Maikammer
Neues Büro für Tourismus eingeweiht
In den vergangenen zweieinhalb Jahren ist das über 450 Jahre alte Anwesen in der Marktstraße 5 saniert und umgebaut worden. Im Erdgeschoss ist die neue Tourist Information entstanden, in den oberen Etagen sechs Ferienwohnungen. Mit über einer Million Euro hat das Land das Projekt gefördert, bei dem die Ortsgemeinde mit einem privaten Investor zusammengearbeitet hat.
Bei der Einweihung des neuen Büro für Tourismus sagte Bürgermeister Schäfer, das von der Ortsgemeinde 2010 erworbene Anwesen liege im Zentrum, das funktional gestärkt und dessen Aufenthaltsqualität gestärkt werden sollte. Die Überlegung, die Tourist Info ins Zentrum zu verlegen, sei für Maikammer als eine der führenden Weinbau- und Tourismusgemeinden an der Weinstraße konsequent gewesen.
Der Ortsgemeinde sei bewusst gewesen, dass Umbau und Sanierung des denkmalgeschützten Anwesens nicht allein finanziert werden könne. Für den Bereich der Tourist Info mit barrierefreiem Digitalisierungs- und Vermittlungskonzept sei eine Unterstützung durch das Land erforderlich gewesen. Für den weitaus größeren Anteil der Gebäudesanierung sei mit der GbR Rolf Fuhrmann und Ralf Uhl ein Privatinvestor gefunden worden. Für diese sei die nicht immer einfach umzusetzende Ausführung in einem über 450 Jahre alten Gebäude eine Herausforderung gewesen. Auch für die Gemeinde sei es eine „spannende Zeit“ gewesen.
Ensemblewirkung von höchster Güte
Schäfer erinnerte daran, dass die ersten Gespräche mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau 2016 begonnen hätten. Das „wünschenswerte Miteinander“ von öffentlicher Hand und Privatinvestoren zur Projektrealisierung habe die Ortsgemeinde vor große vergaberechtliche Probleme gestellt. „Große Ausdauer und eine gewisse Hartnäckigkeit“ seien erforderlich gewesen, um die Finanzierung zu sichern. Es sei immer erkennbar gewesen, dass das Land Maikammer helfen wolle, aber bürokratische Hürden überwinden müsse. Schäfer: „Mit der Entrümpelung und Aktualisierung alter Verwaltungsvorschriften könnte man ein ungeahntes Wirtschaftsförderprogramm generieren und den Erhalt vieler Denkmäler sichern und städtebauliche Akzente setzen.“ Kommunen könnten diese Aufgabe allein nicht leisten. Das Engagement privater Investoren müsse erleichtert werden.
Heute seien aber alle Mühen vergessen, „wir dürfen uns über ein gelungenes Projekt freuen“. Entstanden sei ein zukunftsweisendes Projekt mit Modellcharakter in der digitalen Ausstattung. Das neue Tourismus-Büro werde die Hauptwirtschaftsstruktur Maikammers, den Weinbau und Tourismus, weiter stärken. Der neu gestaltete Marktplatz, das barrierefreie touristische Fußwegeleitsystem und die Marktstraße 5 entfalteten in Verbindung mit den historischen Gebäuden in der oberen Marktstraße „eine Ensemblewirkung von höchster Güte“. Besonders dankte er der Geschäftsführerin der Tourist Information, Maria Bergold, die in den letzten Jahren „das Projekt gelebt und bis an die Grenze des Zumutbaren an der Fertigstellung gearbeitet“ habe.
Lange Liste abgearbeitet
Bergold erläuterte ausführlich die einzelnen Stationen der neuen Tourist Information und wie das barrierefreie Digitalisierungs- und Vermittlungskonzept von der digitalen Info-Stele vor dem Eingang über das Bodenleitsystem bis hin zum barrierefrei mit Treppenlift erreichbaren Gewölbekeller umgesetzt worden ist. Eine lange Liste sei dabei abzuarbeiten gewesen, um den Förderrichtlinien zu entsprechen. Sie wies unter anderem auf das in grün-orangene Farbkonzept hin, auf das thematische Konzept mit dem Motto „Verbindungen“, inspiriert durch den in Maikammer von den Brüdern Ullrich erfundenen Zollstock mit Gelenkfedersperre, auf die Bildschirmpräsentationen mit touristischen Informationen und auf die Jahreszeit abgestimmten Tourenvorschlägen sowie erklärenden Videos und auf die Live-Bilder der seit Anfang des Jahres auf dem Kalmit-Turm installierten Webcam.
Besonderes Raumerlebnis
In Vertretung der erkrankten Staatssekretärin Petra Dick-Walther sagte Ralf Teepe, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und -förderung des Wirtschaftsministeriums, der Zuschuss von 85 Prozent der förderfähigen Kosten zeige, wie wichtig dem Land dieses Projekt sei. Mitten in Maikammer gelegen, sei die Tourist Info eine der wichtigsten Anlaufstellen, die den Gast inspiriere und ihm ein besonderes Raumerlebnis biete. Daneben betonte er die Rolle der Wertschöpfung vor Ort: Denn je länger der Gast bleibe und je wohler er sich fühle, desto mehr Wertschöpfung werde generiert. Teepe: „Nur mit Herzblut, Verstand und Engagement ist ein solches Projekt möglich geworden.“
„Tief beeindruckt“ zeigte sich der Erste Kreisbeigeordnete Georg Kern, der von einem „Meisterstück“ sprach. Mit der neuen Tourist Info würden Maßstäbe gesetzt. Maikammer zeige, dass es im touristischen Bereich an der Spitze stehen wolle. Dafür biete die neue Einrichtung eine qualitativ hochwertige Voraussetzung.
Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach nannte die Einweihung einen „historischen Moment an einem historischen Ort“. Tradition und Moderne befänden sich hier im Einklang. Den Gästen werde in dem lichtdurchfluteten „Ort der Begegnung“ signalisiert, dass sie willkommen sind. Die neue Tourist Information sei eine Bereicherung für die ganze Region.
Leuchtturm im neuen Tourismus-Konzept
„Das Herz ist mir beim Betreten aufgegangen“, sagte Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat des Kreises Bad Dürkheim und Vorsitzender der Pfalztouristik. Er erinnerte an die wegweisenden Beschlüsse des Vereins, um neue touristische Märkte zu erschließen. Damit das neue Konzept Früchte tragen könne, seien „Leuchttürme“ wie das neue Büro für Tourismus notwendig. Maikammer gehöre zu den Top-20-Reisezielen im Land und zu den Top-5-Zielen in der Pfalz. „Maikammer hat in den vergangenen Jahrzehnten alles richtig gemacht“, bilanzierte Ihlenfeld. Der Tourismus sei hier „Stück für Stück sehr organisch gewachsen, und immer zusammen mit der Bevölkerung“. Die neue Tourist Info nannte er „beispielgebend für die Pfalz“.
Die Segnung des Gebäudes nahm Pfarrer Jochen Keinath vor.