Neustadt Neustadt: Nachruf zum Tod von Winfried Wiegräbe

Winfried Wiegräbe im April 2010.
Winfried Wiegräbe im April 2010. ARCHIVFOTO: LM

Sich für die Gesellschaft engagieren, sich einmischen, Zivilcourage zeigen, das war für Dr. Winfried Wiegräbe, der am ersten Tag des neuen Jahres im Alter von 86 Jahren gestorben ist, selbstverständlich.

In Neustadt war Wiegräbe vor allem durch sein Engagement für Asylbewerber bekannt.

Wiegräbe war ein Mensch, wie er selten geworden ist. Er engagierte sich nicht aus eigenen Interessen, sondern weil es für ihn eine Selbstverständlichkeit in einer bürgerlichen Gesellschaft war. Er war kein Mann, der die Konfrontation suchte, sondern sich bemühte, in Gesprächen eine Lösung zu finden. Der dabei immer Verständnis für die Position des Anderen hatte, höflich und zurückhaltend war und sich nie selbst in den Vordergrund stellte.

Im Aufsichtsrat der BASF

Der gebürtige Bremer war 1960 durch seine Frau Elisabeth, die aus einer alteingesessenen Mußbacher Familie stammt, nach Neustadt gekommen. Der promovierte Chemiker arbeitete bei der BASF, engagierte sich dort als Sprecher der leitenden Angestellten, gehörte als deren Vertreter einige Zeit dem Aufsichtsrat an.

Der Sohn eines Pfarrers war viele Jahre Mitglied der Landessynode der evangelischen Kirche, engagierte sich in kirchlichen Gremien. In der Pauluskirchengemeinde war er als Presbyter für die Reihe ökumenische Impulse verantwortlich. Der Schulelternbeirat des Leibniz-Gymnasiums war ein weiteres Betätigungsfeld.

Tiefverwurzelter Humanismus

Beruflich war er häufig im Ausland unterwegs. Die dabei gemachten Erfahrungen und sein tiefverwurzelter Humanismus führten dazu, dass sich Wiegräbe in die Diskussion einmischte, als 1992 in der damaligen Turenne-Kaserne ein Erstaufnahmelager für Asylbewerber eingerichtet wurde. 1992 wurde Wiegräbe Sprecher einer Projektgruppe Asyl, 1995 übernahm er den Vorsitz des Arbeitskreises Humanitäre Hilfe für Asylbewerber, des heutigen AK Asyl. Das war er bis 2011.

Wiegräbe setzte sich für humanitäre Hilfe ein, doch er forderte auch, dass die Flüchtlinge die deutsche Sprache lernen, arbeiten und sich integrieren. Und er gehörte zu denen, die wussten, „dass wir nicht alle Verfolgten aufnehmen können“.

Träger der Goldenen Ehrennadel

Wiegräbe suchte in seiner ruhigen und ausgleichenden Art immer die Zusammenarbeit mit den Behörden, doch wenn es notwendig war, äußerte er deutliche Worte der Kritik. Weil Wiegräbe ein Mensch war, der es schaffte, in Auseinandersetzungen die Wogen zu glätten und dessen Arbeit allgemein anerkannt war, wurde er 2008 Vorsitzender eines Rundes Tisches für Migration und Integration.

2009 wurde Wiegräbe die Goldene Ehrennadel der Stadt verliehen. Wiegräbe hinterlässt seine Frau Elisabeth und drei Söhne mit Familien. Am Freitag, 17. Januar, 11 Uhr, ist eine Trauerfeier in der Pauluskirche.

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