Neustadt
Neustadt: Umweltabteilung hat eine Biodiversitätsstrategie entworfen
Die städtische Umweltabteilung hat eine Biodiversitätsstrategie entworfen. Umweltdezernentin Waltraud Blarr wünscht sich, dass sie im ersten Halbjahr 2020 vom Stadtrat auf dem Weg gebracht wird. In dem Papier werden Möglichkeiten aufgelistet, um die biologische Vielfalt zu steigern. Kommt damit auch eine Baumschutzsatzung?
Über die Einführung einer Baumschutzsatzung wurde in Neustadt schon oft diskutiert, zuletzt in der Dezembersitzung des Stadtrats. Die städtische Umweltabteilung hat das Thema auf dem Schirm – als Teil eines deutlich größeren Maßnahmenpakets: „Die Baumschutzsatzung ist ein mögliches Puzzleteil unserer Biodiversitätsstrategie“, sagt Umweltdezernentin Waltraud Blarr (Grüne). Diese liegt im Entwurf vor und soll möglichst im ersten Halbjahr 2020 vom Stadtrat verabschiedet werden. Einige der darin enthaltenen Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder stehen in den Startlöchern.
Neustadt ist Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und hat kürzlich das Label der Initiative „Stadtgrün naturnah“ erhalten. Viele Maßnahmen, die dafür bereits erfüllt oder als städtisches Ziel ausgerufen werden mussten, finden sich auch in der Biodiversitätsstrategie wieder. Diese bündelt nun sämtliche Handlungsempfehlungen und betrifft nicht nur die Umwelt- und die Grünflächenabteilung, sondern alle Bereiche der Verwaltung. „Sie enthält vielfältige Ansätze zur Steigerung der Biodiversität“, erläutert Blarr. Die Ziele müssten aber auch mit personellen Ressourcen besetzt werden, ebenso seien finanzielle Mittel erforderlich.
Über den Tellerrand geschaut
Bei der Entwicklung des Maßnahmenpakets hat die Umweltabteilung, die dabei eng mit dem Grünflächenamt zusammenarbeitete, auch über den Tellerrand geschaut: Man habe sich die Biodiversitätsstrategie der Neustadter Partnerstadt Wernigerode sowie die der Stadt München angeschaut und eine Art Mischung daraus gemacht, so Blarr. Zudem habe man überprüft, was mit Blick auf die biologische Vielfalt schon jetzt bei der Stadt und ihren Tochtergesellschaften gut laufe. Zum Beispiel habe die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) in den vergangenen Jahren zahlreiche Gründächer etabliert: „Das wussten viele von uns gar nicht“, sagt Blarr. Deshalb sind in dem Strategieentwurf nicht nur Handlungsempfehlungen aufgeführt, sondern auch Referenzmaßnahmen aufgelistet.
Das Papier beginnt mit dem Thema „Grünflächen“. Eine Handlungsempfehlung ist unter anderem die Erhöhung der biologischen Vielfalt in Parks, auf Friedhöfen sowie auf Grünflächen an städtischen Gebäuden, Schulen und Sportanlagen. Mit Blick auf Grünflächen, die nicht der Stadt gehören, taucht zum Beispiel ein mögliches Verbot sogenannter Schottergärten auf. Dazu Info- und Beratungsangebote, um die Bürger aufzuklären und zu sensibilisieren.
Lichtverschmutzung auch im Visier
Der nächste übergeordnete Punkt sind „Gebäude und innerörtliche Freiflächen“. Darunter fällt die Erarbeitung eines Gebäudebegrünungskonzepts – dieses Jahr soll es dazu Infomaterial für die Bürger geben. Zudem wird ein Gründachpotenzialkataster erstellt – um Möglichkeiten aufzuzeigen, wo bei bestehenden Gebäuden eine Dachbegrünung machbar und sinnvoll wäre. Auch verpflichtende Minimalmaßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität bei künftigen Um- und Neubauten sind angedacht. Stichwort Lichtverschmutzung: Bei künftigen Beleuchtungskonzepten soll die biologische Vielfalt so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Dafür hat die Stadt schon eine Lichtplanerin.
Weiter geht’s mit „Flächen, Strukturen und Objekten außerorts“. Beispiele sind die Optimierung von Wegrändern, Ackerrainen und Gewässerrändern, eine Kooperation mit der Bauern- und Winzerschaft zur Erhöhung der biologischen Vielfalt durch freiwillige Maßnahmen sowie der Erhalt historischer Weinbauterrassen. Der Wald spielt hier natürlich auch eine Rolle, vor allem mit Blick auf den Klimawandel. Ziel ist ein höherer Laubbaumbestand, allerdings sieht Blarr den Stadtwald schon auf einem guten Weg: „Unsere drei Förster wirtschaften da sehr ökologisch“, lobt die Umweltdezernentin. Mit Blick auf Gewässer sollen Renaturierungen weitergeführt und Maßnahmen zur Anreicherung von Grundwasser ergriffen werden.
Fortbildung und Aufklärung
Die vierte und letzte große Überschrift im Entwurf für eine Biodiversitätsstrategie lautet „Förderung umweltbewussten Handelns“. Dafür sollen zunächst die städtischen Mitarbeiter mit Fortbildungsmaßnahmen fit gemacht werden. Das Wissen soll dann aber auch an die Bürger weitergegeben werden. Viele wüssten gar nicht, dass sie beispielsweise bei der Bewirtschaftung ihres Garten mit wenig Aufwand etwas für die biologische Vielfalt tun könnten, glaubt Blarr. Kommunale Umweltbildung könne man auch im Programm der Volkshochschule verankern. Zwar gebe es da punktuell schon Angebote, aber so etwas ließe sich ja durchaus verstetigen.
Alle Punkte der Strategie sind Handlungsempfehlungen und keine Beschlüsse. Viele Inhalte müssten einzeln vom Stadtrat auf den Weg gebracht werden – zum Beispiel die vieldiskutierte Baumschutzsatzung. Dafür gibt es aktuell noch keinen Entwurf. Dazu müsse nämlich einiges geklärt werden, sagt Blarr: Ab welcher Größe eines Baums gilt die Satzung, welche Ausnahmen sind möglich, wie sieht es mit Nachpflanzungen aus und so weiter.
Zur Sache: Klimaschutz-Homepage ist online
Die Stadt hat jetzt eine eigene Klimaschutz-Webseite: Ab sofort ist sie unter klimaschutz.neustadt.eu im Internet zu finden. Damit wurde eine weitere Maßnahme aus dem Klimaschutzkonzept umgesetzt. „Es hat etwas länger gedauert als gedacht, aber es war auch ein größerer Aufwand“, sagt Beigeordnete Waltraud Blarr (Grüne). Mit dem Ergebnis ist die Umweltdezernentin sehr zufrieden: „Die Seite bietet viele Informationen, ist attraktiv und übersichtlich. Ich freue mich sehr, dass wir sie jetzt haben.“
Federführend beim inhaltlichen Aufbau waren die städtischen Klimaschutzmanager Marcel Schwill und Andreas Faßbender. Die Webseite an sich wurde von einer externen Firma erstellt und ist eine gespiegelte Homepage: Sie hat das gleiche Erscheinungsbild wie die städtische Seite. Der Webauftritt ist gut strukturiert, bietet einen schnellen Überblick und viele Infos – einerseits in Kurzform, andererseits kann der Besucher aber auch problemlos tiefer in die Themen eintauchen. Das Onlineangebot soll kontinuierlich ausgebaut werden, demnächst kommt zum Beispiel ein Solar- und Gründachkataster dazu. Zum Start der Webseite gibt es auch ein Gewinnspiel.
Einwurf: Sinnvolle Sache
Ist es wirklich notwendig, dass die Stadt eine eigene Klimaschutz-Homepage hat? Nein, ist es nicht, man hätte die Inhalte in die „normale“ Webseite integrieren können. Allerdings wären sie dort unter den vielen anderen Kategorien eher untergegangen. Mit einem eigenen Onlineauftritt lassen sich die zahlreichen Infos, die hilfreichen Energiespartipps und die geplanten Klimaschutzmaßnahmen der Stadt deutlich besser präsentieren. Dem Klimaschutz soll und muss verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden – auch das wird mit einer eigenen Homepage dokumentiert. Alles in allem also eine sinnvolle Sache, die sich sehen lassen kann.