Neustadt Neustadt: OB-Kandidaten im Kreuzverhör

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Ein Sofa, ein 60er-Jahre-Sessel, ein kleiner runder Tisch mit Getränken. Hier nehmen die drei Oberbürgermeisterkandidaten, Marc Weigel (FWG), Pascal Bender (SPD) und Ingo Röthlingshöfer (CDU) am Donnerstag in der Aula der Berufsbildenden Schule nacheinander Platz, jeder muss einzeln Rede und Antwort stehen. Jeweils etwa eine dreiviertel Stunde lang. Eine Gruppe von sechs Schülern und frisch gebackenen Abiturienten hat die Podiumsdiskussion konzipiert und dabei Ermüdungserscheinungen offenbar nicht vorgesehen. Auf die Zuschauer, überwiegend junge Leute, kommt ein dreistündiger Marathon durch die Kommunalpolitik zu – und die meisten halten durch. „Kompliment an diejenigen, die das organisiert haben und an diejenigen, die hier sitzen“, sagt Ingo Röthlingshöfer (CDU), der nach etwa zwei Stunden als Letzter an die Reihe kommt. Es geht um Themen, die junge Leute direkt betreffen, wie der Zustand der Schulen oder die „Jugendfreundlichkeit“ der Stadt. Aber nicht nur. Die jungen Leute sind gut vorbereitet, sie wollen beispielsweise auch wissen, wie ein FWG- oder ein SPD-Bürgermeister in einer Stadt Politik machen wollen, in der im Stadtrat eine Koalition aus CDU, FDP und Grüne die Mehrheit hat. Marc Weigel (FWG) ist der Erste auf der Bühne. „Sie wollen den Wechsel einleiten, aber wie?“ Weigel führt ein paar Punkte der üblichen Neustadt-Kritik an, beispielsweise die schlechten Ergebnisse der Stadt bei der IHK-Studie „Wirtschaftsstandort Pfalz“. Die Moderatoren, Martin Lüneburg und Jessica Baumann, haken nach. „Die FWG war doch bis 2014 in einer Koalition mit der CDU – da hatten Sie doch die Chance gehabt, etwas zu ändern …“ Weigel räumt ein, dass die Frage berechtigt und Loyalität nicht immer richtig seien. Aber: „Ich hab auch viel gelernt in den letzten Jahren, und diese Erfahrungen helfen mir, Dinge künftig besser zu machen.“ Auch Pascal Bender, den die Moderatoren Daniel Seidler und Niklas Kaul interviewen, darf keineswegs nur vortragen, was er alles Schönes vorhat (bezahlbarer Wohnraum, Gewerbemanagement, Jugendparlament). Aus dem Publikum kommt die Frage, wie Bender, der sich seine künftige Rolle wie die eines Mannschaftstrainers vorstellt, sich eigentlich selbst motiviere. Wo er doch bei der jüngsten Umfrage hinter Weigel und Röthlingshöfer gelegen habe. Bender bleibt bei der Antwort bildlich im Sport: „Ich sehe den Wahlkampf wie einen Marathonlauf. Die letzten Kilometer zählen, und da sind wir noch lange nicht angekommen.“ Sollte Ingo Röthlingshöfer gefürchtet haben, dass es nach zwei Stunden Diskussion schwer sein würde, das Interesse der Zuhörer weiterhin auf die Bühne zu lenken, so wurde er schnell eines Besseren belehrt. Die Moderatoren Joel Hankiewicz und Marlin Hiegle sorgen mit ein paar nicht ganz ernsten Entweder-oder-Fragen (Jogginghose oder Anzug?) erst einmal für Erheiterung. Spätestens beim Thema Klemmhof wird es aber wieder ganz ernst. Denn Röthlingshöfer erklärt den Jugendlichen, dass er ein Jugendzentrum in der Immobilie in der Innenstadt für eine ganz schlechte Idee hält. Der Vorschlag war zuvor bereits mit Weigel und Bender diskutiert worden, die sich beide offen für solche Ideen gezeigt hatten. Röthlingshöfer dagegen lehnt das rundheraus ab. „Das ist ein Betonbau, wenn da irgendwo eine E-Gitarre gespielt wird, stehen alle Bewohner senkrecht im Bett.“ Auch bei einem weiteren Anliegen der jungen Leute zeigt Röthlingshöfer sich eher reserviert: bei der Frage, ob bei der Stadt eine FSJ-Stelle (freiwilliges soziales Jahr) eingerichtet werden könne, damit die Jugendlichen einen festen Ansprechpartner haben. Röthlingshöfer hält es für einen Nachteil, dass durch den jährlichen Personalwechsel die Kontinuität fehle. Weigel und Bender dagegen hatten sich zuvor positiv geäußert.

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