Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Vorlesetag in der Schöntalschule

Die städtische Beigeordnete Waltraud Blarr hatte Astrid Lindgrens „Immer dieser Michel“ für die Zweitklässler der Schöntalschule
Die städtische Beigeordnete Waltraud Blarr hatte Astrid Lindgrens »Immer dieser Michel« für die Zweitklässler der Schöntalschule mitgebracht. Foto: Linzmeier-Mehn

Jedes Jahr am dritten Freitag im November ist bundesweiter Vorlesetag. Dann tragen quer durchs Land Freiwillige Kindern Geschichten vor, um das Interesse für Bücher zu wecken. Auch die Neustadter Schöntalschule hatte Lesepaten für die Aktion gewinnen können.

Einen ungewöhnlichen Freitagmorgen erlebten die Kinder der Schöntalschule in Neustadt. Nicht die Klassenlehrer standen vor ihnen, sondern Menschen, die sie vielleicht in der Stadt oder in der Zeitung mal gesehen haben. Zwei Politiker, ein Richter und ein Kirchenvertreter waren gekommen, um den Grundschülern anlässlich des bundesweiten Vorlesetags Geschichten vorzutragen. Konkret die städtische Beigeordnete Waltraud Blarr, der Landtagsabgeordnete Dirk Herber, Amtsgerichtsdirektor Matthias Frey sowie Dekan Michael Janson. Mit im Gepäck hatten sie Bücher, die sie für diesen Aktionstag ausgewählt hatten.

Bücher regen die Fantasie an

Dekan Janson hatte sich für das Buch „Die Zauberschule und andere Geschichten“ von Michael Ende entschieden. „Ich schätze den Autor. Wir Erwachsene kennen sicherlich seine Werke, etwa ,Die unendliche Geschichte’ oder ,Momo’. Die Kinder verbinden mit den Titeln aber wahrscheinlich nichts mehr“, vermutet Janson. Deshalb fand er es angebracht, den Erzähler an solch einem Tag in Erinnerung zu rufen. „Zumal es Geschichten sind, die eine Leichtigkeit und eine schöne Sprache haben. Sie haben Humor und regen die Fantasie an.“ Den Kleinen schien es zu gefallen. So gespannt, wie sie den Worten Jansons lauschten.

Generell war es im Schulgebäude ruhig. In allen vier Klassen wurden die Kinder mit auf eine abenteuerliche Reise genommen. Matthias Frey, der auch im Stadtrat vertreten ist, präsentierte den Drittklässlern Ulrich Hubs „An der Arche um Acht“. Ein Buch über Freundschaft, Streit und Versöhnung, eingebettet in die Geschichte über die Sintflut. „Da bekam der Pinguin einen Tritt“, erzählte Frey, bevor er seinen Blick nach oben richtete und fragte: „Das macht man aber nicht, oder Kinder?!“ Die Kleinen nickten und warteten gespannt darauf, wie es mit den Pinguinen und ihrem Ticket für Noahs Schiff weitergeht.

Figuren aus den Kinderbüchern als Vorbilder

Waltraud Blarr ist überrascht, „wie diszipliniert und aufmerksam die Kinder waren“. Die Zweitklässler, denen sie einen Vorgeschmack auf „Immer dieser Michel“ von Astrid Lindgren gab, hatten es sich aber auch gemütlich gemacht. Sie hatten alle ein weiches Kissen dabei, einige sogar ihr Kuscheltier. „In der heutigen Zeit, in der Kinder schon früh mit digitalen Medien konfrontiert werden, kann der Protagonist ein Vorbild für authentische Erfahrungen und Erlebnisse sein“, findet Blarr. Der fünfjährige Michel aus dem Kinderbuch lebe auf einem Bauernhof und habe mehr mit Tieren und der Natur zu tun als mit Smartphones und PCs.

Jedes Jahr am dritten Freitag im November rufen die Wochenzeitung „Die Zeit“, die Stiftung Lesen und Deutsche-Bahn-Stiftung zu diesem bundesweiten Aktionstag auf. Sie wollen die Lust für das Lesen und Vorlesen wecken. Freiwillige sind dann in Einrichtungen, etwa in Schulen und Bibliotheken, im Einsatz. Die vier Lesepaten in Neustadt nahmen sich für die Grundschüler eine halbe Stunde Zeit. Für Mußbachs Ortsvorsteher Dirk Herber aber ging es danach weiter. Er las in der Geinsheimer Kita das Buch „Der Löwe in dir“ vor.

Vorlesen hat Tradition in manchen Familien

„Ich finde es schön, den Kindern etwas vorzutragen“, sagt der Mußbacher. Das Vorlesen habe im Hause Herber deshalb Tradition, ebenso in vielen anderen Familien. Giselle, 7 Jahre, erzählt stolz, dass ihre Eltern ihr immer etwas aus Büchern vorlesen. Felicitas, 9 Jahre, fand es schön, dass die ganze Klasse so aufmerksam den Worten Herbers gelauscht hat. Klassenlehrer und Schulleiter Johannes Hesser las noch ein weiteres Kapitel von „Die Gruselfalle“ aus der Reihe „Die drei Fragezeichen Kids“, bevor sich die Kinder künstlerisch betätigen konnten. „Sie sollen zu einem Werk, das wir kürzlich im Unterricht gelesen haben, einen Comic erstellen“, berichtete Hesser. In den anderen Klassen, beispielsweise bei den Drittklässlern, waren die Kinder an der Reihe, ihren Mitschülern etwas vorzulesen.

Dekan Michael Janson wollte die Erstklässler für Geschichten von Michael Ende begeistern.
Dekan Michael Janson wollte die Erstklässler für Geschichten von Michael Ende begeistern. Foto: Linzmeier-Mehn
Matthias Frey ist beruflich im Amtsgericht tätig, ausnahmsweise war er in der Grundschule als Lesepate im Einsatz.
Matthias Frey ist beruflich im Amtsgericht tätig, ausnahmsweise war er in der Grundschule als Lesepate im Einsatz. Foto: Linzmeier-Mehn
CDU-Landtagsabgeordneter Dirk Herber trägt seinen Kindern gerne Geschchten vor, am bundesweiten Vorlesetag nahm er Grundschüler
CDU-Landtagsabgeordneter Dirk Herber trägt seinen Kindern gerne Geschchten vor, am bundesweiten Vorlesetag nahm er Grundschüler mit auf eine abenteuerliche Reise. Foto: Linzmeier-Mehn
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