Neustadt Neustadt: Palatina Bus reduziert Halte in Richtung Landau
Jürgen Heil, Leiter der Palatina Bus GmbH am Standort Edenkoben, war gestern am Telefon die Zornesröte im Gesicht anzuhören: So etwas habe er in über 25 Jahren noch nicht erlebt, beschrieb er die Situation für seine Fahrer in der Baustelle Dammstraße in Hambach. Um die Sicherheit zu gewährleisten, hat er jetzt den Linienverkehr über den Diedesfelder Weg in Richtung Edenkoben/Landau gestoppt: Ab Ostersonntag fahren die Busse um die Baustelle herum und steuern daher nur noch drei Haltestellen an.
Wie berichtet, war der dritte Abschnitt beim Ausbau Dammstraße am Montag gestartet. Betroffen ist der Kreuzungsbereich Dammstraße/In der Setz, der gesperrt wurde. Damit entfällt in Hambach die Nord-Süd-Achse. Busse von und zum Hauptbahnhof können aber über den Diedesfelder Weg ausweichen – ein im Normalfall für den Kfz-Verkehr verbotener Wirtschaftsweg. Allein für die Busse sind auch die Baustellenampeln auf beiden Seiten des Diedesfelder Wegs gedacht: Busfahrer können sie von Rot auf Grün schalten, um den Kollegen die Belegung der Strecke zu signalisieren. Alle anderen motorisierten Verkehrsteilnehmer müssen Umleitungen weit um die Baustelle herum nutzen – über die Mittelhambacher Straße, die Bundesstraße 38 und die Dr.-Siebenpfeiffer-Straße. Damit dies auch beachtet wird, hatte die Stadtverwaltung nach Beginn der Arbeiten und nach einigen Anlaufschwierigkeiten weitere Hinweisschilder aufgestellt – jetzt sind es doppelt so viele als zu Beginn, wie eine Sprecherin mitteilte.
„So etwas noch nie erlebt“
Genutzt hat das nach Heils Beobachtungen nichts: Jeden Tag war er am Ort, um das Geschehen zu überwachen, stets zeigte sich ihm dasselbe Bild: Viele Autofahrer, die Richtung Diedesfelder Weg unterwegs waren, dort entweder wendeten oder aber die rote Ampel ignorierten. Wenn diese überhaupt funktionierte, denn auch „fortlaufende Zerstörungen“ hat Heil registriert. Das betreffe die Ampeln selbst, Masten, Stromverbindungskabel. Die Situation sei für die Busfahrer eine „mittlere Katastrophe“, er habe so etwas noch nie erlebt. Außerdem würden die Busfahrer beschimpft. Weil Autofahrer trotz des Verbots die Strecke von beiden Seiten befahren würden, könnten die Busse auch die Fahrzeiten nicht einhalten. Heil hat noch die Hoffnung, dass regelmäßige Polizeikontrollen die Lage verbessern könnten. Am Donnerstag stand die Polizei von 10 bis 11 Uhr sowie von 14.20 bis 15.20 Uhr an der Umleitung und registrierte jeweils fünf Verstöße gegen das Durchfahrtsverbot. Gestern war sie ihrem Bericht zufolge 30 Minuten im Einsatz: Von 11.10 bis 11.40 Uhr wurden vier Verstöße festgestellt und geahndet.
„Ich weiß nicht, was wir sonst tun sollen“
Gleichzeitig hat die Palatina Bus GmbH nun aber doch die Reißleine gezogen, zumindest bis auf weiteres, wie Heil ankündigt: „Alle Busse nach Neustadt fahren weiterhin über den Diedesfelder Weg mit allen bisherigen Halten. Alle Busse von Neustadt in Richtung Edenkoben/Landau fahren dort nur noch die Haltestellen Pfalzgrafenstraße, Kiesstraße und Mittelhambacher Straße/Ecke Abzweigung nach Diedesfeld an.“ Damit werde Busbegegnungsverkehr im Diedesfelder Weg vermieden und die Sicherheit sei wieder gewährleistet. Wie es nach Ostern weitergeht, wenn sich das Unternehmen nochmals mit der Stadt zusammensetzen will, bleibt Heil zufolge abzuwarten. Am 9. April beginnt die Schule wieder, ab Mai kommt zu den zahlreichen Bussen ein weiterer hinzu, nämlich jener zur Kalmit. Zumindest im Moment sieht Heil aber zum Stopp in Richtung Landau keine Alternative: „Ich weiß nicht, was wir sonst tun sollen. Und das alles wegen komplett uneinsichtiger Autofahrer, noch dazu fast alles Einheimische.“
„Jeder schimpft auf Stadt, Busunternehmen und Baufirma“
Eine Erfahrung, die Markus Jacob, Baustellenleiter der Firma Gerst, die die Dammstraße ausbaut, nur bestätigen kann. „Unvernunft und Respektlosigkeit“ seien an der Tagesordnung, wovon er die unmittelbar betroffenen Anwohner ausdrücklich ausnimmt. „Die Leute fahren zum Teil bis in die Baustelle hinein, während meine Arbeiter versuchen, so schnell und so gut wie möglich voranzukommen.“ Niemanden interessiere es, dass die Durchfahrt durch den Diedesfelder Weg verboten sei, stattdessen würden seine Leute noch niedergemacht. „Asoziales Dreckspack“ nannte Jacob gestern ein Beispiel vom Donnerstag. „Jeder schimpft auf Stadt, Busunternehmen und Baufirma“, so seine Erfahrung. Dabei sei eine solche Baustelle nun mal nicht in zwei Wochen zu bewältigen, da ja auch Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert würden. Aber kein Kritiker „fasst sich mal selbst an die Nase und fragt, was er zur Entspannung beitragen kann“. Die jetzigen Probleme wegen der Umleitung würden auch viel Zeit kosten. Zeit, die sinnvoller genutzt werden könnte. Mehr Verständnis und Vernunft zeigen, lautet Jacobs klarer Appell an die Verkehrsteilnehmer. Dass sie fast alle aus Neustadt und der Umgebung stammten, kann er ebenfalls bestätigen.