Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: 50 Jahre Mondlandung – Staunen in Lichtgeschwindigkeit

„Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond, Jubiläumsausgabe 50 Jahre Mondlandung,“ von Torben Kuhlmann. Foto: ©
»Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond, Jubiläumsausgabe 50 Jahre Mondlandung,« von Torben Kuhlmann.

Am 20. Juli 1969 hat zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten. Den berühmten kleinen-großen Schritt haben damals weltweit Menschen am Radio oder vor dem Fernseher verfolgt. Manche waren zuhause, andere im Urlaub, die einen im Kreis der Familie, die anderen mit Freunden zusammen.

Hartmut von Ehr, Diakon von Haßloch im Ruhestand und langjähriger Seelsorger der rheinland-pfälzischen Polizei, hatte sich an jenem Samstagabend vor 50 Jahren den Wecker gestellt, um den ersten Schritt eines Menschen auf dem Mond nicht zu verpassen. Etwa eine Stunde vorher kletterte der damals 16-Jährige aus dem Bett, um zusammen mit seinem Vater im Wohnzimmer in Ludwigshafen-Süd vor dem Fernseher zu sitzen. Ein besonderes Faible für die Raumfahrt hatte er nicht: Es sei wie bei den Boxkämpfen gewesen: Solch ein Ereignis live zu verfolgen, war Ehrensache. Zwar hatten die von Ehrs damals schon ein Farbfernsehgerät, genutzt hat das aber nichts – die Ausstrahlung war in schwarz-weiß. Ins Bett ging der Schüler nach der Übertragung nicht mehr. Musste er auch nicht, denn Schule war montags nicht angesagt – die Mondlandung lag in den rheinland-pfälzischen Sommerferien.

In Pension „Vianello“

„Als sehr aktiver und interessierter Hobby-Astronom habe ich die Mondlandung als Zeit- und Augenzeuge erlebt“, berichtet der Neustadter Erich Lemke. Damals war er mit seiner Frau Hedi und den Söhnen Hans (15) und Peter (11) bei Rimini zum Badeurlaub in der Pension „Vianello“, wo die Familie die ganze Nacht vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher saß und begeistert den Anflug, die Umkreisungen, die Landung und den ersten kleinen Schritt von Armstrong verfolgte. „An alle Details kann ich mich noch sehr gut erinnern, besonders an den Augenblick, als die US-Flagge auf dem Mond gehisst wurde.“ Mit seinen heute 92 Jahren erinnert sich Erich Lemke auch noch an den ausführlichen Bericht über die gesamte Apollo-11-Mission. Und er hat noch ein Lob für RHEINPFALZ-Redakteur Gerd-Uwe Haas parat. In seiner am 5. Juli erschienenen Geschichte „Im Mondfieber“ habe Haas in vorzüglicher Weise diesen Meilenstein der Menschheitsgeschichte dargestellt: „Dafür hat er ein besonderes Kompliment verdient.“

Ausflug nach Oberpfaffenhofen

„Noch ganz genau“ weiß der Haßlocher Bürgermeister Lothar Lorch, wie er die Nacht der Mondlandung erlebt hat. Seine Eltern haben seiner Erinnerung nach den berühmten ersten Schritt Armstrongs „wohl verschlafen“, aber der damals Zwölfjährige hat zusammen mit dem Großvater die Nacht vor dem Fernseher verbracht: „Ich war völlig begeistert davon, dass es technisch möglich war, Menschen auf den Mond zu bringen.“ Die Faszination hat dann zwar im Laufe der Jahre etwas nachgelassen, als Apollo-Missionen fast zur Routine wurden. Aber die Begeisterung für die Raumfahrt ist viele Jahre später wieder erwacht: 2018 hatte Lorch die Gelegenheit, in Oberpfaffenhofen – das in dem mit dem Kreis Bad Dürkheim befreundeten Landkreis Starnberg liegt – das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu besuchen. Dort konnte er ein Interview mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst in der Raumstation ISS live miterleben.

„Eine Riesengeschichte“

„Das war natürlich für uns eine Riesengeschichte“, sagt Lorchs Deidesheimer Amtskollege Manfred Dörr. Als 18-Jähriger hat er mit Freunden die ganze Nacht vor dem Fernsehapparat gesessen. Er weiß noch, dass die stundenlange Live-Übertragung vor der Landung zeitweise etwas langweilig war. Er erinnert sich aber an die große Spannung, die trotzdem alle ergriffen habe: „Wird die Landung glücken, und werden die Astronauten wieder heil zurückkommen?“ Den ersten Schritt eines Menschen auf einem anderen Himmelskörper live mitzuverfolgen, das hat Dörr seiner Erinnerung nach in jener Nacht sogar länger wach gehalten als seine Freunde.

Im Sommerschlafanzug

Winfried Folz, RHEINPFALZ-Korrespondent in Berlin und zuletzt zwei Wochen „Gastarbeiter“ in der Neustadter Lokalredaktion, hat heute ein echtes Problem: „Ich müsste mich mindestens vierteilen, um alle Veranstaltungen wahrzunehmen, die in Berlin zum Mondlandejubiläum angeboten werden.“ Zum Beispiel wird unter der riesigen Kuppel des Zeiss-Großplanetariums, einem grandiosen Wissenschaftstheater im Osten der Stadt, ein „Mondfest“ gefeiert, und Esa-Astronaut Alexander Gerst hält einen Vortrag. Der Clou in Folz’ Augen: Kleine Weltallforscher können selbstgebastelte Wasserraketen starten. Da erwacht in ihm das Kind im Manne. 1969, gerade mal sieben Jahre alt, „bastelten wir auch Raketen, die aber leider nie flogen“. Die Apollo-Mission hatte seinen drei Jahre älteren Bruder und ihn fest im Griff. Alle RHEINPFALZ-Artikel wurden gesammelt, eine Landefähre mit Lego-Bausteinen gebastelt, das zwei Meter hohe Poster der Saturn-V-Rakete bestaunt. Und natürlich saßen die Brüder frühmorgens „im Sommerschlafanzug“ auf dem Wohnzimmerboden und schauten gebannt auf den Fernseher, wo grau-weiße Flimmerbilder die Umrisse von Neil Armstrong zeigten. „Was für ein Ereignis! Mich faszinierte die Raketentechnik, auch wenn ich von Physik wenig verstand. Aber gestaunt habe ich in Lichtgeschwindigkeit.“

Hinreißendes Kinderbuch

Den ersten Schritt eines Menschen auf dem Mond hat Anke Herbert, RHEINPFALZ-Redakteurin in Neustadt, nicht erlebt. Was in der Natur der Sache lag. Zum einen mit vier Jahren zu jung, zum anderen war der westpfälzische Haushalt ohne Fernsehgerät. Erst als der Großvater sich zu seiner Leidenschaft fürs Boxen bekannte, hielt diese Technik im Jahr 1970 Einzug – in einem eigenen Fernsehzimmer. Peterchens Mondfahrt im Kindergarten 1971 ist daher ihr erster bewusst wahrgenommener Bezug zum Mond. Ein geliebtes Kinderbuch, das jetzt aber getoppt wurde. Kollege Winfried Folz schenkte ihr vor seiner Heimreise nach Berlin ein Kinderbuch über die erste Mondlandung. Ein Hingucker von Torben Kuhlmann, der von der Maus Armstrong erzählt – einfach hinreißend.

Leserin Ingeborg Aßmann hat die Mondfinsternis am Dienstagabend, 16. Juli, in Gimmeldingen fotografiert. Foto: Assmann
Leserin Ingeborg Aßmann hat die Mondfinsternis am Dienstagabend, 16. Juli, in Gimmeldingen fotografiert.
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