Neustadt Nachwuchsarbeit beginnt in der Schule
Deidesheim. Blasorchester, Musikkapellen und Musikvereine – sie spielen in der Kulturszene der Region eine große Rolle. Als Ausbildungsorchester für viele junge Menschen, die musizieren möchten. Und als Plattform für Instrumentalisten, die ihrem Hobby mit Enthusiasmus nachgehen. Die Klangfülle ist enorm. Und es sind nicht nur Volksfeste und Winzerumzüge, bei denen man sie hören kann, sondern auch anspruchsvolle Konzerte. In dieser Serie stellen wir einige der Ensembles vor – diesmal die Kolpingkapelle Deidesheim.
Die Kolpingkapelle Deidesheim trägt ihren Namen mit Stolz und Überzeugung. „Wir sind eng mit unserer Kirche verknüpft. Alle wichtigen Festtage im Kirchenjahr werden von uns musikalisch begleitet“, betont der Vorsitzende, Hans-Peter Gans. Schließlich geht die Gründung 1951 auf den damaligen Präsens der Deidesheimer Kolpingsfamilie, Pfarrer Sefrin zurück. 1953 erfolgte der erste Auftritt beim Fronleichnamsfest. Und bald darauf ging es auch „weltlich“ zur Sache, mit einem Marsch beim Winzerfestzug in Neustadt. Mit wachsendem Repertoire und Können wurden die Deidesheimer überregional bekannt. Es folgten Auftritte beim ZDF und beim Südwestfunk. 1985 nehmen sie im Studio die Schallplatte „Fröhliches Deidesheim“ auf. „Die Planungen für die Termine des nächsten Jahres beginnen schon drei Monate vorher. Jeder Musiker weiß dann, wie er seine privaten Termine legen muss, damit es keine Kollisionen gibt“, erzählt Gans. Schließlich wolle man auch für seine Mitglieder bei Hochzeiten oder runden Geburtstagen aufspielen. Neben der tiefen Verbundenheit zur Gemeinde „Heiliger Michael“ ist für die Kolpingkapelle ihre kommunale Ortsgemeinde mit dem vielfältigen kulturellen Geschehen wichtig. Geißbock-Versteigerung, Weinkerwe und Weihnachtsmarkt sind neben kirchlichen Auftritten nur drei der insgesamt rund 40 Termine im Jahr. „Auch unsere drei eigenen Konzerte haben einen hohen Stellenwert. So beginnen wir jetzt mit den Proben für das Frühjahrskonzert am 5. Mai“, erklärt Gans. Doch vorher folgt ein Leckerbissen, den Musiker genießen. Es geht Ende Januar zur jährlichen Skifreizeit nach Rinnen (Österreich). Die rustikale Augsburger Hütte, mit wenig Komfort, urig und mit Holz beheizt, fördert auf besondere Weise das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gans, der selbst seit dem neunten Lebensjahr Trompete spielt, weiß: „In der Musik kann man sich auf diesem Niveau nicht durchmogeln. Im Konzert muss alles auf den Punkt klappen. Das ist eine hohe Anspannung, erfordert eine hohe Konzentration.“ Zumal Dirigent Martin Scheuber, der seit einem Jahr den Taktstock in Deidesheim schwingt, die Weiterentwicklung der Kapelle fest im Blick hat. So formt er auch schon mal einen Musiker vom Euphonium auf die Tuba um, wenn es dem Klang des Orchesters förderlich ist. Der 21-jährige Raffael Henrich hat diesen Schritt vollzogen und begeistert das neue Instrument gelernt. Vielleicht auch deshalb, weil sein Vater Norbert Henrich, der etatmäßige Schlagzeuger, auch mal zur Posaune greift, wenn es notwendig ist. Orchesterleiter Scheuber wünscht sich noch Zuwachs. Am liebsten wären ihm Holzblasinstrumente wie Oboe und Fagott. Aber auch Waldhörner sind noch Mangelware. Dabei hat sich die Kolpingkapelle mit einem wahrlich klugen taktischen Schachzug den Nachwuchs im Ort gesichert. Seit zwei Jahren gibt es an der Deidesheimer Grundschule „Bläserklassen“. Die Grundschüler, die sich dafür entscheiden, werden von drei Lehrern während des Unterrichts auf einem Blasinstrument geschult. Momentan sind 25 Kinder in der Ausbildung. Der Förderverein organisiert den Unterricht. Dank gezieltem Sponsoring kaufte man für 20.000 Euro passende Schülerinstrumente. „Der damalige Rektor Bernhard Oberhettinger hat das Projekt stark unterstützt“, lobt Gans. So blieben durchschnittlich die Hälfte der Grundschüler auch später dabei, spielten im Vororchester und wechselten mit ungefähr vierzehn Jahren ins Hauptorchester. Dort spielen aktuell rund 40 Musiker. |kle