Neustadt Neue Kulturformen im Blick

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Kontakte zur Neustadter Kulturszene knüpfen oder vertiefen, das ist derzeit eine der wichtigsten Beschäftigungen für Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU), der in der im Sommer begründeten Koalition aus CDU, FDP und Grünen neben anderem die Verantwortung für die Bereiche Kultur, Stadtbücherei und Stadtmuseum/-archiv übernommen hat. Um den Dialog auf eine noch breitere Basis zu stellen, wird er für 17. März zum ersten „Kulturforum Neustadt“ in die Aula des Leibniz-Gymnasiums laden. Es gehe ihm um eine Bestandsaufnahme der Situation der Kultur in Neustadt, an die sich dann eventuell Überlegungen zu notwendigen oder wünschenswerten Veränderungen anschließen könnten, erklärt der neue Kulturdezernent, der gerne damit kokettiert, dass sich sicher keiner seiner früheren Lehrer, etwa sein Kunstlehrer Wolfgang Bachtler, hätte vorstellen können, dass ausgerechnet er einmal in dieses Amt kommen würde. Rund 150 Vereine, Institutionen und Einzelpersonen und damit so ziemlich alle, die sich in Neustadt mit Kultur befassen, stehen nach Röthlingshöfers Angaben auf der Einladungsliste, prinzipiell sei die Veranstaltung, die um 18 Uhr beginnt, aber auch für alle interessierten Bürger offen. Während das „Kulturforum“ trotz seiner grundsätzlichen Offenheit vielleicht doch eher eine „kulturinterne“ Veranstaltung ist, soll bei einem weiteren wichtigen Projekt des Jahres möglichst die ganze Bevölkerung angesprochen werden: Bei dem Fest „Kultur am Bach“ soll am 11. Juli die Wallgasse entlang des Speyerbachs von der Helfferich-Straße bis zum Piratenschiff an der Festwiese zur kulturellen Festmeile werden, auf der sich Künstler, Musiker und viele weitere Neustadter Kulturschaffende einen Tag lang dem Publikum vorstellen. Eröffnet werden soll die „Bach-Kultur“ schon am Vorabend mit einer Theateraufführung im Park der Villa Böhm. Eine direkte Verbindung zwischen beiden Schauplätzen könnte durch den Park der Freien Christengemeinde und ein Kunstprojekt der Galerie Aspekt geschaffen werden, so Röthlingshöfer. Entsprechende Gespräche seien im Gange. Ansonsten sind die Planungen für kulturelle Sonderveranstaltungen in der Verantwortung der Stadt nach Röthlingshöfers Worten noch im Fluss. Für den „Neustadter Kultur-sommer“, der als Label wie berichtet weitergepflegt werden soll, gebe es „die eine oder andere Überlegung“ für Open-Air-Veranstaltungen im Park der Villa Böhm, doch liege man bei den Vorbereitungen durch die personellen Veränderungen in der Stadtspitze zeitlich etwas zurück. „Schon sehr weit gediehen“ seien die Verhandlungen über ein Konzert mit dem britischen Popsänger- und Songwriter Boy George. Der frühere Frontmann der Band „Culture Club“, eine der Pop-Ikonen der 80er Jahre, arbeitet derzeit nach jahrelangen Sex-, Drogen- und Alkohol-Skandalen an einem Comeback. Seine aktuelle Tournee hat er allerdings wegen Problemen mit den Stimmbändern gerade abgesagt. Ein besonderes Anliegen ist für Röthlingshöfer, wie er schon kurz nach seinem Amtsantritt als Kulturdezernent sagte, die Aufarbeitung der Neustadter NS-Vergangenheit, für die im Haushalt, der heute im Stadtrat beschlossen werden soll, insgesamt 45.000 Euro für drei Jahre eingeplant sind. Dazu solle im Januar eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufnehmen, deren erste Aufgabe es sein werde, Ziele zu formulieren und Möglichkeiten abzuwägen. „Wir haben da schließlich bislang keine Erfahrung“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. Ein besonderes Augenmerk wird dabei natürlich auf die in Speyer aufbewahrten Neustadter Gestapo-Akten zu richten sein, die sich in ungewöhnlicher Vollständigkeit erhalten haben. Auch die Frage, wie die NS-Vergangenheit in der Dauerausstellung des Stadtmuseums behandelt werden sollte, könnte ein Thema für die Arbeitsgruppe sein. Außerdem schwebt Röthlingshöfer die Einbeziehung möglichst breiter gesellschaftlicher Kreise bei dem Thema vor. So seien Beiträge von Künstlern oder Schülern, so wie derzeit bei der Ausstellung zur NS-Psychiatrie in der Villa Böhm, wünschenswert. Das Motto „Kultur für alle“ lässt sich auch auf ein Chorprojekt anwenden, bei dem am 31. Oktober ein aus Mitgliedern der Neustadter Schulchöre gebildeter Auswahlchor zusammen mit dem bekannten A-Cappella-Pop-Quartett „Maybebop“ im Saalbau auftreten wird. Vorausgehen soll dem Auftritt ein Workshop mit den vier hochmusikalischen Jungs aus Hannover. In Vorbereitung ist nach Röthlingshöfers Worten außerdem ein ähnliches Projekt der Neustadter Schauspielgruppe mit Neustadter Schultheatergruppen. Es gehe dabei nicht zuletzt darum, „neue Kulturformen zu etablieren“, sagt der Kulturdezernent. Noch im Planungsstadium sind dagegen eine eventuell durch Lesungen ergänzte Ausstellung zum Pfälzer Justizwesen und eine Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Quanzhou. Anlass für die Ausstellung ist nach Röthlingshöfers Worten der 200. Geburtstag des heutigen Oberlandesgerichts Zweibrücken, das im Lauf seiner Geschichte, im 19. Jahrhundert, auch einmal für einige Zeit in Neustadt beheimatet war. Gut aufgestellt sieht der Kulturdezernent das Stadtarchiv, das Stadtmuseum und die Stadtbücherei, die sich mehr und mehr zu einem kulturellen Zentrum entwickele. Beim städtischen Abo-Programm freut sich Röthlingshöfer in der laufenden Saison noch besonders auf die Theaterfassung von Siegfried Lenz’ „Deutschstunde“ am 7. Mai. In der Saison 2015/16, die im Detail noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, nennt er als Highlights den Auftritt des Weltklasse-Geigers Gidon Kremer am 10. September mit der Staatsphilharmonie – er wird das Violinkonzert von Philip Glass spielen – und einen Abend mit der „Rheinischen Philharmonie“ und dem Pianisten Alexei Volodin. In der Schauspielreihe könne man auf Henrik Ibsens „Volksfeind“ in der Inszenierung von Rainer Erler gespannt sein. „Hier freue ich mich besonders auf Rufus Beck, der mich mit seinen Harry-Potter-Lesungen viele Jahre in der Hörbuchfassung begleitete“, sagt der Kulturdezernent, der außerdem noch Rossinis „Barbier von Sevilla“ und in der Leichten Muse das Musical „Der kleine Horrorladen“ als persönliche Favoriten nennt. Insgesamt bescheinigt Röthlingshöfer der Kultur in Neustadt eine „tolle Entwicklung“ und hebt hier ausdrücklich die Leistung seiner Vorgänger Lutz Frisch (CDU) und Marc Weigel (FWG) hervor. Um diese Vielfalt noch stärker in der Öffentlichkeit bewusst zu machen, hat er auch eine neue Präsentationsform für das Programm der neuen Saison initiiert: Wolfgang Bachtler und Fritz Burkhardt, die ehrenamtlichen Berater der Stadt für das Theater- und Konzertprogramm im Saalbau, sollen dieses im Mai in einer Matinee im Saalbau vorstellen. „Sie haben das vor dem Kulturausschuss so toll gemacht, dass ich sie spontan gefragt habe, ob sie das nicht auch einmal öffentlich machen wollten.“ Die Präsentation wird an die Umhängung in der „Saalbau-Galerie“, den jährlich wechselnden Werken regionaler Künstler, die in den Treppenhäusern und dem Foyer des Saalbaus zu sehen sind, gekoppelt, der dadurch ebenfalls eine größere öffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden soll. (hpö/Archivfoto: lm)

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