Neustadt Neustadt: Närrisch nach kirchlichem Brauch beim Pfarrfasching in St. Bernhard
In den Hochburgen von Fasching und Karneval wird nur selten thematisiert, dass es sich dabei ursprünglich um ein religiöses Fest vor der 40-tägigen Fastenzeit handelt. Das Aschenkreuz, das gläubigen Katholiken am Aschermittwoch auf die Stirn gezeichnet wird, ist ein Memento mori, eine Erinnerung an das Sterben. Aus Staub ist der Mensch gemacht, und zu Staub wird er wieder werden. Aber bevor das passiert, wird das Leben gefeiert. Man verkleidet sich und wird ein anderer, die Frauen übernehmen ab Weiberfasnacht das Regiment – Umkehrung der herrschenden Verhältnisse, Narretei eben.
Im Mainzer Dom gibt es am Fasnachtssonntag einen Gottesdienst für die Garden in voller Montur. In Köln empfängt der Erzbischof die uniformierten Karnevalisten einen Tag vor der Prinzenproklamation im Dom zu einer Messe. Eine solche Tradition kennt man im Bistum Speyer nicht. Die religiöse Wurzel des Faschings ist auch den Aktiven oft nicht bewusst.
Kirche macht Fasnacht
In Neustadt immerhin gibt es den Pfarrfasching der Pfarrgemeinde St. Josef im Gemeindezentrum von St. Bernhard in Branchweiler, wenn auch keinen Gottesdienst dazu. Gabriele Brengel, die sich seit vielen Jahren für den Pfarrfasching engagiert, erklärt, man treffe sich hier eben nicht zum Beten, sondern zur Geselligkeit, um „Spaß an der Freud’“ zu haben.
Die Pfarrei sei kein Karnevalsverein, Büttenredner oder Tanzgruppen würden nicht bestellt, alles sei hausgemacht. Nur die Livemusik werde aus Mußbach importiert. Sieben oder acht Beiträge wird es am Samstagabend geben, dazu Tanzgruppen aus der Pfarrei, auch das altbewährte Männerballett. Das wirke besonders komisch, weil die Tänzer ja bekannt seien – und zwar als Nichttänzer. Überhaupt sei es schön, dass vom Kind bis zum Senior Gemeindemitglieder und Gäste dabei seien.
Für alle gedacht
Wie Brengel erzählt, trat mal eine Kirchenmaus auf, mal eine Millenniumsmaus, und berichtete aus dem Gemeindeleben. Politik bleibt außen vor, und unter die Gürtellinie begibt man sich erst recht nicht. Der Pfarrfasching, für den es nur Karten an der Abendkasse gibt (Erwachsene zahlen 3,99, Jugendliche 2,99, Familien 9,99 Euro), ist ein Vergnügen für alle, besonders für Familien. Für die Kinder gibt es dann am Rosenmontag ein Faschingsfest.