Neustadt Neuer Putz bröckelt schon wieder ab
Die Städte Deidesheim und Lambrecht haben nicht nur die Tradition der Geißbockübergabe gemeinsam. In beiden Städten sind die Rathäuser in historischen Gebäuden, von denen wenige Jahre nach der Sanierung der Putz abbröckelt. Die Art des Verputzes wurde beiden Städten von der Generaldirektion Kulturelles Erbe vorgegeben.
Trotz der Schäden ist Georg Peter Karn, bis vor Kurzem zuständiger Gebietsreferent der Generaldirektion Kulturelles Erbe, überzeugt davon, dass die Vorgaben „bautechnisch die beste Lösung“ waren. Die Sanierung des Lambrechter Zunfthauses war 2006 beendet, seitdem wird das Gebäude als Rathaus genutzt. Bereits zwei Jahre später fielen größere und kleinere Brocken des Verputzes von der Außenfassade ab. Über die Gründe wurde damals heftig gestritten. 2009 wurden die Schäden behoben, dabei wurde ein Kalkputz verwendet. Inzwischen bröckelt es wieder am Zunfthaus, dies sowohl am Sockel des Gebäudes als auch an den Fachwerkfeldern. Der Sockel ist an vielen Stellen schadhaft. Aus einem der Fachwerkfelder, unmittelbar neben dem Eingang in der Wallonenstraße, sind zwei große Brocken herausgebrochen. An der Ecke Wallonen- und Gerberstraße sind in den Fachwerkfeldern große Risse, zudem fehlen kleinere Stücke des Verputzes. In Richtung Gerberstraße sind mehrere Fachwerkfelder schadhaft. Neben dem Eingang in der Gerberstraße sind im Verputz große Wasserflecken. Auch im Inneren des Gebäudes gebe es Schäden, sagt Bürgermeister Karl-Günter Müller (FWG). So seien etwa in seinem Amtszimmer an den Wänden Risse. Laut einem Gipser, bei dem Müller sich informiert hat, war es ein Fehler, den Verputz im oberen Teil des Zunfthauses direkt auf das Holz des Fachwerks aufzubringen. Zwischen dem Holz und dem Verputz wäre eine Dämmschicht erforderlich gewesen. Im Sockelbereich sei der traditionelle Putz Wasser und Schmutz ausgesetzt und halte deshalb nicht lange. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe habe genaue Vorgaben gemacht, welcher Verputz verwendet werden dürfe, weiß Müller noch genau. Der vorgegebene Verputz sei „der einzig richtige“, ist Karn nach wie vor überzeugt. Er erinnert daran, dass bei früheren Sanierungen des Zunfthauses „alle Fehler gemacht wurden, die man machen kann“. Das habe zu Beschädigungen an der Substanz des Gebäudes geführt. Unter anderem sei das Bauwerk, bedingt durch die Verwendung falscher Materialien bei früheren Sanierungen, sehr feucht gewesen. Wenn man einen modernen Putz aufgebracht hätte, hätte die Feuchtigkeit nicht entweichen können. „Dadurch wären erneut Schäden an dem Gebäude entstanden“, so Karn. Der Kalk-Lehmputz, der auf Vorgabe der Generaldirektion Kulturelles Erbe verwendet wurde, sei dagegen feuchtigkeitsdurchlässig. Karn gibt zu, dass man zur Zeit der Sanierung des Zunfthauses fast noch keine Erfahrung mit Materialien wie Kalk-Lehmputz und Kalkfarben hatte. Deren Verwendung beim Zunfthaus sei „geradezu modellhaft“ gewesen. Das Zunfthaus sei eines der Gebäude, dessen Sanierung „mir besonders am Herzen lag“, betont Karn. Denn es sei eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser in der Pfalz. „Es ist natürlich nicht wünschenswert, dass nach wenigen Jahren schon wieder Brocken herausfallen“, gesteht Karn ein. Am Sockel könne dies durch Feuchtigkeit verursacht sein. Im oberen Bereich des Gebäudes müsse man prüfen, was die Gründe sind. Nach Angaben von Müller soll demnächst gemeinsam mit Fachleuten untersucht werden, wie umfangreich die Schäden sind. Danach sollen die Kosten für die Behebung der Schäden ermittelt werden. Bei der Sanierung des historischen Rathauses in Deidesheim im Jahr 2004 sei von der Generaldirektion Kulturelles Erbe vorgegeben worden, welche Materialien verwendet werden dürften, berichtet Bürgermeister Manfred Dörr (CDU). „Uns ist schon damals gesagt worden, dass der Verputz immer wieder abbröckeln wird“, weiß Dörr noch genau. Vor allem im Bereich der großen Freitreppe sei viel Feuchtigkeit in dem Gebäude, so Karn. Deshalb sei ein Sanierputz aufgebracht worden. Den nenne man auch Opferputz, weil er Salz und Feuchtigkeit aus der Mauer herausziehe, deshalb nach einiger Zeit abbröckele und „geopfert“ werden müsse. Danach müsse ein neuer Sanierputz aufgebracht werden und nach einigen Jahren wieder „geopfert“ werden. Erst wenn auf diese Art und Weise alle Feuchtigkeit weg ist, könne ein Kalkputz verwendet werden. Auch das Deidesheimer Rathaus gehöre zu den Gebäuden, dessen Sanierung ihm eine Herzensangelegenheit gewesen sei, betont Karn. Ihm sei von Experten gesagt worden, dass Autoabgase dem Sanierputz stärker zusetzen würden als heute üblichen Verputzen, berichtet Dörr. Er werde sich bemühen, dass in den Haushalt der Stadt für 2017 Mittel für die Sanierung der Putzschäden eingestellt werden. „Das sind für uns immer wieder Riesenausgaben, und die finanzielle Unterstützung von Seiten des Denkmalschutzes ist sehr gering“, sagt Dörr. „Wir werden beim Denkmalschutz nachfragen, ob wir einen Zuschuss für die Behebung der Schäden am Zunfthaus bekommen“, sagt Dörrs Lambrechter Kollege Müller. Grundsätzlich sei ein Zuschuss zwar möglich, sagt Karn. Aber die Generaldirektion Kulturelles Erbe verfüge nur über sehr begrenzte Mittel. Zudem werde ein Zuschuss nur dann gewährt, wenn verschiedene Voraussetzungen erfüllt seien, etwa wenn Mehrkosten aufgrund dessen entstünden, dass ein Gebäude ein Denkmal ist. Wenn Lambrecht keinen Zuschuss bekomme, „werden wir einen haltbaren Verputz aufbringen lassen“, sagt Müller. |ann