Am Rande der Bande
Neustadt/Geinsheim: Haarige Sachen und Längsstreifen
SC Neustadt: Eine haarige Angelegenheit
Es waren wahrscheinlich die emotionalsten Momente, die sich je im Neustadter Moby Dick abgespielt haben: Der Wasserballnachwuchs des SC Neustadt hatte sich gerade Platz drei im Endrundenturnier um die deutsche U16-Meisterschaft gesichert. Auch wenn die Wasserball-Teams des SCN in den vergangenen Jahrzehnten bereits gute Ergebnisse in der Jugendarbeit und mit den Männern vorweisen konnten, noch nie ist solch ein großer Erfolg im heimischen Schwimmbad vor der stolzen Kulisse von über 250 Fans errungen worden.Manager Michael Heinz war der Erste, der im dritten Spiel gegen Potsdam 20 Sekunden vor Schluss die Arme hochriss und einen Urschrei losließ. Damit gab er das Signal für alle im gesamten Moby Dick. Gerade hatte SCN-Torhüter Hendrik Hummel den letzten Potsdamer Angriff zunichte gemacht. Jetzt genügte dem Nachwuchs aufgrund des besseren Torverhältnisses das 10:10-Remis. Und Heinz realisierte am schnellsten, dass wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff bei Ballbesitz des SCN nichts mehr anbrennen konnte.
Was dann folgte waren Glück und Jubel pur. Einer der Väter des Erfolgs war auch Peter Jacqué, 72-jähriger Trainerfuchs. Die Jungs verehren ihn und sorgten für eine besondere Hommage an ihn. Plötzlich waren viele Spieler mit grauem Schnurrbärtchen zu sehen. Jacqués Kennzeichen ist seit Jahren sein in Ehren ergrauter Schnorres. Der Vater von Xaver Schädler hatte im Kostümhandel die kleinen Accessoires besorgt. Mit dieser Ehre konnte Jacqué dann auch gut leben. Hätte der SCN, der mit Platz drei ohnehin eine Sensation geschafft hat, sogar den Titel geholt, wäre es seinem Schnauzer an den Kragen gegangen.
„Die Jungs haben ein paar Tage vor dem Turnier vorgefühlt, wie ich mich dazu stellen würde, wenn mein Schnauzer thematisiert wird. Wir handelten dann aus, dass er im Falle eines Turniersieges ganz ab muss. Wären sie Zweiter geworden, hätte ich zwei Wochen mit einem halben Schnurrbart herumlaufen müssen“, erzählt Jacqué schmunzelnd.
So gesehen, war er über Platz drei besonders glücklich. Der Schnauzer begleitet ihn seit dem Studium. Schon sein Urgroßvater habe einen Schnorres getragen. Manche unkten ja, ohne den Schnauzer sähe er zehn Jahre jünger aus, gesteht Jacqué. Immerhin hatte er gleich nach dem Spiel seine Sprache wiedergefunden. Seine Stimmbänder sind in den beiden Endrunden-Tagen stark strapaziert worden, denn lautstark hat er die Regieanweisungen am Beckenrand gegeben. Die SCN-Buben spielten hervorragend und hatten schließlich bei allen Spielen gegen die stärker eingeschätzten Gegner Hannover, Esslingen und Potsdam zunächst die Nase vorn. Erst jeweils in der zweiten Spielhälfte schwanden den Jungs die Kräfte. Jacqué: „Die anderen Vereine trainieren im doppelten Umfang in der Woche. Da waren die Einbrüche in den letzten Vierteln zu erwarten.“ Derweil ging im Becken der Punk ab: So stark wie die SCN-Buben gespielt haben, so toll feierten sie auch. (kle)
JSG Haßloch: Fairplay im Spiel neun gegen neun
Dass Dennis Kindler, Trainer der Fußball-A-Junioren der JSG 1. FC 08/VfB Haßloch, vergangene Woche dazu bereit war, das Auswärtsspiel beim SV Rot-Weiß Seebach zu verlegen, da den Seebachern nicht genügend Spieler zur Verfügung gestanden haben, war eine große Geste. Auch Ingo Reich, der die Haßlocher B-Junioren trainiert, bewies Fairplay. Zum Landesligaspiel auf dem 08-Gelände gegen die JSG Seebach/Bad Dürkheim reisten die Gäste mit nur neun Spielern an. Reich entschied daraufhin, die Begegnung ebenfalls mit nur neun Akteuren zu bestreiten, obwohl er auf 14 Spieler zurückgreifen konnte. Dass die Haßlocher den Tabellenletzten trotzdem mit 11:0 besiegten, war deshalb nur eine Nebensache. „Fairplay wird bei uns ganz groß geschrieben, und so sollte es auch überall im Sport sein“, stellte Kindler klar. (dil)
Fußball-B-Klasse: 350 Zuschauer, drei Platzverweise
Bis auf ein paar Nachholspiele ist die Vorrunde der Fußball-B-Klasse Rhein-Mittelhaardt, Staffel West, inzwischen vorüber. Die hohen Erwartungen, die es vor dieser Saison gegeben hat, wurden erfüllt. Am Sonntag kam es schließlich zum bisherigen Höhepunkt, als mit Aufsteiger SG Mußbach und Absteiger VfL Neustadt die beiden Teams, welche die Tabelle anführen, aufeinandertrafen. 350 Zuschauer sahen eine packende Partie mit drei Platzverweisen für den VfL, welche die Mußbacher mit 3:1 gewannen und sich dadurch die Herbstmeisterschaft sicherten. Da der SV Geinsheim in der Landesliga im Abstiegskampf steckt und der TSV Königsbach als abgeschlagenes Schlusslicht der A-Klasse schon lange für die nächste Saison eine Klasse tiefer plant, schlägt in diesem Jahr wie vermutet das Herz des Neustadter Fußballs in der B-Klasse. (dil)
1. FFC Niederkirchen: Chronisch zu hohes Gras
Manches wird sich im Fußball nie ändern. Dazu gehört auch der Zustand des Niederkirchener Rasenplatzes. Liefen auf diesem nur unterklassige Fußballmannschaften auf, wäre dies nicht besonders erwähnenswert. Es ist aber die Heimstätte des Frauenfußball-Regionalligisten 1. FFC Niederkirchen, der sich auf den besten Weg befindet, in der nächsten Saison die einzige zweitklassige Pfälzer Fußballmannschaft zu sein. Als technisch bestes Team der Regionalliga Südwest beraubt der holprige Platz nicht nur dessen gegenüber den meisten Gegnern spielerischen Vorteile, sondern ist sogar gefährlich.Bestes Beispiel war die Szene, die beim 4:1-Sieg des FFC gegen den FC Bitburg zum 2:0 von Büsra Kuru führte: Dabei blieb Silvana Arcangioli bei ihrer Flanke im chronisch viel zu hohen Gras hängen, was eine weitere Knieverletzung befürchten ließ.
Gewiss hat sich in der vergangenen 25 Jahren in der Verbandsgemeinde Deidesheim bezüglich der Modernisierung der Sportanlagen einiges getan. So erhielten inzwischen mit Ausnahme des SV Meckenheim, der bereits seit Ende der 1980er-Jahre über keine aktive Fußballmannschaft mehr verfügt, alle Vereine Rasenplätze. Für eines der sportlichen Aushängeschilder der Pfalz, für den 1. FFC Niederkirchen, besteht allerdings dringend neuer Handlungsbedarf, auch im Hinblick auf die Gesundheit der Spielerinnen. (dil)
SV Geinsheim: Das Glück in Längsstreifen
Drei Punkte auf dem Guthabenkonto und eine Art kleine Modenschau vor der Geinsheimer Bank – beim jüngsten Heimspiel des Fußball-Landesligisten SV Geinsheim ist viel gute Laune angesagt. Nicht nur wegen des 2:0-Erfolgs, den die Mannschaft von Trainer Rudi Brendel gegen Phönix Schifferstadt feiert. Es steht nämlich ein Spieler im Mittelpunkt, der gar nicht eingesetzt worden ist.„Julian, wu hoschd dann des Jäckel her?“, ruft so mancher Zuschauer dem auf der Ersatzbank sitzenden oder davor stehenden Julian Pfeifer zu. Und der trägt eine im tristen November-Grau wirklich ins Auge stechende, ziemlich weite Joppe, schick im 1970er-Jahre-Stil mit lila-schwarzen Längsstreifen. „Die hat Rudi in seiner Jugend getragen“, kontert Pfeifer schlagfertig und genießt seinen Auftritt.
Es sei sogar eine Wendejacke, erzählt er später. Statt der Streifen ist die andere Seite einfarbig in Lila gehalten. Zwischen warmen Decken und ein paar alten Trikots habe er das gute Stück im Streifenlook vor dem Anpfiff in einer Kiste im Vereinsheim entdeckt. Und sie halte gut warm. In der Woche vor dem Spiel habe er schon gesagt, dass Geinsheim drei Punkte gegen Schifferstadt holen werde. „Und da habe ich die Jacke noch gar nicht gehabt“, meint er lachend und nennt das auffällige Gewand eine Glücksjacke. So gesehen, kann er den Streifenlook am Sonntag ab 14.45 Uhr erneut tragen. Dann tritt der Tabellenvorletzte Mombach auf der Sportanlage am Wäldchen an. (sab)