Neustadt
Neustadt: Seilbahn-Studie für Hambacher Schloss
Sie betonen, keine euphorischen Seilbahn-Anhänger zu sein. Sie sind aber fest davon überzeugt, dass kein Transportmittel den Personenverkehr zum Hambacher Schloss besser abwickeln kann. Elf Hambacher versuchen, ihre Argumente mit einer Studie zu untermauern.
Der Stadtrat von Ludwigshafen stimmte am Montag für einen ersten Planungsauftrag für eine Seilbahn über den Rhein nach Mannheim. In Frankfurt und München gibt es ähnliche Überlegungen. Und eben auch für Hambach, wo sich im Jahr 90.000 Autos zum Schloss hochquälen.
René Jarschke wohnt in der Freiheitstraße, Jan Burgers in der Bergsteinstraße. Die beiden Mit-Initiatoren des Seilbahn-Konzeptes erklären, dass es ihnen als unmittelbar Betroffene in erster Linie darum geht, Ideen zur Reduzierung des Verkehrs im Ort zu sammeln. Tabulos seien alle möglichen Optionen in einer Machbarkeitsstudie durchgespielt worden, selbst so aufwendige Infrastrukturlösungen wie eine neue Straße durch den Wald (kalkuliert mit über 30 Millionen Euro) oder ein Tunnel (bis zu 45 Millionen Euro).
55 Personen in einer Kabine
Die elf Bürger bezeichnen sich als Interessengemeinschaft und machen keinen Hehl daraus, dass es auch darum geht, das Hambach-Shuttle-Projekt von Stefan Rouwen in Frage zu stellen. „Wir haben nichts gegen E-Mobilität, aber sechssitzige E-Shuttles oder selbst E-Busse mit 20 Plätzen können ohne im Stau zu stehen und die Anwohner weiter zu belästigen keine über 100.000 Besucher im Jahr zum Schloss fahren“, erklärt René Jarschke. Jan Burgers, der an dem Bürgerbeteiligungsprojekt „Hambach Live“ teilgenommen hat, war enttäuscht von dem Verlauf der Diskussionen, „weil da die E-Shuttles uns als einzige perfekte Lösung präsentiert wurden“.
Die Machbarkeitsstudie zur Seilbahn geht davon aus, dass die E-Shuttles einen deutlich höheren Stromverbrauch hätten als die Seilbahn, die in den beiden Kabinen jeweils 55 Personen transportieren könnte. Die Fahrtroute der Shuttles sei fünfmal länger als die 1500-Meter-Luftlinie einer Seilbahn. Eine Fahrt von der Talstation, vorgeschlagen wird als Standort der heutige Wohnmobilparkplatz in der Dammstraße, bis zum Parkplatz unterhalb des Schlosses betrage nur vier bis fünf Minuten.
Doppelmayr und Leitner vor Ort
Die Bürgerinitiative schätzt, dass bis zu 25 Shuttles angeschafft werden müssten, um die steigenden Besucherzahlen des Schlosses zu bewältigen. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von zehn Jahren pro Shuttle würden Investitionskosten von bis zu 35 Millionen Euro anfallen. Eine Seilbahn sei dagegen für rund zehn Millionen Euro zu haben. Sie habe eine Betriebszeit von rund 50 Jahren.
Jarschke (51) ist Lehrer für Mathematik und Physik und Leiter des Pfalz-Kollegs in Speyer, Burgers (66) Agrar-Ingenieur im Ruhestand, der bei der BASF Prokura hatte. Woher nehmen beide, die seit über 20 Jahren in Hambach wohnen, ihre Kompetenz? „Wir haben uns intensiv eingearbeitet, Seilbahnen in ganz Deutschland besichtigt und dann mit Ingenieuren der Firmen Doppelmayr und Leitner vor Ort in Hambach die Möglichkeiten besprochen“, erklärt Burgers.
Berg- und Talfahrt für 9,50 Euro
Aus den Terminen mit den Vertretern der beiden Weltmarktführer im Seilbahn-Bau resultiert auch die wirtschaftliche Kalkulation, die der Machbarkeitsstudie zu Grunde liegt. Selbst mit dem zusätzlichen Bau eines Parkhauses für 3,5 Millionen Euro glaubt, dass die Seilbahn von einem Privaten wirtschaftlich betrieben werden könnte. Dabei kalkulieren die Autoren der Studie einen Fahrkartenpreis für die Berg- und Talfahrt von 9,50 Euro. Für Vielnutzer soll es eine günstige Jahreskarte geben. Auch ein Kombi-Ticket mit dem Schlosseintritt sei denkbar. „Wir haben unsere Ideen schon der Stiftung Hambacher Schloss vorgestellt“, so Jarschke. Die Seilbahn sei ein zusätzlicher Anziehungspunkt, der dazu beitragen könnte, die Besucherzahlen des Schlosses deutlich zu steigern.
Voraussetzung für die Kalkulation: Die Zufahrt zum Schloss für den Individualverkehr wird gesperrt. Wer zum Schloss will, soll laufen oder die Seilbahn nehmen. Einzige Ausnahme: Anlieferverkehr.
Zwei 40 Meter hohe Masten
Burgers geht von nur zwei Masten aus mit einer Höhe von 40 Metern, die die Landschaft nicht verschandeln würden. Das Konzept sei mit Denkmalschützer Stefan Ulrich besprochen. Im Gegensatz zur heutigen Situation, bei der 365 Grundstücksbesitzer die Belastungen des Verkehrs verkraften müssten, werde bei einer Seilbahn nur ein bebautes Grundstück direkt überflogen. Die Bürgerinitiative weiß, dass die Zustimmung von Grundstücksbesitzern erforderlich ist. „Wenn wir die in Einzelfällen nicht bekommen, müsste der Verlauf leicht abgeändert werden“, so Jarschke. Rund 45 Weinberge und Waldgrundstücke sind zu überfliegen.
Der Stadtrat hatte im September den Vorschlag von Oberbürgermeister Marc Weigel, die Machbarkeitsstudie für die Seilbahn durch externe Fachleute für 20.000 Euro überprüfen zu lassen, abgelehnt. Erst sollen die beiden Konzepte, Seilbahn und E-Shuttles, im November vorgestellt werden. Danach will der Stadtrat über das weitere Vorgehen beraten. Dem Shuttle-Test-Projekt hatte das Gremium bereits zugestimmt. Das Forschungsprojekt der Mobility-on-Demand GmbH von Stefan Rouwen läuft bis Ende 2020.
Kommentar: Die beste Lösung finden
Die Shuttles zum Hambacher Schloss, die 2020 probeweise fahren sollen, sind ein Forschungsprojekt des Bundes. Ob daraus eines Tages ein festes Linienangebot wird, ist vollkommen offen.
Es ist legitim von der Bürgerinitiative, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Nichts anderes ist geschehen. Der Stadtrat muss eines Tages dann final entscheiden. Dass beide Projekte verwirklicht werden, ist wohl sehr unwahrscheinlich. Deshalb sollte die Machbarkeitsstudie der Bürger zur Seilbahn von einem unabhängigen Dritten hinterfragt werden. Das mag Geld kosten. Um die beste Lösung zu finden, muss aber eben auch genauer hingeschaut werden.
Die Seilbahn-Idee hat sehr viel Charme. Ihr mögliches Problem: Ohne die Zustimmung der Grundstücksbesitzer geht gar nichts. Diese Erfahrung machte schon Bad Dürkheim auf seinem Wurstmarktgelände.