Neustadt Neustadt bekommt wohl keine Integrierte Gesamtschule

Das Realschul-Gebäude muss dringend saniert werden.
Das Realschul-Gebäude muss dringend saniert werden.

Drei vergebliche Anläufe hat die Stadt beim Land genommen, um eine Integrierte Gesamtschule (IGS) zu bekommen. Es ist gut möglich, dass das Kapitel am Donnerstagabend in der Sitzung des Schulträgerausschusses für absehbare Zeit zugeschlagen wird.

„Sachstand IGS – Herr Oberbürgermeister Weigel wird in der Sitzung über den aktuellen Sachstand berichten.“ So steht es auf der Tagesordnung. Das Thema IGS ist schon lange Chefsache im Rathaus. Kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2018 hat der ehemalige Lehrer Marc Weigel die Verantwortung dafür von Schuldezernentin Waltraud Blarr (Grüne) übernommen. Weigel hat auch Gespräche geführt mit Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (Bad Dürkheim) und Dietmar Seefeldt (Südliche Weinstraße), mit denen sich Neustadt zu wenig bei der Schulpolitik abstimme, wie das Land stets in den Raum gestellt hat. Und er war bei Kultusministerin Stefanie Hubig in Mainz, um die Forderung, die vor allem die SPD und die FWG seit fast einem Jahrzehnt erheben, zu unterstreichen – mit mäßigem Erfolg.

Die Frist läuft 2023 ab

Gleichzeitig läuft die Uhr für das Gebäude der Realschule plus Böbig, die zur IGS umgewandelt werden soll, ab. 1,2 Millionen Euro hat die Stadt dort in Brandschutzmaßnahmen gesteckt und sich damit zehn Jahre Schulbetrieb „erkauft“. Die Frist läuft 2023 ab. Bis dahin muss die Frage, Neubau oder Sanierung, beantwortet sein. Und egal wie die Stadt sich entscheidet, muss dafür auch der Schultyp feststehen. Eine IGS hat in Rheinland-Pfalz ganz andere Raummesszahlen als eine Realschule plus. Um einer IGS die nötige Stärke auch für die Oberstufe zu ermöglichen, waren Kooperationen mit dem Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium und der Berufsbildenden Schule im Gespräch. Das hatten die Autoren des Neustadter Schulentwicklungsplanes vorgeschlagen. In beiden Fällen schüttelte das Land aber mit dem Kopf und forderte eine eigenständige Oberstufe.

ADD: Neustadt wäre einzige kreisfreie Stadt ohne Realschule plus

Eine Kooperation mit der Realschule plus in Lambrecht, wie sie Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld mehrmals vorschlug, scheiterte erst an der ablehnenden Haltung des damaligen CDU-Schuldezernenten Ingo Röthlingshöfer, dann am Veto des Landes, das sich deutlich gegen eine Schule mit zwei Standorten aussprach. Bei der Gebrüder-Ullrich-Realschule plus Maikammer-Hambach war das kein Problem. Im November 2017 sprach die Schulaufsicht erstmals Klartext. Neustadt könne sich nur dann Hoffnung auf eine IGS machen, wenn gleichzeitig ein Gymnasium aufgegeben werde. Der Politiker, der den damit verbundenen Proteststurm aushält, muss wohl erst noch geboren werden. Zur Begründung führte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion unter anderem an, dass Neustadt ansonsten die einzige kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz wäre ohne das Pflichtschul-Angebot einer Realschule plus.

Schulentwicklungsplan gibt es noch nicht

Staatsstaatssekretär Hans Beckmann verwies bei dem Besuch von Marc Weigel im Kultusministerium im April 2018 auch auf den nicht vorliegenden gemeinsamen Schulentwicklungsplan für die Stadt Neustadt und die beiden benachbarten Landkreise. Den gibt es immer noch nicht. Marc Weigel will heute in der Ausschusssitzung erst die Betroffenen informieren, darunter auch Lehrer der Realschule plus Böbig. Nur der Ältestenrat des Stadtrates kennt schon den Vorschlag, den er anschließend dem Stadtrat unterbreiten will. Danach sind die Baufachleute gefragt. Es spricht vieles dafür, dass die Planungen für ein Realschul-Gebäude starten. Schuldezernentin Waltraud Blarr hat sich bereits für einen Neubau nach ökologischen Kriterien ausgesprochen.

x