Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Postsportverein hat auch ohne Post überlebt

Tennis im Grünen hinter dem Vereinsheim im Harthäuserweg (von links) : Bernhard Hörner, Peter Brechtel und Rolf Held.  Foto: LM
Tennis im Grünen hinter dem Vereinsheim im Harthäuserweg (von links) : Bernhard Hörner, Peter Brechtel und Rolf Held.

Fast verdeckt vom Grün der Bäume liegt am Ende des Harthäuserwegs das Vereinsheim des Postsportvereins (PSV) mit der eigenen Gaststätte „El Greco“. Auf den Tennisplätzen im Freien tummeln sich ein paar Spieler, für weniger Sportliche bietet sich eine der seitlich angelegten Boule-Bahnen für ein gemächliches Spiel mit Freunden an oder auch der Rasenschachplatz. Der PSV – seit 85 Jahren gehört er zu Neustadt.

Nie nur Postler

Wer vom Namen des Vereins auf die Mitglieder schließt, liegt falsch. Nur ein gutes Drittel kommt noch aus dem Bereich der ehemaligen Post. Allerdings war der Verein schon kurz nach der Gründung – 1934 im Briefträgersaal des Hauptpostgebäudes am Bahnhof – für Nicht-Postler offen. Den Briefträgersaal gibt es schon lange nicht mehr – wie vieles andere ist er den Post-Umstrukturierungen seit den 1990er Jahren zum Opfer gefallen – im Gegensatz zum Postsportverein.

Für die etwa 100 Mitglieder der Anfangsjahre standen Sport und Spiel ohne Leistungszwang oben an. Fußball, Leichtathletik, Schwimmen und Schießen wurden angeboten. Von Beginn an ein Herzensanliegen: die Jugendarbeit. Den Lehrlingen des damaligen Telegrafenbauamts und den jüngeren Kräften der Postdienststellen sollte ein dienstlicher Ausgleichssport ermöglicht werden.

Tiefs inbegriffen

Natürlich gab es auch beim PSV Höhen und Tiefen – Verbot bei Kriegsende und Beschlagnahme des Vermögens, Wiedergründung 1951. Neue Sportarten kamen dazu – von Faustball, Kegeln, Schwimmen und Tischtennis bis zu Badminton, Schach, Gymnastik, Fußball, Volleyball, Segeln und schließlich in den 1980er-Jahren Tennis und der koreanische Kampfsport Tae Kwon Do.

Dank des Engagements der damals fast 1300 Mitglieder wurde in den 1990er-Jahren das Vereinsheim im Harthäuserweg nebst Sportanlagen und Gaststätte gebaut. „So etwas wäre heute gar nicht mehr möglich“, erzählt Winfried Hentzschel vom Vorstand nicht ohne Stolz: „Eigene Brunnen für die Bewässerung der Tennisplätze, Solaranlage für warmes Wasser, eine Photovoltaikanlage und großzügiger Parkplatz, welcher Verein hat schon so etwas zu bieten?“

Umstrukturierung tat weh

Trotzdem leidet der Postsportverein unter Mitgliederschwund. Heute seien es nur noch knapp über 400, und gut die Hälfte davon sei über 60 Jahre alt, so der stellvertretende Vorsitzender Klaus Walther. Die organisatorische Trennung der ehemaligen Post in die privaten Unternehmen Post, Telekom und Postbank hatte zur Folge, dass Zuschüsse wegfielen. In Neustadt waren immer weniger Mitarbeiter beschäftigt, damit sank auch die Anzahl der PSV-Mitglieder. „Die Auflösung der Berufsbildungsstelle war für uns der größte Einschnitt“, erinnert sich Hentzschel. „Von den dort jährlich etwa 100 neu eingestellten Auszubildenden kamen eigentlich immer mindestens 30 zum Postsportverein und blieben auch dabei.“

Noch immer buntes Angebot

Aktuell sind die Abteilungen Tennis, Schach und Tae Kwon Do die aktivsten Stützen. Hinzu kommen viele weitere Angebote von der Gymnastik für Berufstätige bis zum Pilates-Kurs. Aber: „Obwohl wir hier doch inmitten eines Familien-Wohngebietes liegen, wo es auch viele Kinder gibt, bleibt irgendwie bei uns der Nachwuchs aus“, meint Hentzschel sorgenvoll. Mit Walther ist er sich einig, dass es gelingen muss, wieder vermehrt junge Menschen mit Eigeninitiative in den Sportverein zu locken.

Internet:

www.postsv-nw.de

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