Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Jugendliche begleiten Stadtratsmitglieder

Matthias Frey (FDP) macht sich mit seinen Schützlingen bekannt, im Hintergrund die Runde mit den SPD-Mentoren Gisela Brantl, And
Matthias Frey (FDP) macht sich mit seinen Schützlingen bekannt, im Hintergrund die Runde mit den SPD-Mentoren Gisela Brantl, Andreas Böhringer und Michael Landgraf. Foto: Linzmeier-Mehn

Mit Mentoren zu Ausschuss- und Stadtratssitzungen: Zum dritten Mal können Jugendliche Entscheidungsträger begleiten und die Kommunalpolitik in Neustadt hautnah kennenlernen. Am Dienstag fiel der Startschuss zum Projekt „Komm mit!“. 20 Gymnasiasten sind dabei.

Wer soll dein Herzblatt sein? Ganz so wie in der früheren TV-Show war es nicht, es schob sich keine Wand zur Seite, bis die Jugendlichen ihre Mentoren sahen. Dennoch war es eine Art Blind Date: Am Dienstag lernten 20 Jugendliche in der „Kantine 16“ am Hauptbahnhof die Neustadter Kommunalpolitiker kennen, mit denen sie in den kommenden drei Monaten zu Ausschuss- und Stadtratssitzungen gehen werden. Schüler aus den drei Neustadter Gymnasien haben sich für das Projekt angemeldet, zudem eine junge Dame aus dem Gymnasium Edenkoben.

Die Idee hinter „Komm mit!“: Jugendliche sollen hautnah Einblicke in kommunalpolitische Abläufe erhalten, dabei aber auch selbst Anregungen geben können. Die Parteien beziehungsweise Fraktionen wiederum sollen für die Sichtweise der jungen Leute sensibilisiert werden und die Chance bekommen, Politik lebhaft und interessant zu vermitteln. „Das ist keine Einbahnstraße, man kann auch was von den Jugendlichen mitnehmen“, betonte Rainer Grun-Marquardt (Grüne) als eines von 14 Stadtratsmitgliedern, die sich als Mentoren zur Verfügung stellen. Das Projekt sei eine sehr gute Sache: „Es geht dabei nicht darum, Nachwuchs für die Partei zu finden, sondern Jugendliche für die Kommunalpolitik zu begeistern.“

„Mal schauen, wie das alles so ist“

Diese Ziel verfolgt auch Mentorin Jutta Fillibeck (CDU). Sie wolle etwas gegen Politikverdrossenheit tun und Kommunalpolitik lebendig machen: „Vielleicht können wir dadurch den einen oder anderen Jugendlichen motivieren, sich für die Kommunalpolitik zu begeistern.“

Die jungen Teilnehmer verbindet vor allem eins: Neugier. „Ich will einfach mal schauen, wie das alles so ist. Kommunalpolitik ist ja regional und betrifft einen direkt“, sagte Valentin Decker. Der 17-Jährige aus dem Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium hat schon ein Praktikum beim rheinland-pfälzischen Landtag absolviert, jetzt will er die politischen Prozesse vor Ort kennenlernen.

Michelle Kinast bezeichnet sich als politikinteressiert und hat Sozialkunde als Leistungskurs. Über die Kommunalpolitik habe sie ab und zu etwas in der RHEINPFALZ gelesen, berichtete die 16-Jährige aus dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Jetzt wolle sie näher erfahren, wie die Arbeit beispielsweise im Stadtrat ablaufe und welche Entscheidungen dort getroffen werden.

Startschuss für eine politische Karriere?

Sofie Hrubasik könnte sich durchaus vorstellen, irgendwann selbst in die Politik zu gehen. Das „Komm mit!“-Projekt sei eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, ob das auch wirklich etwas für sie ist, sagte die 15-Jährige aus dem Leibniz-Gymnasium. Einer ihrer Lehrer habe sie zum Mitmachen motiviert, dadurch sei sie neugierig geworden und habe sich angemeldet.

Er sei „sehr politikinteressiert“, sagte Fabian Graf. Er habe vor, sich politisch zu engagieren, und wolle einen Einblick erhalten, „wie Politik in Neustadt ist“, so der 15-Jährige aus dem Leibniz-Gymnasium. Ein bisschen was wisse er aber schon über Kommunalpolitik und nannte als Grund Marc Weigel: „Wir haben ja einen Oberbürgermeister vom Leibniz, da bekommt man schon einiges mit“, erklärte der junge Mann.

Einwurf: Schwierige Frage

Wie können junge Menschen für die Kommunalpolitik begeistert werden? Eine ganz schwierige Frage. Neustadt versucht es mit dem Projekt „Komm mit!“. Dass damit Jugendliche, die das wollen, Einblicke in die Prozesse vor Ort erhalten, ist grundsätzlich positiv. Ob die nicht selten trockenen und zeitintensiven Sitzungen aber tatsächlich motivierend wirken, sei mal dahingestellt. Dass Jugendliche politisch interessiert sind, zeigen sie bei vielen Gelegenheiten, Stichwort „Fridays for Future“. Aber Kommunalpolitik ist durchaus ein hartes Brot, das viele nicht bereit sind zu kauen.

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