Neustadt
Neustadt: Beim Mandelringkonzert lacht des Gastgebers Herz

Beim 227. Mandelringkonzert begeisterte am Samstagabend die 26-jährige Neustadterin Clara Flaksman mit der Generalprobe für ihren Studienabschluss an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Da zum Prüfungsprogramm der jungen Pianistin zum Bachelor of Music „Elementare Musikpädagogik“ auch die Kammermusik gehört, kamen die Gäste zudem in den Genuss eines Trios mit Klavier, Geige und Violoncello.
Das Kelterhaus der Familie Schmidt bietet an diesem Abend einen kleinen Rahmen, die im Halbkreis um den Flügel aufgestellten Stühle schaffen die Intimität eines Salons, gerade so, wie es vielleicht zu den Zeiten war, zu denen die Haydn-Schülerin Marianna Martinez bei Soiréen vierhändig mit Mozart konzertierte. Das Allegro, verträumt und verspielt und voller Leichtigkeit, erinnert an Mozart, wenn sich Tonketten auflösen wie glitzernde Perlenschnüre. Eine beinahe schmerzliche Wehmut prägt das Adagio, als gelte es, einen schweren Gedanken von allen Seiten zu betrachten. Das Tempo di Minuetto schließlich spielt mit Tanzaufforderungen und viel Grazie, bei der die Tanzenden trotz aller Hingabe an die Musik mit festen Schritten die Bodenhaftung nicht verlieren.
Dass die Musik und ihre Interpretation die Herzen der Zuhörer und Zuhörerinnen bewegt, zeichnet sich deutlich auf deren Gesichtern ab. So auch bei den 1914 geschriebenen „Trois Morceaux“ von Lili Boulanger, die nur 25 Jahre alt wurde, aber eine so begnadete Komponistin war, dass sie 1913 als erste Frau mit dem Grand Prix de Rome ausgezeichnet wurde. Das erste Stück, „D’un vieux jardin“, ist von dunklen Tönen geprägt, Akkorde wie tiefe Glockenschläge erzeugen trotz lebhafter Passagen eine düstere Stimmung, helle Klänge dazwischen lassen an ein Totenglöckchen denken, bevor das Stück mit tiefen Akkorden ausklingt wie ein Herz, das nicht mehr schlagen will. Dunkle Akkorde setzen wie dunkle Gedanken auch Akzente in dem heiteren „D’un jardin clair“, während „Cortège“ (festlicher Umzug) mit seinen sehr modernen, teils an Jazz angelehnten Klängen sprühendes Leben schildert.
Lili Boulangers kurzes „Prélude en Ré“ (Präludium in D) hat die Landauer Komponistin Charlotte Seither 2018 zu „Sternlicht“ angeregt. Die „Drei Bruchstücke für Lili Boulanger“ nehmen den Hörenden mit auf eine faszinierende Klangreise, in der Tonfolgen in Bruchstücke zerlegt werden. Da scheinen Töne wie aus den weiten Fernen des Universums zu kommen oder metallisch in einer riesigen leeren Fabrikhalle zu entstehen, Töne, die lange nachhallen, und Töne, die knöchernem Klopfen gleichen.
Aufwühlende Dramatik und strahlende Lebensfreude
Unmittelbar daran schließt sich Fanny Hensels „Klaviertrio d-moll op. 11“ an. Clara Flaksman wird dabei begleitet von ihrer Schwester Leonie Flaksman (Violine) und ihrem Lebenspartner David Schütte (Violoncello). „Dieses Trio liegt uns besonders am Herzen. Wir spielen es total gerne“, sagt die Pianistin, und auch die Zuhörer sind schon bei den ersten weichen Tönen des Klaviers, gefolgt von den hellen Klängen der Violine und dem kräftigen Schmelz des Cellos, wie gebannt. Überaus ausdrucksvoll ist die Musik, die Musiker sind technisch und emotional wunderbar aufeinander abgestimmt, was sich wiederum auf das Publikum überträgt, wenn die Komposition sich im Allegro molto vivace zu aufwühlender Dramatik steigert oder im Andante espressivo vor Zärtlichkeit beinahe überfließt. Strahlende Lebensfreude vermittelt das Trio mit dem Allegretto, und wie Tänzer, die traumverloren ihre ersten Schritte setzen, lassen sie das Finale Allegro moderato beginnen, in dem sich Naturgeister im Tanz drehen könnten.
Am Schluss gibt es minutenlangen Beifall und viele bewundernde Worte. Die Musiker strahlen, allen voran Clara Flaksman. Sie ist zufrieden und glücklich, wie es an diesem Abend lief, „will an ein paar Stellen aber noch ein bisschen feilen“, sagt sie. Ausschließlich darauf wolle sie sich jetzt in den Tagen vor der Prüfung noch konzentrieren. Gastgeber Jörg Sebastian Schmidt, der selbst lange Zeit Musik unterrichtet hat, freut sich noch aus einem anderen Grund: „Mir lacht das Herz, wenn so talentierte junge Menschen sich entschließen, an die Schule zu gehen.“