Neustadt Neustadt: Galerie Upart feiert 20-jähriges Bestehen
„Es zeugt von Mut und Phantasie, in Zeiten leerer Geldbeutel eine Galerie zu eröffnen“, schrieb die RHEINPFALZ 1998 zur ersten „offiziellen“ Ausstellung der neu gegründeten Galerie Upart, damals noch im Haardter Meisental. 20 Jahre, einen Umzug und über 100 Ausstellungen später hat sich daran nicht allzu viel geändert. Oder doch? „Die ersten Jahre musste ich mich sogar weniger anstrengen als heute“, sagt Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter im Rückblick.
Dass es 1998 überhaupt zur Galerie-Gründung im Obergeschoss des kurz zuvor erworbenen eigenen Wohnhauses im idyllischen Meisental kam, war, wie sich Bürgy-de Ruijter noch genau erinnert, im Grunde einer ganzen Abfolge von Zufällen zu verdanken: Die Initialzündung bildete dabei die Begegnung mit den Arbeiten der jungen Südpfälzer Konzeptkünstlerin Susanne Wadle, deren Vater, Winzer aus Gleisweiler, die Neustadterin kurz zuvor bei der Einrichtung des Weinbaumuseums in Edenkoben unterstützt hatte. Die phantasievollen Objekte aus Plastik, Textilien oder Pappmaché hätten etwas in ihr ausgelöst, sagt Bürgy-de Ruijter. Denn moderne Kunst habe sie schon immer interessiert, doch während ihres Kunstgeschichtsstudiums in Heidelberg habe sie davon nicht viel mitbekommen, weil die Schwerpunkte dort auf der alten Kunst lagen.
Einladungskarten per Post
„Das war unglaublich spannend“, erinnert sich Bürgy an ihre erste Zeit als Galeristin, als sie für jede Ausstellung noch für viel Geld Einladungskarten per Post verschickte. Die ersten Kundinnen entstammten dann aber doch dem Freundeskreis. Durch Mundpropaganda sprach sich allerdings schnell herum, dass da etwas Neues, Spannendes passiert, und insbesondere die Vernissagen mit den Künstlerinnengesprächen der befreundeten Mannheimer Kunsthistorikerin Ulrike Hauser-Suida entwickelten sich rasch zum Kult. „Ich habe von Anfang an gut verkauft“, blickt Bürgy-de Ruijter zurück, konstatiert aber zugleich, dass die Zeiten heute schwieriger geworden seien. „Die Wände sind voll. Man muss immer dran bleiben – an den Kunden und auch an den Künstlern.“ Wobei sich der Kreis ihrer Klientel längst weit über das kleine Neustadt hinaus ausgeweitet hat. Zwei ihrer wichtigsten Kunden, Sammler großen Stils, säßen in Zürich und Osnabrück, so die Galeristin. Nur einmal in 20 Jahren dagegen sei es ihr gelungen, ein Werk an ein Museum zu verkaufen, eine Arbeit von Carine Doerflinger an die Städtische Galerie in Karlsruhe. Den Standort Neustadt empfindet sie dennoch nicht als Nachteil. „Ich einer Großstadt hätte ich zwar wahrscheinlich mehr Umsatz, aber auch mehr Kosten und Konkurrenz.“
Umzug in Villa Knoeckel
Eine gewaltige Veränderung brachte dann 2015 der Umzug in die hochherrschaftliche Villa Knoeckel im Schöntal, wo mit einem Mal deutlich mehr Platz zur Verfügung stand. Den nutzte Bürgy-de Ruijter vor allem, um sich einen langgehegten Traum zu erfüllen und nun verstärkt auf große Gruppenausstellungen zu bestimmten Themen oder Techniken zu setzen. „Kuratieren ist meine Hauptleidenschaft“, sagt sie und schiebt gleich nach, dass ihr auch das Akquirieren neuer Talente besonderen Spaß bereite. Das ist auch der Grund, warum es ihr nie gelungen ist, ihre Künstlerliste irgendwann einfach zu schließen und sich auf den bestehenden Fundus an Stammkünstlern zu konzentrieren. „Meine Neugier ist einfach zu groß.“ Besonders spannend seien die Meisterschüler-Ausstellungen der großen Akademien zwischen Düsseldorf und Karlsruhe, in denen die Besten eines Jahrgangs zu finden seien.
Unkonventionellen Techniken und Materialien
Wenn man dabei eine große Linie in den 20 Jahren Galerie-Programm ausmachen möchte, so könnte man vielleicht das besondere Interesse an unkonventionellen künstlerischen Techniken und Materialien wie Papier, Perlen, Baufolie, Textilien, Fundstücken aus der Natur, Pappmaché nennen. Auch handwerkliche Könnerschaft zeichnet viele der „Upart“-Werke aus. Dass sie dabei von Anfang an deutlich mehr Künstlerinnen als Künstler im Programm hatte, sei aber reiner Zufall. Die Arbeiten von Künstlerinnen wie Juliane Gottwald, Sophie Casado, Alexandra Deutsch, Andrea Esswein, Christiane Haase, Sonja Scherer, Cora Volz, Anja Luithle, Alexandra Hendrikhoff, Hilli Hassemer, Anne Katrin Schreiner, Anne Kuprat, Barbara Flatten, Andrea Esswein und eben auch Susanne Wadle, denen man in den 20 Jahren immer wieder in Einzel-, Duo- oder Gruppenausstellungen in der Galerie Upart begegnen konnte, seien eben einfach subtiler, spannender auch, als vieles, was Männer böten, sagt Bürgy-de Ruijter. Ein halbes Dutzend männliche Kandidaten hat sie aber trotzdem in ihrem Portfolio, und auch von denen werden viele bei der großen Jubiläumsausstellung mit dabei sein, mit der die Galeristin nun ab Sonntag den runden Geburtstag ihrer „Galerie Upart“ angemessen feiern will. Noch Fragen? Die Galerie Upart feiert ihr 20-jähriges Bestehen ab Sonntag, 28. Oktober, mit einer großen Jubiläumsausstellung mit Werken fast aller Stammkünstlerinnen in der Quellenstraße 32 im Neustadter Schöntal.