Neustadt Neuer Neurologe in Neustadt: Warum es für ihn eine Sondergenehmigung gab

Vasos Vagianos ist vom Städtischen Klinikum Karlsruhe nach Neustadt gewechselt.
Vasos Vagianos ist vom Städtischen Klinikum Karlsruhe nach Neustadt gewechselt.

Auf einen Termin beim Neurologen müssen die Neustadter mitunter lange warten. Trotzdem gilt die Stadt als überversorgt. Warum es jetzt eine Sondergenehmigung gab.

Vasos Vagianos freut sich, dass er nun in Neustadt praktizieren kann. Der promovierte Neurologe verstärkt seit Jahresbeginn die Praxis von Danilo Kadovic in der Neustadter Wallgasse. Der Facharzt ist vom Städtischen Klinikum Karlsruhe an die Weinstraße gewechselt. Was wegen der geltenden Regeln alles andere als einfach war.

Der Bedarf an neurologischen Praxen ist generell hoch, da macht Neustadt keine Ausnahme. Da sich durch eine Praxisschließung die Versorgungssituation verschlechtert hatte, initiierte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz hier im Oktober vergangenen Jahres einen „Neurologischen Dialog“. Dabei tauschten sich Vorstand und Mitarbeitende der KV mit Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaft aus, um die aktuelle Situation zu beleuchten und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, wie die KV berichtet. Vor allem Hausärzte hätten sich dies gewünscht, „da sie immer mehr neurologische Patientinnen und Patienten mitversorgen mussten“, so die KV.

Neustadt rechnerisch überversorgt

Auch der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Danilo Kadovic, nahm daran teil. „Es gibt sehr viele Patientinnen und Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern, die lange auf einen Termin warten müssen oder gar keine Praxis finden. Daher hatte ich schon länger vor, einen weiteren Kollegen anzustellen“, berichtet er. Im August hatte er dann den ersten Kontakt zu einem Oberarzt des Städtischen Klinikums Karlsruhe: Vasos Vagianos. Dieser hospitierte einige Tage in der Neustadter Praxis – und die beiden wurden sich einig. Doch das bedeutete nicht, dass Vagianos einfach anfangen konnte.

Die Schwierigkeit: Der Bereich, in dem Neustadt liegt, ist laut der Bedarfsplanung gesperrt, gilt nämlich als überversorgt. Dadurch gibt es keine freien Arztsitze. Kadovic hätte den neuen Kollegen über das Modell des Jobsharings anstellen können. Dabei darf jedoch das Leistungsvolumen der Praxis nicht wesentlich ausgeweitet werden. Nach Gesprächen mit der KV ergab sich eine bessere Lösung. Der Zulassungsausschuss genehmigte im Dezember einen Sonderbedarf. Trotz bestehender Zulassungssperren und rechnerischer Überversorgung wurde die Stelle damit genehmigt, um einen zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf zu decken. Und so konnte Vagianos im Januar mit einem vollen Sitz in Neustadt beginnen. „Das lief alles total reibungslos, sodass wir ganz schnell weitere Patientinnen und Patienten aufnehmen konnten“, sagt Kadovic. Die KV Rheinland-Pfalz fördert die Anstellung von Vagianos zudem mit 650 Euro monatlich über ihren Strukturfonds.

Leistungsspektrum erweitert

„Hier haben wir wieder ein gutes Beispiel dafür, dass die Bedarfsplanung an der Versorgungsrealität vorbeigeht“, kommentiert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Rheinland-Pfalz, Andreas Bartels. „Die Menschen brauchen dringend eine bessere Versorgung. Es ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben aber nicht möglich, neue Kolleginnen und Kollegen ins System zu holen. Daher sind wir dem Zulassungsausschuss überaus dankbar, dass er sich für einem Sonderbedarf ausgesprochen hat.“ Bartels bedankt sich auch bei den Hausarztpraxen vor Ort, die den Engpass sehr gut abgefangen hätten.

Durch die Verstärkung konnte die Neustadter Praxis ihr Leistungsspektrum erweitern. „Wir bieten im neurologisch-psychiatrischen Bereich die komplette Diagnostik und Therapie an, die im ambulanten Bereich möglich ist, inklusive Lumbalpunktionen“, informiert Kadovic, der die Praxis seit 2009 führt. Die fachlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Migräne und anderen Kopfschmerzsyndromen, Multiple Sklerose sowie Parkinson. Vagianos ist spezialisiert auf periphere Nervenschädigungen.

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