Neustadt
Neustadt: Projekt „1000 Satellites“ will Coworking-Community aufbauen
Dezentrales Arbeiten an einem zentralen Ort: Das soll in Neustadt schon bald möglich sein. Das junge Projekt „1000 Satellites“ will eine sogenannte Coworking-Community aufbauen – bestehend aus Selbstständigen und Angestellten, die das ewige Pendeln leid sind.
Der Begriff Coworking und die Idee dahinter werden immer populärer. Sogenannte Coworking-Spaces sind bereits in zahlreichen Großstädten zu finden. Meist handelt es sich dabei um recht üppige und offen gehaltene Räume. Darin kommen Freiberufler, Selbstständige oder Start-up-Unternehmen, zunehmend aber auch Angestellte verschiedener Firmen zusammen, um zwar an ihren eigenen Projekten zu arbeiten, dabei aber dennoch von der Gemeinschaft zu profitieren.
Sie sind dann eine Coworking-Community, und auf diese moderne Arbeitsform setzt das Projekt „1000 Satellites“. Es ist innerhalb der Chemovator GmbH Mannheim entstanden, dabei wiederum handelt es sich um eine Ausgründung der BASF. Der Ludwigshafener Chemieriese gibt bei Chemovator eigenen Mitarbeitern die Chance, ein Start-up-Unternehmen mit neuen Ideen zu gründen.
200 bis 300 Mitglieder sind erforderlich
„Genug vom Pendeln? Genug vom einsamen Homeoffice?“: Wer eine dieser beiden Fragen mit Ja beantwortet, ist ein potenzieller Kandidat für „1000 Satellites“. Hinter dem Projekt stehen aktuelle und ehemalige BASF-Mitarbeiter: „Wir kennen selbst den Pendlerschmerz, der im Grunde unsinnig ist in einer Welt der Digitalisierung, in der man eigentlich von überall arbeiten kann“, sagte Gregory von Abendroth bei der Kick-off-Veranstaltung für die Neustadter Coworking-Community am Mittwochabend im ehemaligen Restaurant „Zwockelsbrücke“.
25 Interessierte konnten der promovierte Biologe und seine Mitstreiter begrüßen: Selbstständige und Angestellte aus Neustadt, aber auch aus Landau, Bad Dürkheim und Ludwigshafen. Am Donnerstag stand dann ebenfalls in der „Zwockelsbrücke“ ein erstes Testarbeiten auf dem Programm: Ein Dutzend Interessierte saß vor Laptops und tippte eifrig, dabei kam aber auch der Austausch untereinander nicht zu kurz. Bis die Community groß genug ist, um einen Coworking-Space zu beziehen, bedarf es aber noch viel Zuwachs: 200 bis 300 Mitglieder seien notwendig, sagte von Abendroth, der als einziger der vier „1000 Satellites“-Köpfe in Neustadt lebt, auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Für diese sollen dann rund 80 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Das reiche aus, da letztendlich niemand täglich einen Platz brauche.
Im Visier: Postgebäude und Quartier Hornbach
So soll es dann auch verschiedene Modelle geben, für die sich Selbstständige oder Unternehmen, die die Plätze dann Mitarbeitern zur Verfügung stellen, entscheiden können: zum Beispiel 150 Euro für zwei Tage im Monat oder knapp 300 Euro für zehn. Man werde in den kommenden Monaten viele Gespräche mit Unternehmen führen, um ihnen das Projekt zu erläutern, sagte von Abendroth. Er hofft auf eine gute Mischung aus Angestellten und Selbstständigen. Läuft alles nach Plan, soll der Coworking-Space im Sommer 2020 seine Türen öffnen.
Zwei Objekte haben von Abendroth und seine Mitstreiter bereits im Visier: das erste Stockwerk des Postgebäudes am Hauptbahnhof und einen Komplex im Quartier Hornbach, jeweils in einer Größenordnung von rund 1000 Quadratmetern. Man habe auch mit den Verantwortlichen der geplanten Cofactory in der ehemaligen Papierfabrik im Schöntal gesprochen. Allerdings liege diese zu weit ab vom Schuss für das „1000 Satellites“-Konzept, das sich ja stark auf Pendler konzentriere, so von Abendroth. Man sehe sich auch überhaupt nicht als Konkurrenz zur Cofactory, sondern als Ergänzung.
Sein erstes Coworking-Space eröffnet das „1000 Satellites“-Team im März in Mannheim. Danach soll Neustadt folgen, und auf dem Zukunftsplan stehen Bad Dürkheim, Speyer, Landau und Grünstadt.