Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neun-Euro-Ticket kommt an

Das Ticket gibt es unter anderem im DB-Reisezentrum im Hauptbahnhof sowie bei den hiesigen Busunternehmen zu kaufen.
Das Ticket gibt es unter anderem im DB-Reisezentrum im Hauptbahnhof sowie bei den hiesigen Busunternehmen zu kaufen.

Seit Montag kann auch in Neustadt das bundesweite Nahverkehrsticket für neun Euro gekauft werden. Das Interesse scheint groß zu sein.

Bus- oder Bahnreisende, die an diesem Dienstagmorgen den Neustadter Hauptbahnhof besuchen, sehen rot: FCK-Fans, so weit das Auge reicht, auf dem Weg mit dem Zug zum Relegationsspiel in Dresden. Angesprochen auf das Neun-Euro-Ticket, das ab Juni gilt und seit Montag im Vorverkauf zu haben ist, freut sich ein Anhänger der Roten Teufel: „Ich zahle aktuell monatlich 90 Euro für mein VRN-Großwabenticket, jetzt nur noch neun Euro. Das ist eine große Erleichterung.“ Sein Kumpel findet das auch: „Da kann man auch mal nach Stuttgart fahren für wenig Geld.“ Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) hat bereits angekündigt, seinen Kunden automatisch drei Monate lang neun Euro vom Konto abzubuchen statt des ursprünglich gebuchten Tarifs.

Ziel des vergünstigten Tickets, das für insgesamt drei Monate gekauft werden kann, ist es, die Menschen angesichts gestiegener Preise zu entlasten – und mehr Kunden in den Öffentlichen Personennahverkehr zu locken. Der Bund gibt den Ländern 2,5 Milliarden Euro, da diese den Regionalverkehr organisieren.

„Lohnt sich richtig“

Am Fahrkartenautomat im Hauptbahnhof zieht sich Mary Zeitler aus Neustadt ein Ticket. Ob sie sich das Neun-Euro-Ticket zulegen wird? „Erst einmal nicht. Ich denke, dass die Züge und Busse sehr voll sein werden – mir persönlich zu voll“, sagt die Neustadterin, die selten Zug fährt. Da sei sie doch lieber mit ihrem Auto unterwegs. Ganz ausschließen will sie den Ticketkauf aber nicht: „Ich werde erst einmal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt, und dann vielleicht doch eins kaufen.“

Im Reisezentrum der Deutschen Bahn (DB) im Bahnhof hat sich gerade eine ältere Dame drei Neun-Euro-Tickets für den Eigenbedarf gekauft. Ein echter Gewinn, wie sie sagt: „Im Moment laufe ich alle Strecken, über Sommer fahre ich stattdessen mit dem Bus – gerne auch mal in die Stadt.“ Ihr Weg führe sie in der Regel von der Hambacher Höhe bis zum Friedhof, wo sie im Sommer mindestens einmal pro Woche Blumen am Grab gießt. Für eine einfache Fahrt von ihrem Zuhause an den Hauptbahnhof zahlt sie derzeit 2,20 Euro. „Es lohnt sich jetzt also richtig für mich“, sagt sie.

Keine Extra-Busse in Neustadt

Am Bahn-Schalter hat sie mit einer langen Schlange gerechnet, doch kommt sie bereits nach kurzem Warten dran. Gegen 10 Uhr steht mit ihr noch eine weitere Frau im Reisezentrum. Für ein kurzes Interview darüber, wie das Ticket bei den Kunden ankommt und wie viele sich schon eins zugelegt haben, haben die beiden Damen am Schalter „wegen des Ansturms“ keine Zeit. Ob sich der Ansturm auf die FCK-Fans oder Interessierte am neuen Nahverkehrsticket bezieht, bleibt indes unklar.

Weil der DB-Konzern einen Ansturm auf das Ticket erwartet, schickt die DB Regio bundesweit 50 Reservezüge auf die Gleise. Sie sollen vor allem in touristisch geprägten Regionen verkehren. Ob die Pfalz dazugehören wird, stand am Dienstag noch nicht fest. Alles beim Alten bleibt es bezüglich der Ferienfahrpläne bei Imfeld Busverkehr und Palatina Bus GmbH. Die beiden Unternehmen bedienen den öffentlichen Busverkehr in der Stadt und im Umland. Während der Sommerferien fahren ihre Busse keine Schulen an – es sei denn, die Haltestelle liegt an einer Schule, schränkt Jürgen Heil, Betriebsleiter am Palatina Bus-Standort Edenkoben, ein. Während der Schulzeit schwärmen morgens drei Palatina-Busse von Neustadt nach Edenkoben aus, in den Ferien nur ein Bus. An der Ferienregelung ändere auch das neue Nahverkehrsticket nichts, betonen Heil und sein Pendant bei Imfeld, Marion Ackermann.

Großes Interesse bei Busreisenden

Sollte es doch zu einem Ansturm kommen, geht Heil davon aus, dass dies weniger im Bus- als im Zugverkehr Thema sein werde: „Schließlich gibt es bestimmt viele, die es ausreizen, deutschlandweit für neun Euro im Nahverkehr fahren zu können und entsprechend längere Fahrten planen.“ Auch der städtische Verkehrsdezernent Bernhard Adams erwartet, „dass es auf touristisch hoch frequentierten Routen hier und da im Sommer Engpässe geben“ könnte, jedoch nicht beim täglichen ÖPNV in Neustadt.

Bei Imfeld haben sich bereits am Montag etliche Kunden über das Neun-Euro-Ticket informiert – telefonisch oder persönlich in der Geschäftsstelle, wie Marion Ackermann berichtet. Dort gibt es die Tickets übrigens auch zu kaufen – ebenso in den DB-Kundenzentren, an Fahrkartenautomaten und online bei den jeweiligen ÖPNV-Anbietern. Bei Palatina Bus hätten schon einige Fahrgäste ein Neun-Euro-Ticket in den Bussen gekauft, berichtet Heil.

Dezernent: Kein Beitrag zur Verkehrswende

Ackermann kann sich durchaus vorstellen, dass angesichts der hohen Spritpreise Kunden, die jetzt das Ticket nutzen, auch längerfristig auf die Öffentlichen umsteigen. „Genau werden wir das aber erst wissen, wenn wir im September die Statistik betrachten, ob wir bis Ende August vergleichsweise mehr Abos abgeschlossen haben“, sagt sie. Dezernent Adams ist der Meinung, „dass das Ticket eine Bürgerentlastung sein mag, aber kein Beitrag zur Verkehrswende, sofern gleichzeitig auch für drei Monate das Benzin et cetera verbilligt wird“. Jede Zielgruppe werde bedient, „eine signifikante Verhaltensänderung im Verkehr gelingt so nur bedingt“.

Wissenswertes über das Ticket gibt es hier.

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