Neustadt Neue und alte Perspektiven

NEUSTADT. Das Weinstraßenatelier geht neue Wege: Mit der Ausstellung „Ludwig Fellner und Bernd Menck: Pfalz gemalt und fotografiert“ können Kunstfreunde ab heute – Vernissage ist um 16 Uhr – bis Ende Oktober im früheren Wohnhaus und Atelier des im Jahre 2006 verstorbenen Malers nicht nur dessen Werke, sondern auch Fotografien des in Königsbach lebenden Bernd Menck sehen.
Gemaltes und Fotografie tritt nebeneinander an. Das ist beim Blick in die jeweiligen Räume ein wenig irritierend. Die Werke, die parallel zueinander an den Wänden gezeigt werden, sind auch ein Stück Vergangenheit und Gegenwart. Es sind Motive aus Neustadt, seinen Weindörfern, aber auch aus den Weinbaugemeinden bis nach Wachenheim. Das Faible von Ludwig Fellner für Motive der näheren Umgebung kommt klar zum Vorschein. Das vielfältige Rebenmeer, die Schönheiten in den einzelnen Weindörfern erinnern auch an früher: Manches hat sich verändert oder ist gar verschwunden. Eine Erfahrung, die Fotograf Bernd Menck machen musste. Die zeitlichen Veränderungen sind auf den Fotografien zu sehen, die der 76 Jahre alte Diplom-Landwirt, der seit 2002 mit Digital-Technik fotografiert, im letzten Jahr aufgenommen hat. Menck, der seit 60 Jahren fotografiert, ist in der Region kein Unbekannter. Als Hobby-Winzer besitzt und erweitert er regelmäßig seine Dokumentation rund um den Wein. 2015 zeigte er in einer Ausstellung des Fotoforums Neustadt Bilder zum Thema „Das Leben des Weines, vom Wingert bis in den Keller“ im Herrenhof Mußbach . Seit elf Jahren ist der gebürtige Mecklenburger, der seit 2000 in Königsbach lebt, Mitglied im Fotokreis. „Ich liebe alte und neue Bilder“, sagt Ulrike Fellner. „Ich wusste, nur Bernd Menck weiß, wo die Motive sind, die mein Onkel gemalt hat“, ergänzt sie. Ihr erstes Treffen mit Bernd Menck sei im April 2015 gewesen. Die Vorbereitung auf die kommende Ausstellung „Pfalz – gemalt und fotografiert“ hätten sich über ein Jahr erstreckt. Menck habe versucht, bei seinen Fotos die Fellner-Perspektive einzunehmen. Keine leichte Aufgabe, wie er im RHEINPFALZ-Gespräch verrät: „Es war nicht immer einfach.“ Auch deswegen, weil sich durch Flurbereinigungen einige Abschnitte verändert hätten. Für Ulrike Fellner ist es auch ein Weg der Suche nach den Schönheiten der Region, die sie bisher nicht gekannt habe. Der Juristin, die in der Nähe von Köln lebt, liegt der Erhalt und der Fortbestand des Weinstraßenateliers besonders am Herzen, weshalb sie auch 2014 einen Freundeskreis gegründet habe. Mit den bisherigen Ausstellungen „Alles Akte“ und „Alles Stillleben“ sowie mit der jüngsten Schau will Fellner nicht nur die Werke des bekannten Malers in Erinnerung rufen, sondern auch in der Kooperation mit den Neustädter Musikschulen und Malkursen mit Izabella Koch das Haus zu einer Begegnungsstätte für junge Künstler verwandeln. Dazu heißt es jetzt von April bis Oktober „Kunst – Kaffee – Kuchen“. Das Weinstraßenatelier in der Erika-Köth-Straße 69 soll mit Leben erfüllt werden. Das ist ein gemeinsames Ziel mit ihrer Tante Ingrid Fellner, der Ehefrau von Ludwig Fellner, die lediglich dem kleinen Cafébetrieb zunächst etwas skeptisch gegenüber stand. „Mir war es wichtig, dieses Haus auch nach dem Tod meines Onkels der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Ulrike Fellner. Es gehe nicht darum, Bilder zu veräußern, sondern Menschen hierher zu führen, denen die Region und die Kunst am Herzen liege. Dabei verrät sie, dass es zum 100. Geburtstag von Ludwig Fellner 2017 eine Jubiläumsausstellung in der Villa Böhm geben wird. (wij)