Neustadt Neue Chance für besseres Leitsystem

Der Schilderwald in Deidesheim soll aufgeräumt, alles übersichtlicher und behindertengerecht werden.
Der Schilderwald in Deidesheim soll aufgeräumt, alles übersichtlicher und behindertengerecht werden.

Es ist ein altes, leidiges Thema, seit Jahren unerledigt: eine neue Beschilderung in Deidesheim, um Gäste zu Sehenswürdigkeiten, Einrichtungen und Parkplätzen zu bringen. Aber jetzt gibt es eine neue Chance dafür, wenn das Ganze unter dem Aspekt Barrierefreiheit angepackt wird, sagt Tourist-Geschäftsführer Stefan Wemhoener.

Aus touristischer Sicht ist die derzeitige Beschilderung ein ärgerlicher, überholter „Wildwuchs“: Der Geschäftsführer, der sonst gerne diplomatische Worte wählt, wird in der Bewertung ungewohnt deutlich: „Müll“ sei das inzwischen. Das Problem ist lange bekannt. Vor Jahren hat der Stadtrat schon ein von einer Heidelberger Agentur vorgelegtes Konzept zur Kenntnis genommen und gebilligt, das eine einheitliche Beschilderung für die Stadt vorsieht. Aber dann haperte es an der Finanzierung. Die Stadt, deren Haushalt jedes Jahr tiefrote Zahlen schreibt, wird von der Kommunalaufsicht an die Kandare genommen und darf nur investieren, wo dies unbedingt notwendig ist. Und dann kamen teure Überraschungen wie die notwendige Sanierung der Mauer im Schlossgraben. So blieb es bei dem alten Schilderwald. Die neue Chance, so berichtete Wemhoener bei einer touristischen Informationsveranstaltung, ergibt sich aus einem europäischen Förderprogramm namens EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung). Für eine Beschilderung, die speziell auf die Belange behinderter Menschen eingeht, gibt es Fördermittel in Höhe von 85 Prozent. Wie Stadtbürgermeister Manfred Dörr (CDU) sagte, wird dieser Antrag gerade zusammen mit Theresa Ott vorbereitet. Sie ist als Projektmanagerin „Tourismus für alle“ für den Landkreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt angestellt, eine von zehn Modellregionen für barrierefreien Tourismus. Ihr Sitz ist im Bürgerhospital in Deidesheim (Die RHEINPFALZ hat am 30. Mai berichtet). Die bestehenden Pläne müssten dazu um den Aspekt der Barrierefreiheit ergänzt werden, sagt Dörr. Damit könnte man dann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: den Schilderwildwuchs beseitigen, durch ein einheitliches System ersetzen und gleichzeitig ein Leitsystem für Menschen, die etwa auf den Rollstuhl angewiesen oder sehbehindert sind, einführen. Das passt gut zum Bemühen der Tourismusregion Deidesheim, mit barrierefreien Angeboten zu punkten und darin eine Vorreiterfunktion einzunehmen. Am Bahnhof etwa könnte eine Informationsstelle stehen als erste Orientierung, die zu den Sehenswürdigkeiten, Freizeitangeboten und Einrichtungen führt. Sie müsste dann spezielle Angebote für Behinderte bereitstellen, beispielsweise rollstuhlgerechte Wege und Toiletten. Da die Stadt 15 Prozent der Kosten stemmen muss, wenn denn der Förderantrag durchgeht, müsste auch der Stadtrat damit befasst werden und seine Zustimmung geben. Hinweise auf Hotels, Gastronomie und Weingüter sowie andere Geschäfte wären dabei nicht förderfähig. Aber das wäre dann sowieso privat zu finanzieren. Ähnlich sieht es auch die Gemeinde Ruppertsberg vor, die sich bereits für einheitliche Schilder im Ort entschieden hat: Öffentliches wird aus dem Haushalt der Gemeinde finanziert, Hinweise zu Unternehmen privat. Wemhoener hat auch darauf hingewiesen, dass Beherbergungsbetriebe ebenfalls von einem Förderprogramm zur Barrierefreiheit profitieren können. Wenn beispielsweise Rampen oder behindertengerechte Toiletten gebaut werden, können bis zu 40 Prozent der Investitionskosten als Zuschuss fließen. Ansprechpartnerin dafür ist auch Theresa Ott.

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