine Bebauungspläne erstellt worden. Auch in der Nachkriegszeit sei das nicht die Regel gewesen. Erst ab den 1980er-Jahren seien für neue Baugebiete immer Bebauungspläne erarbeitet worden. Nachträglich würden diese in der Regel nur erstellt, wenn dies „städtebaulich erforderlich ist“, aber nicht wegen einzelner Bauvorhaben, erläutert Nathalie Humm.

Kommentar: Stadt ist gefragt

Die Hambacher Höhe war schon immer ein beliebtes Wohngebiet, unter anderem wegen ihrer Struktur. Es dominieren Ein- und Zweifamilienhäuser auf großen Grundstücken mit viel Grün. Einen Sündenfall gab es in den 1970er-Jahren mit dem sogenannten indischen Grabmal, eine Wohnanlage an der Ecke Maxburg- und Waldstraße. Das war zu verkraften. Doch nun interessieren sich Bauträger für Grundstücke auf der Hambacher Höhe. Und sie haben Aussicht auf Erfolg, da teilweise ein Generationswechsel ansteht und die Erben verständlicherweise meist einen hohen Verkaufspreis erzielen möchten.

Bauträger haben finanziell mehr Möglichkeiten als Familien. Den Gewinn wollen die Bauträger durch eine möglichst dichte Bebauung erwirtschaften. In der Kommunalpolitik wird darüber diskutiert, über Bebauungspläne eine zu intensive Bebauung in Hambach zu verhindern. Das wäre auch für die Hambacher Höhe dringend erforderlich.

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