Neustadt
Neues Lebenshilfe-Wohnheim wird bezogen
Lebenshilfe-Geschäftsführer Alfred Hambsch weiß, dass der lang ersehnte Umzug im Leben der Familien doch einige Emotionen und Ängste hervorruft. „Und das auf beiden Seiten – bei unseren Bewohnern, aber auch bei deren Angehörigen. Beide Seiten müssen sich jetzt abnabeln. Gerade in den Familien, in denen das Leben bislang vollkommen auf die Betreuung und Versorgung der Kinder mit ihren Beeinträchtigungen ausgerichtet war, passiert jetzt ein besonderer Ablöseprozess“, erklärt er. Daher rät er den Familien auch, in der ersten Zeit ihre Angehörigen über das Wochenende nicht nach Hause zu holen. Denn die zukünftigen Mieter sollen ihr neues Reich auch als ihr richtiges „Zuhause“ annehmen und verstehen, dass das Wohnheim kein „Wohnen auf Zeit, sondern eine Heimat für immer“ ist.
Noch leben die ersten Bewohner aber auf einer Baustelle. Fliesenarbeiten auf der Terrasse, letzte Feinheiten im Innenbereich und die Gärtnereiarbeiten an der Außenanlage lassen noch keine unbeschwerte Rundum-Nutzung zu. Gerade der abwechslungsreich geplante „Sinnesgarten“ braucht noch einige Wochen. Der Rasen muss wachsen, die Gewächse sind noch nicht alle gepflanzt. Spannende Spielgeräte – wie eine Pfeifenwippe, die Rollstuhlschaukel und ein Outdoor-Crosstrainer – sind noch nicht geliefert.
Hochbeet mit Kräutern
Alfred Hambsch zeigt den kleinen Barfußpfad mit Rindenmulch, Kieseln und Holzschnitzeln und betont: „Unsere Bewohner sind ganz unterschiedlich. Manche müssen sich auspowern, andere bevorzugen Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten, bunte Blumen oder andere Reize.“ Rund um das Haus führt ein rollstuhlgerechter Pfad, Hochbeete mit Kräutern und Obst sind bepflanzt. So werden alle fünf Sinne aktiviert und gefördert.
Ein kleiner Wermutstropfen waren für Hambsch bei der Planung die Auflagen zum Artenschutz. „Zunächst habe ich mich gefreut, als wir so ein großes Grundstück gefunden hatten. Doch dann wurde es quasi per Auflagen verkleinert“, so Hambsch. Rund 700 Quadratmeter des insgesamt 3500 Quadratmeter großen Grundstücks bleiben unberührt, weil sich beispielsweise Zaunammer und Eidechsen hier angesiedelt haben. Hambsch: „Eigentlich hätten wir jeden Meter für unsere Bewohner gebraucht. Geplant war das Heim ja ursprünglich nur für 16 Menschen, wir haben aufgrund der Nachfrage auf 24 Zimmer erweitert. Doch manche Bewohner bräuchten auch mehr Platz zum Toben, beispielsweise einen Bolzplatz.“ Auch die Idee, zusammen mit den Bewohnern weitere Elemente zu planen, werde aufgrund der Artenschutzauflagen jetzt schwieriger. So habe man auch mit einem Grillplatz geliebäugelt. Aber das werde dann vielleicht zu eng.
Begrüntes Dach
Dabei wurden moderne Energieanlagen im Gebäude eingebaut. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit 80 Meter tiefen Rohren nutzt das Erdreich als Energiequelle. Hambsch: „Das verringert unseren Energiebedarf für die Heizung enorm.“ Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach kann bis zu 40.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit werden rund 500 Tonnen CO2 jährlich vermieden. Außerdem ist das Dach begrünt worden und wirkt so als natürliche Dämmung gegen die Sommerhitze. Hambsch: „Jetzt fehlt nur noch ein richtiges Lebenshilfe-Fest zur Einweihung, wenn alle eingezogen sind, so wie die verschiedenen Neustadter Lebenshilfe-Einrichtungen vor Corona schon immer kräftig mit ihren Angehörigen gefeiert haben. Doch da müssen wir mal abwarten, wie sich die Lage im Sommer entwickelt.“