Neustadt
Neustadt: Poller auf Wirtschaftsweg sorgen in Hambach für Ärger
Sie sind niedrig, flexibel und aus Kunststoff: Poller, die von landwirtschaftlichen Fahrzeugen bequem passiert werden können, normale Autos aber von einem Feldweg abhalten. Lachen-Speyerdorf hat sich darüber gefreut – Hambach eher nicht. Jetzt kommt Beigeordnete Waltraud Blarr zu Besuch.
Drei kleine Kunststoffpoller auf dem Feldweg beim Parkplatz Andergasse stoßen beim Ortsbeirat Hambach und Hambacher Winzern auf Kritik. Ungefragt seien sie von der städtischen Umweltabteilung aufgestellt worden, brachte es Winzer und CDU-Ortsbeiratsmitglied Martin Nickel in der jüngsten Sitzung für alle auf den Punkt – und sie seien eher hinderlich als nützlich.
Erstmals zum Einsatz gekommen waren solche Poller auf dem Hambacher Weg in Lachen-Speyerdorf. Weil sich die Winzer dort immer wieder darüber beschwerten, dass die Feldwege von privaten Autofahrern genutzt würden, hatte die Stadtverwaltung kurzfristig reagiert und die Hürden installiert. Mit landwirtschaftlichen Maschinen können sie problemlos über fahren werden, normale Pkw sollen sie genau davon abhalten.
Nicht überall „Erfolgsmodell“
Die Rückmeldungen aus Lachen-Speyerdorf seien durchweg positiv gewesen, sagt Umweltdezernentin Waltraud Blarr (Grüne) auf RHEINPFALZ-Anfrage. Als es Beschwerden aus Diedesfeld gab, dass Besucher der Klausentalhütte unberechtigt über Feldwege anfahren würden und zudem gerast würde, hätte die Umweltabteilung daher das „Erfolgsmodell“ auch in Hambach eingesetzt.
Dort indes wird es durchaus nicht als beispielhaft angesehen. Winzer würden nicht nur mit schwerem Gerät, sondern auch mit ihren normalen Autos in die Wingerte fahren, erklärte Nickel im Ortsbeirat. Und da sei die Hemmschwelle schon groß, auch wenn die Poller nachgeben würden. Wenig Glauben schenkt er Nickel dabei einer Aussage von Umwelt-Abteilungsleiter Thomas Baldermann: Auf mögliche Schäden am Auto angesprochen, habe dieser gesagt, dass dafür die Haftpflichtversicherung der Stadt aufkommen würde.
Willkommene Umleitung
Nickel verwies aber noch auf ein anderes Problem: Die zahlreichen Winzer in der Andergasse seien froh darüber gewesen, dass der Feldweg dann sozusagen als inoffizielle Umleitung diente, wenn die Andergasse blockiert gewesen sei, wie durch Anlieferverkehr. Dann hätten Wohnmobile und Busse die alternative Route wählen können.
Das indes lässt die Beigeordnete nicht als Argument gelten: Die Durchfahrt in der Andergasse müsse immer frei sein, schon allein wegen der Rettungsfahrzeuge. Ansonsten sieht sie die Verwaltung in einer Zwickmühle, weil trotz der starken Kritik an unberechtigtem Verkehr auf den landwirtschaftlichen Wegen die Hambacher Winzer keine Sperrung dieser Wege wünschten. Ihr Vorschlag: eine einjährige Testphase. Zudem will Blarr in einer der nächsten Ortsbeiratssitzungen darüber reden.
Lösung fürs Andergasser Fest
Im kommenden Jahr erweitert wird der Parkplatz bei der Andergasse. Von dort können Touristen oder andere Spaziergänger bequem zu Fuß in die Weinberge starten. Indes ist er offiziell wegen der Poller nur über die Andergasse zu erreichen. Und während des Andergasser Fests, wenn die Straße mit Ständen zugebaut ist? Dafür müsse natürlich eine Lösung gefunden, sieht auch die Umweltdezernentin ein. Eventuell könnten die Poller in dieser Zeit entfernt werden.
Kommentar: Kein Weltuntergang
Was dem einen recht ist, muss dem anderen nicht billig sein: Diese Erfahrung macht derzeit Beigeordnete Waltraud Blarr. Poller, die in Lachen-Speyerdorf für Entspannung beim unbefugten Befahren eines Wirtschaftswegs sorgten, stoßen in Hambach auf Widerstand. Ortsbeirat und Winzern stößt besonders sauer auf, vorab nicht gefragt worden zu sein. Anderseits sind die drei Poller kein Weltuntergang. Und die Beigeordnete holt das Gespräch nach. Gemeinsam werden sich alle Beteiligten doch wohl auf eine Lösung verständigen können. Außer Frage dürfte dabei nur eines stehen: Beim Andergasser Fest müssen die Poller weg.