Neustadt
Neustadt: Sozialdezernent sucht nach Lösung für Suchtberatung
Im November hatte die Evangelische Heimstiftung Pfalz bekanntgegeben, ihre Suchtberatungsstelle in Neustadt Ende 2020 zu schließen. Die städtische Sozialverwaltung sucht seither das Gespräch – mit der Heimstiftung, aber auch mit anderen potenziellen Trägern eines solchen Angebots.
Irritiert über die Vorgehensweise, aber jederzeit gesprächsbereit – in diesem Sinn hat sich jetzt der Sozialdezernent der Stadt Neustadt, Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, in die Debatte um die Schließung der Fachstelle Sucht der Evangelischen Heimstiftung Pfalz eingeschaltet.
Dass die Heimstiftung ihre Suchtberatungsstellen in Neustadt, Frankenthal und Landau Ende dieses Jahres aufgeben will, hat in den Kommunen viel Kritik ausgelöst. Rund 20 Mitarbeiter sind betroffen, denen andere Stellen bei der Heimstiftung angeboten werden sollen. Darüber war das Personal am 25. November informiert worden, zeitgleich mit der Presse. Er finde es sehr ungewöhnlich, dass ein Kooperationspartner der Stadt die Zusammenarbeit auf diesem Weg und ohne vorherige Gespräche aufkündige, so Röthlingshöfer in einem Schreiben an Ralph Moog, Stiftungsvorstand Kliniken und Finanzen.
400.000 Euro fehlen
Die geplante Schließung hatte die Heimstiftung finanziell begründet. Das jährliche Defizit von insgesamt fast 400.000 Euro könne nicht mehr ausgeglichen werden. Die drei Suchtberatungsstellen bieten ihre Hilfe weitgehend kostenlos an und werden durch die Heimstiftung sowie Zuschüsse von Land und Kommunen finanziert. 2012 waren sie in die Trägerschaft der Heimstiftung übergegangen, um das Diakonische Werk der Pfalz finanziell zu entlasten. Die Stiftung unterhält auch zwei Fachkliniken sowie ein Rehabilitationszentrum.
Rechnung nicht nachvollziehbar
Die Finanzlage habe in den regelmäßigen Gesprächen zwischen Heimstiftung und Stadt bisher keine wesentliche Rolle gespielt, erklärt der Bürgermeister. Auch Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr, den er oft treffe, habe ihn nie darauf angesprochen. Bähr hatte erklärt, dass der Eigenanteil des Trägers fast 50 Prozent betrage, was unangemessen sei.
Diese Rechnung sei anhand der ihm vorliegenden Zahlen nicht nachvollziehbar, stellt Röthlingshöfer fest und verweist auf die Neustadter Schlussrechnungen der vergangenen Jahre. Beispiel 2018: Gesamtkosten von rund 405.000 Euro standen Einnahmen von gut 8000 Euro gegenüber. Den Fehlbetrag von rund 397.000 Euro übernahmen das Land mit fast 162.350 Euro und die Stadt mit 138.500 Euro, bei der Heimstiftung verblieben 96.500 Euro. Ähnlich sieht es in den Vorjahren und auch im noch nicht ganz abgerechneten Jahr 2019 aus. Diese Einschätzung würde von seinen Kollegen in Frankenthal und Landau geteilt, sagt der Bürgermeister.
Schon im November gemeldet
Noch im November hatte Marion Walz, Leiterin des städtischen Fachbereichs Jugend, Soziales und Familie, der Heimstiftung ein Gespräch im Januar angeboten, um das weitere Vorgehen so schnell wie möglich zu besprechen. Eine Rückmeldung gab es noch nicht.
Daher erneuert Röthlingshöfer in seinem aktuellen Schreiben das Angebot. Erklärtes Ziel sei es, weiter eine Suchtberatung in Neustadt anbieten zu können. Dabei seien auch Verbundlösungen mit Frankenthal und Landau möglich, sofern der Standort Neustadt erhalten bleibe. Darüber sei sowohl mit der Heimstiftung als auch mit anderen potenziellen Anbietern zu reden.
Kommentar: Folgerichtig
Suchtberatung, gerade mit Blick auf junge Menschen, ist zweifellos wichtig. Daher ist es nur folgerichtig, dass der Neustadter Sozialdezernent alles daran setzen will, dieses Angebot zu erhalten. Vor allem die Schulen werden es ihm im Erfolgsfall danken. Dass die Zukunft aber weiter in Kooperation mit der Heimstiftung gestaltet wird, daran dürfte es erhebliche Zweifel geben. Insofern ist ebenso folgerichtig, wenn sich die Stadt bereits nach anderen Partnern umschaut.