Neustadt
Neustadt: Zwei Ruhestands-Leben für den Kneipp-Verein
Günter Nesseler und Hans Weckerle sind zwei Paradebeispiele für erfolgreiches „Kneippen“. Die beiden Ehrenamtlichen des Neustadter Kneipp-Vereins werden am Donnerstag mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz für ihr langjähriges Engagement geehrt. Im Auftrag von Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer die Auszeichnung verleihen.
Sebastian Kneipp, eingestaubt und altbacken? Ganz sicher nicht. Denn Günter Nesseler und Hans Weckerle, der eine „noch 87“, der andere „schon 88 Jahre“ alt, haben die fünf Säulen der Kneippschen Lehre so verinnerlicht, dass sie ihren Ausweis zücken müssen, um ihr Alter zu dokumentieren. Ansonsten gingen sie glatt als 70-Jährige durch. Beide kamen über ihre Frauen zum Kneipp-Verein und starteten als Pensionäre ehrenamtlich durch.
Mit Wandertouren aufgepeppt
Weckerle, im Beruf als Versicherungskaufmann erfolgreich, engagierte sich als Schriftführer, Nesseler, ehemaliger Finanzbeamter, lenkte die Geschicke des Vereins als Schatzmeister. Doch diese beiden „trockenen“ Verwaltungsaufgaben peppten sie als Wanderführer mit spannenden Touren auf. Nesseler stieg erst aus, als ihn 2018 ein Herzinfarkt ausbremste, Weckerle organisiert noch immer mit zwei anderen Wanderfreunden die Touren.
„Wir treffen uns meist am Bahnhof und fahren immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Altersbedingt haben wir unsere Strecken jetzt von 16 Kilometer auf zehn Kilometer reduziert“, erzählt Weckerle. Und Nesseler ergänzt schelmisch: „Wenn die Touren länger waren, kamen weniger Wanderer.“ Verirrt haben sie sich nie, verloren ging auch kein Mitwanderer. Sorgfältig wurden die Strecken geplant, ganz ohne Technik, nur mit Wanderkarten oder Büchern. Ein Muss für jede Tour: „Die Einkehr in einer Hütte.“
Früher mal Wanderreisen
Günter Nesseler war gerne Organisator. Er managte die Buchhaltung, mit über 50 Kursen im Jahr ein Halbtagsjob. Schließlich mussten nicht nur die Beiträge eingetrieben, sondern auch die Kursleiter bezahlt werden. Vor einigen Jahren gab es auch einwöchige Wanderreisen. Anfahrt und Rückfahrt buchen, Übernachtungen regeln und natürlich die Strecken planen, das alles fraß viel Zeit. Auch beim 60-jährigen Vereinsjubiläum 2016 war er stark eingebunden: „Der Herzinfarkt danach war ein Warnschuss für mich, kürzer zu treten.“
Hans Weckerle organisiert noch immer neben den monatlichen Wanderungen jährlich einen Tagesausflug. 2019 geht es nach Aschaffenburg – „die 50 Plätze waren schnell ausgebucht“. Als Wanderführer ist er noch immer aktiv. „Wir suchen Nachwuchs und Nachfolger. Als Verein sind wir überaltert“, meint er bedauernd. Dabei sind die Angebote im Verein vielfältig. Gedächtnistraining, Yoga, Gymnastik, Wirbelsäulengymnastik, Qi Gong, Reha-Sport gibt es an verschiedenen Standorten. Auch „Eutonie“, eine besondere Art der Bewegung für eine feine Körperwahrnehmung, wird stark nachgefragt.
Kneipps Säulen die Grundlage
Für beide sind die fünf Säulen Sebastian Kneipps eine wichtige Basis für die eigene Gesundheit. Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung und Heilpflanzen sorgen für einen gesunden Körper. Ganz wichtig aber auch die Lebensordnung, die für Geist und Seele eine große Rolle spielt –und den beiden Ehrenmitgliedern als Motto für ihren langen Einsatz dient. „Das hilft beim Umgang untereinander. Die Sitzungen im Vorstand waren schließlich auch mal kontrovers, das wurde dann stilvoll und harmonisch gelöst“, verrät Nesseler.
Die noch immer gut besuchten Wanderungen dienen übrigens nicht nur der Bewegung, sondern auch dem sozialen Miteinander. Es gibt nur ein Problem. „Die jüngeren Leute interessieren sich nicht für uns“, sagen Nesseler und Weckerle. Eine Lösung, wie der Kneipp-Verein aus dem Schatten der Fitnessstudios treten kann, haben sie nicht. Es sei denn, man nimmt die beiden Senioren als leuchtendes Beispiel für ein langes, gesundes Leben „nach Kneipp“.
Info
Kneipp-Verein Neustadt, Vorsitzender Horst Dittmann, Telefon 06321/88444, Jahresprogramm im Internet unter www.kneipp-verein-neustadt.de