Neustadt
Naturnahes Stadtgrün: Schilder informieren über „Wildwuchs“
Auf rund 30 Flächen im Stadtgebiet darf mähempfindliches Grün jetzt ungehemmt in die Höhe schießen und aussamen. Statt fünfmal im Jahr, wird nur noch ein- bis zweimal die elektrische Sense angelegt. Schilder an den Gebieten erklären die Zusammenhänge. Den Startschuss für das neue Konzept der Grünflächenabteilung und der Projektgruppe „Stadtgrün-Naturnah-Label“ gab am Freitag Umweltdezernentin Waltraud Blarr.
Auch in der Villa Böhm ist ein Areal vorgesehen, weitere Flächen gibt es in Winzingen, beispielsweise in der Robert-Stolz-Straße. Ganz sich selbst überlassen werden sie aber nicht: Falls es irgendwo hapert, soll mit einer regionalen Wildblütenmischung nachgeholfen werden. Bürger, die sich engagieren wollen, sind Blarr zufolge willkommen – wie als Flächen-Paten, die bei einer neuen Aussaat gießen oder die Insektenwelt dokumentieren. Einige Interessenten gebe es bereits, sie wollten sich auch ums Müllentsorgen kümmern. An Hundehalter appelliert sie, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere mitzunehmen.
Ebenfalls neu ist ein Konzept in den Parkanlagen, wie beim Grünzug Wallgasse. Dort sollen Wildblumen auf Blühinseln stehen bleiben, auch wenn sich Menschen auf dem Rasen rundum aufhalten dürfen. Blarr: „Es soll ein Zusammenspiel geben zwischen mähen und stehen lassen.“
DLR schult Grünflächen-Team
Eva Lawrenz ist zuständig für die Pflegekolonnen der Grünflächenabteilung. Dass diese nun Arbeit sparen, sei ein Irrtum, sagte sie. So würden die Ränder trotzdem gemäht, Brombeeren und unerwünschten Wildgehölzen werde in Handarbeit zu Leibe gerückt. Außerdem helfen die Experten vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Mußbach dabei, den Blick zu schärfen für den Unterschied zwischen wertvollen Wildkräutern und „lästigen Störenfrieden“. Lawrenz: „Wir haben immer ein Problem mit dem Japanischen Staudenknöterich. Es gibt verschiedene Verfahren, ihn zu entfernen. Dazu zählt auch das mehrfache Mähen. Siedelt er sich jetzt auf diesen Wildflächen an, muss sofort gehandelt werden.“
Mittlerweile seien die Bürger gut darüber informiert, wie wichtig Insekten- und Umweltschutz sei, so Lawrenz’ Erfahrung. Doch achteten ihre Mitarbeiter darauf, zu den Grundstücken der Bürger am Rand zu mähen, damit sich keine unerwünschten Kräuter in den Privatgärten ansiedeln.
Grünzug Böbig noch außen vor
Am Grünzug Böbig indes darf noch nichts „verwildern“. Dort gilt bis zum 2023 die Gewährleistungspflege der beauftragten Gartenbaufirma. Erst danach kann die Stadt selbst bestimmen, wie oft gemäht wird. Lawrenz: „Aber die Grünflächenabteilung hat darum gebeten erst zu mähen, wenn die Pflanzen ausgesät haben.“