Neustadt „Natürlich können wir gut austeilen“

Deidesheim. Freundinnen und Freunde hinterfotziger bayerischer Volksmusik und frechen Kabaretts werden sich die Hände reiben, wenn am kommenden Dienstag die „Wellküren“ in der Deidesheimer Stadthalle gastieren. Denn bei den drei Damen aus der legendären Volksmusikantenfamilie Well aus Günzlhofen, die nicht nur geistige Schwestern der noch einen Deut bekannteren „Biermösl Blosn“ sind, lauern auch im neuen Programm „Herz sticht“ unter der scheinbar braven Oberfläche der Stubenmusik wieder Gedanken und Worte, die nicht allen genehm sind. Wir haben bei Monika Well-Hösl, einer der „Wellküren“, mal nachgefragt.
Unser ganzes Programm „Herz sticht“ ist paradiesisch. Wir befassen uns dabei auch viel mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Die müssen allerdings nicht unbedingt immer paradiesisch sein. Ebenso wenig wie die politischen Zustände in Bayern. Bringen Sie nicht auch ein paradiesisches Instrument mit, die Nonnentrompete oder Nonnengeige? Mei, die ist eher für die Vertreibung aus dem Paradies geeignet. Sie ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Deshalb werden wir sie wohl auch nur bei einem oder zwei Liedern einsetzen. Worauf dürfen die Besucher von „Herz sticht“ denn gefasst sein? Unser Markenzeichen ist die wohlbekannte bayerische Stubenmusik. Allerdings waren früher den Frauen Instrumente wie Zither, Harfe und Hackbrett vorbehalten, die Blasinstrumente waren Männersache. Wir bringen jetzt auch die Blasinstrumente, zum Beispiel das Saxophon, mit. „Herz sticht“ – das Thema klingt auch nach Sticheleien und Boshaftigkeit… Natürlich können wir gut austeilen. Anlass dazu gibt es ja in unserer Welt und Gesellschaft genug. Wir gehen dabei aber nicht unter die Gürtellinie. Was wir machen, muss für jeden verträglich sein. Sie sind drei Schwestern. Gilt „Herz sticht“ auch für Geschwisterliebe? Wie es da zugehen kann, zeigen wir authentisch auf der Bühne. Da übernimmt jede von uns Schwestern eine andere Rolle. Die Burgi gibt die immer etwas Verplante, die Bärbi ist als Sozialpädagogin auch für Bereiche wie die gesunde Ernährung zuständig, und ich spreche immer. Man macht sich, wie das unter Schwestern so üblich ist, übereinander lustig, ist aber nie wirklich gemein. Der Name „Wellküren“ erinnert auch an die Walküren, die Schlachtjungfrauen der nordischen Sage. Mit welchen Mitteln ziehen Sie denn in die Schlacht? Mit Stubenmusik und viel Charme. Wir wissen, wie’s auf der Welt läuft. Und wo wir die Menschen mit dem Hirn nicht erreichen können, schaffen wir das mit viel Herz. Auf jeden Fall sollen sich die Leute bei unserem bayerischen Musikkabarett zwei Stunden lang amüsieren. Wir wollen aber auch, dass sie zum Nachdenken angeregt werden. Deshalb schauen wir bei dem, was wir sagen und singen, immer auf das, was ist. Wir schauen auf das, was uns hier und jetzt betrifft, und versuchen, das Beste daraus zu machen. Das ändert sich ja auch je nach dem Lebensalter und der Lebensphase. Singen Sie denn als Frauen auch eher für Frauen als Zielgruppe? Klar. Wir sind ja drei Frauen. Da ergibt sich das einfach so. Männer brauchen aber trotzdem überhaupt keine Angst vor uns zu haben. Ist Musik für Sie tatsächlich ein Mittel, die Welt zu verändern? Nein, das werden wir mit unserer Musik bestimmt nicht schaffen. Allein, dass eine Frauenquote gebraucht wird, ist doch ein Wahnsinn. Wir sind weiß Gott auch keine Emanzen. Wir sind einfach emanzipiert. Wer in einer so großen Familie wie unserer mit so vielen Geschwistern aufgewachsen ist, hat zwangsläufig gelernt, sich durchzusetzen. Und ein ausgeprägtes Sozialverhalten mitbekommen. Wir freuen uns schon darüber, dass die Leute, die zu uns kommen, sich einen Abend lang nicht vor dem Fernseher zumüllen lassen. Interview: Hildegard Janssen-Müller