Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Sopranistin Sonja Grevenbrock siegt beim 35. Meistersinger-Wettbewerbskonzert

Sonja Grevenbrock, Sopranistin aus Münster, ersang sich mit der„Arie der Manon“ von Jules Massenet den ersten Preis.  Foto: Linz
Sonja Grevenbrock, Sopranistin aus Münster, ersang sich mit der»Arie der Manon« von Jules Massenet den ersten Preis.

Sopran oder Bass? Die Jury entschied sich beim 35. Neustadter Meistersingerwettbewerb am Freitagabend im Saalbau für die Sopranistin Sonja Grevenbrock als erste Preisträgerin. Die Zuhörer schlossen sich dem Urteil mit überzeugtem Beifall an, belohnten selbst aber den Bass Seungwon Choi mit dem Publikumspreis. Angesichts des hohen Niveaus der Beiträge konnte man bei der Verteilung der weiteren Preise durchaus geteilter Meinung sein, emotionale Faktoren inbegriffen.

Neustadt. Das Wettbewerbskonzert des Meistersingerkurses, seit 20 Jahren unter Leitung der Mainzer Professorin Silvia Eder, war nicht nur hochkarätig, sondern auch eine farbenfrohe, erfrischende Show. „Alle Teilnehmer haben in den 14 Tagen hart gearbeitet, voller Energie“, betonte Hans-Georg Hoffmann, der Vorsitzende des Fördervereins. Die jungen Akteure im international besetzten Kreis der Titelaspiranten zeigten Bühnenpräsenz und beeindruckten mit ihren Arien von Mozart bis Massenet. Stark bereits der Auftritt der ersten Bewerberin, Ayano Yoshinari aus Tokio, die regelmäßig an internationalen Meisterkursen teilnimmt. Das „Schleierlied der Eboli“ aus Verdis „Don Carlos“ gilt als anspruchsvollste Arie der Figur. Die 29-jährige Mezzosopranistin meisterte alle Koloraturen mit Brillanz. Schade, dass sie letztlich nicht auf dem Treppchen stand. Super aber konzipiert für den Auftakt: die übrigen Bewerber wirkten im Duett oder als Chor mit, akustisch wie optisch gelungen.

Auch die Auswahl der Stücke entscheidet über den Erfolg

„Das Eis ist gebrochen“, merkte Moderator Markus Hoffmann treffend an. Bühne frei für die jüngste Teilnehmerin, die 17-jährige Helena Anat Susha aus Mazedonien, die den Mußbacher Meisterkurs in ihren Schulferien besuchte. Lustvoll gestaltete die Sopranistin die „Arie der Juliette“ von Charles Gounod („Romeo und Julia“). Mädchenhafte Koketterie gepaart mit Temperament, die junge Stimme noch ausbaubar – man hatte die Elevin sogleich für einen Förderpreis auf dem Schirm. Die 27-jährige Yuuki Tamai aus Tokio, die in Mainz studiert und zum zweiten Mal am Eder-Meisterkurs teilnahm, präsentierte die „Arie der Lucia“ von Gaetano Donizetti mit flirrend leichten Tremoli, dramatische Stellen mit Flamenco-Temperament gestaltend. Bei der Vergabe der sieben Preise an die zwölf Anwärter ging die Sopranistin letztlich leer aus, ebenso Leon Tchakachow aus Germersheim, der die „Mozart-Reihe im Dreierpack“ eröffnete. Dennoch, er zeigte bei der „Arie des Figaro“ eine beeindruckende Leistung. Zum zweiten Mal am Start, zählt er wie der 23-jährige Erik Reinhardt zu den „Wiederholungstätern“. Der Tenor sicherte sich bei seinem nunmehr dritten Meisterkonzert mit der Arie des Titus „Se all'impero, amici Deo“ den dritten Förderpreis. Die Mozartreihe komplettierte Johanna Reithmeier von der Musikhochschule Leipzig mit der „Arie der Blonde“ aus der „Entführung aus dem Serail“ mit schlankem, zärtlich schmeichelndem Sopran. Bei der Jury konnte sie damit nicht optimal punkten, auch der Moskauer Studentin Dina Levit gelang mit ihrer „Arie der Giulietta“ von Vincenzo Bellini nicht der große Run. Gefühlvolle Klagen, viele ruhige Passagen ohne Klavierbegleitung, glaubhaft emotional: deutlich wurde, dass auch die Auswahl der Stücke über den Erfolg entscheidet.

Kyeyoung Kim landet mit der Arie der Norina auf Platz 3

Einen Treffer landete Larissa Botos bei ihrer zweiten Teilnahme am Wettbewerb mit der „Arie des Nicklausse“ von Jacques Offenbach aus „Hoffmanns Erzählungen“. Erneut sicherte sie sich einen Förderpreis. Als Hommage an Koloratursopranistin Erika Köth, die vor 35 die Meistersingerkurse gegründet hat, deutet Moderator Hoffmann den Vortrag von Kyeyoung Kim, Sopranistin aus Seoul, die ihr Masterstudium in Mannheim absolviert. „270 Mal hat die große Köth die Königin der Nacht gesungen, gerne aber auch die Arie der Norina von Gaetano Donizetti aus ,Don Pasquale’“, kündigte er an. Die 28-Jährige wurde mit ihrer Koloraturstimme dem Anspruch an die Norina gerecht, zeigte lachend-komödiantische Facetten, ließ den Funken zum Publikum und wohl auch zur Jury überspringen. So verwunderte es nicht, das sie den dritten Hauptpreis errang.

Siegerin Sonja Grevenbrock hat bereits im Operngeschäft Fuß gefasst

Der Höhepunkt war aber der Auftritt von Sonja Grevenbrock, die bereits im Operngeschäft Fuß gefasst hat und selbst als Gesangspädagogin wirkt. Die „Arie der Manon“ von Jules Massenet überzeugte in allen Passagen, steigerte sich bis zum imposanten Abschluss. Verdient wird die Förderpreisträgerin von 2017, die letztes Jahr leider leer ausging, diesmal mit dem ersten Platz belohnt. Doch war sie nicht so ganz konkurrenzlos: Einen super Kontrast zu ihren brillierenden Höhen setzte der 33-jährige Seungwon Choi aus Südkorea mit der „Arie des Basilio“ aus Rossinis „Barbier von Sevilla“. Gewaltige Stimme, voller Bass, ein Darsteller mit Herzblut. Perfekt war auch hier wieder die Abstimmung mit den hochkarätigen Pianisten des Abends, Seung-Jo Cha und Christian Rohrbach, die den Meisterkurs als Korrepetitoren begleitetet hatten. Grevenbrock ging als Siegerin des Abends nach dem Juryvotum hervor, Bassist Choi war eindeutig der Liebling der Besucher und erhielt den Publikumspreis.

Beim zweiten Preis entschied vielleicht der „Kükenbonus“ mit

Dass Publikum und Jury nicht in allen Fällen übereinstimmten, zeigte sich deutlich bei der Vergabe des zweiten Hauptpreises. Die fünf Fachleute aus dem Opernfach verteilten Punkte in vier Kategorien: Stimmqualität, technisches Können, musikalische Gestaltung und künstlerische Persönlichkeit. Zu kurz kam dabei Meike Menningen, die stimmlich perfekt und kraftvoll-dynamisch die „Habanera“-Arie aus „Carmen“ interpretierte. Menningen spielte die Figur nicht nur, sondern war „die Carmen“ in Person. Anerkennung gewährte man ihr nur mit dem ersten Förderpreis, eine Enttäuschung. Stattdessen nominierte die Jury Nachwuchssängerin Helena Anat Susha als zweite Hauptpreisträgerin. Ein rein rechnerisches Ergebnis, so die Antwort zum Votum auf Nachfrage. Vermutlich war bei der Punktevergabe auch der „Kükenbonus“ für die 17-jährige Mazedonierin ausschlaggebend, bei der ein Förderpreis eher angemessen gewesen wäre.

Fünf ehemalige Preisträger sorgten für weitere musikalische Glanzpunkte

Während der Entscheidungsfindung des Gremiums überbrachten fünf ehemalige Preisträger ihre musikalischen Grüße zum 35. Geburtstag der Reihe, auch im Gedenken an Gründerin Erika Köth und ihre Nachfolgerin, Kammersängerin Sylvia Geszty. Im Gespräch mit Moderator Hoffmann erinnerten sich die Ehemaligen gerne an ihre Kursteilnahme, lobten die kompetente Schulung durch Prof. Eder als Start in die eigene Bühnenlaufbahn, hoben die lokale Gastfreundschaft und das Neustadter Flair hervor. Saem You (Preisträger 2017) bezauberte als lyrischer Sopran mit der „Arie der Rosalinde“ aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß, Bariton Dimitry Ryabchikov (2012) mit „Eugen Onegin“ von Tschaikowski. Eine heitere Note setzte Mezzosopranistin Silvia Hauer (2010) mit dem „Chanson „Bohème“ aus „Carmen“. Töne überirdisch anmutender Art entwickelte Countertenor Dmitry Egorov (2008) bei der „Arie des Radamisto“ aus Händels gleichnamiger Oper. Beifallsstürme erntete Koloratursopranistin Alexandra Samouilidou (2009) mit der „Arie der Olympia“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ für ihre übersprudelnd witzige Performance – der Top-Act des dreieinhalbstündigen Konzertabends.

Der Bass Seungwon Choi aus Südkorea avancierte mit der „Arie des Basilio“ aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ zum Liebling des Pu
Der Bass Seungwon Choi aus Südkorea avancierte mit der »Arie des Basilio« aus Rossinis »Barbier von Sevilla« zum Liebling des Publikums.
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