Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt plant großen Sprung bei Solarstrom

So ähnlich könnte die von Neustadt geplante PV-Anlage im Osten der Stadt aussehen. Diese hier steht in Schleswig-Holstein.
So ähnlich könnte die von Neustadt geplante PV-Anlage im Osten der Stadt aussehen. Diese hier steht in Schleswig-Holstein.

Im Osten Neustadts soll eine große Photovoltaikanlage entstehen. Scharfe Kritik kommt aus Geinsheim. Doch nicht das ist der Grund, warum das Projekt noch scheitern könnte.

In Sachen nachhaltiger Stromerzeugung steht Neustadt nicht gut da. Das machte Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Mück bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses deutlich. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung lag demnach 2024 bei nur rund 16 Prozent. Zum Vergleich: Im bundesweiten Durchschnitt sind es fast 60 Prozent. Doch könnte der Anteil erneuerbarer Energien auf einen Schlag auf etwa 36 Prozent steigen – wenn das Projekt einer großen Photovoltaik-Freiflächenanlage im Benzenloch Realität würde.

Auf 24 Hektar könnten PV-Anlagen gebaut werden mit einer elektrischen Leistung von rund 25 Megawatt Peak. Erzeugen soll die Anlage rund 28.000 Megawattstunden im Jahr, das wären 20 Prozent des Neustadter Strombedarfs. Konkret ließen sich damit etwa 7000 Haushalte mit vier Personen vollständig versorgen. Stromspeicher sind zunächst nicht vorgesehen. Mück schloss auf Nachfrage aber nicht aus, dass Speicher in Zukunft ein Thema werden könnten. Diese müssten dann aber nicht zwingend im Benzenloch stehen, sondern könnten auch anderswo in Neustadt errichtet werden.

Duttweiler und Lachen-Speyerdorf sind dafür

Die Fläche liegt im Übergangsbereich der drei Ortsteile Duttweiler, Geinsheim und Lachen-Speyerdorf. Die Ortsbeiräte Duttweiler und Lachen-Speyerdorf hießen das Vorhaben bereits gut. In Geinsheim sieht es allerdings anders aus. Das wurde auf der Sitzung des Bauausschusses deutlich, der gemeinsam mit dem Geinsheimer Ortsbeirat tagte.

Scharfe Kritik kam von Ortsbeiratsmitglied Karl Linnenfelser (CDU), in dessen langen Ausführungen deutlich wurde, dass er grundsätzlich nichts vom Ausbau von Solarstrom hält. Monika Kucera (FWG) sorgte sich hingegen wegen des Flächenverbrauchs.

Mück hatte zuvor berichtet, dass Ausgleichsmaßnahmen nicht allein auf Neustadter Gemarkung möglich seien. So solle etwa ein Kiebitzweiher bei Harthausen entstehen. Den dafür notwendigen Erdaushub könne man aber vielleicht zur Modellierung des Landesgartenschau-Geländes einsetzen.

Das fragliche Gelände liegt in Vorranggebieten für Grundwasserschutz sowie für Naturschutz und Landschaftspflege. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd teilte indes am Montag mit, dass sie dennoch grünes Licht für das Vorhaben gebe. Unter der Auflage, dass eine enge Abstimmung mit der Oberen Wasserbehörde erfolge und Artenschutzmaßnahmen für die Feldvögel (Feldlerche, Rebhuhn, Grauammer) sowie die Zauneidechsen ergriffen würden.

Ist das Vorhaben wirtschaftlich?

Klare Unterstützung für das Vorhaben signalisierte Bauausschuss-Mitglied Hans-Christoph Stolleis (CDU): „Mich macht das froh, dass wir hier einen Schritt weiter sind“, sagte er, „es fügt sich auch ins Landschaftsbild.“ Thomas Hocker (CDU) erkundigte sich, ob Neustadt durch die geplante Anlage an sehr sonnigen Tagen Strom-Autarkie erlange. Mück erwiderte, dafür reiche es nicht ganz. Photovoltaik könne für Neustadt nur ein Baustein der Energiewende sein. Dafür sei es aber ein Schlüsselprojekt, betonte Baudezernent Bernhard Adams (parteilos). Das sahen die Mitglieder des Bauausschusses ebenso, sie stimmten einstimmig dafür. Im Ortsbeirat Geinsheim fanden sich hingegen Mehrheiten gegen Teilbeschlüsse des Vorhabens.

Wichtig: Eine Entscheidung über den Bau dieser großen PV-Anlage im Benzenloch ist noch nicht gefallen. Nicht nur, weil Ausschuss und Ortsbeirat nur Empfehlungen an den Stadtrat ausgesprochen haben, der am Dienstagabend tagt. Auch der Stadtrat wird nur planungsrechtliche Schritte beschließen, etwa den Entwurf des Bebauungsplans und die Beteiligung der Öffentlichkeit.

Die Entscheidung über den Bau trifft am Ende – wenn von den städtischen Gremien das grundsätzliche Okay kommt – der Aufsichtsrat der Stadtwerke. Und für diesen ist das Kriterium der Wirtschaftlichkeit maßgeblich. Danach hatte sich auch Stolleis erkundigt. Stadtwerke-Geschäftsführer Mück erwiderte dazu: „Zur Wirtschaftlichkeit kann ich noch nichts abschließend sagen.“ Man sei zwar recht positiv gestimmt, aber die Prüfungen liefen noch. Und die Anlage werde nur errichtet, wenn sie wirtschaftlich zu betreiben sei, versicherte Mück.

Der Knackpunkt hierbei ist die recht große Entfernung zur Stadt. Mück erwähnte, dass es in Neustadt rentablere, weil stadtnähere Flächen für PV-Anlagen gäbe: nämlich entlang der Autobahn. Eine Potenzialstudie hatte hier Flächen südlich des Ordenswalds als vielversprechend identifiziert. Allerdings habe man auf Rücksicht auf wertvolle Flächen für Weinbau und andere Landwirtschaft die dortigen Areale verworfen.

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