Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Nach jahrelanger Hängepartie: Weg frei für Hotel im Plopsaland

Wer wissen will, wohin die Reise für den Standort Haßloch geht, kann einen Blick nach De Panne in Belgien werfen. Im dortigen Mu
Wer wissen will, wohin die Reise für den Standort Haßloch geht, kann einen Blick nach De Panne in Belgien werfen. Im dortigen Mutterpark betreibt Plopsa bereits ein Themenhotel im Stil eines Theaters.

Die Entwässerungsfrage ist entschieden, die Hängepartie beendet: Im Plopsaland ist eine zentrale Voraussetzung für das geplante Themenhotel geschaffen.

Vom Tagesausflug zur Mehrtagesdestination, vom saisonalen Betrieb zur ganzjährigen Öffnung – so beschreibt der belgische Freizeitparkbetreiber Plopsa die Zukunft seines Standorts in Haßloch. Mehr als 800.000 Menschen besuchten das Plopsaland Deutschland im vergangenen Jahr, eine Million sind das erklärte Ziel. Vor allem aber sollen die Gäste künftig nicht mehr nur kommen und gehen, sondern bleiben. Um hierfür die Voraussetzungen zu schaffen, setzt der Park nicht nur auf Kooperationen mit regionalen Hotels, sondern plant auch eigene Unterkünfte, allen voran ein Themenhotel.

Dass diese Pläne nun greifbarer werden, hängt ausgerechnet mit einer Anlage zusammen, die Besucher in der Regel nicht zu Gesicht bekommen. Plopsa wird eine eigene, moderne Kläranlage bauen. Sie ist nach Vorgabe der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd Voraussetzung dafür, dass das Hotel auf dem Gelände realisiert werden kann. Der Gemeinderat hatte bereits 2021 mit der Änderung des Bebauungsplans die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen. Dennoch blieb die Umsetzung lange blockiert – nicht aus politischen oder finanziellen Gründen, sondern wegen der ungeklärten Frage, wohin das Abwasser eines wachsenden Freizeitparks künftig fließen soll.

Oberstes Ziel: Planungssicherheit

Bernd Beitz, Direktor Deutschland der Plopsa-Gruppe, zeigt sich spürbar erleichtert, dass mit dem Bau einer eigenen Kläranlage nun eine tragfähige Lösung gefunden wurde. „Der ausschlaggebende Faktor für den nun eingeschlagenen Weg war, die rechtliche Unsicherheit endlich zu beenden“, sagt Beitz. Über Jahre hinweg sei unklar gewesen, wie sich die Ausbaupläne mit den wasserrechtlichen Anforderungen vereinbaren ließen. „Lange Zeit hingen wir in der Luft.“ Nun gebe es erstmals eine belastbare Perspektive. Bereits in der kommenden Woche sei ein erster Abstimmungstermin mit der SGD Süd geplant. Dabei solle geklärt werden, welche technischen Anforderungen die neue Anlage erfüllen müsse, und wie der Genehmigungsprozess konkret aussieht.

Abwassermenge verdreifacht sich

Bislang betreibt Plopsa auf dem Gelände eine eigene Teichkläranlage, ausgelegt auf den bisherigen Betrieb. Nach Angaben der Gemeindewerke fallen derzeit rund 20.000 Kubikmeter Abwasser pro Jahr an. Mit dem geplanten Ausbau würde sich diese Menge jedoch deutlich erhöhen. Der Betreiber rechnet künftig mit bis zu 75.000 Kubikmetern jährlich – eine Größenordnung, für die die bestehende Anlage weder ausgelegt noch genehmigungsfähig wäre. Einen Weiterbetrieb der bestehenden Teichkläranlage im Falle einer Erweiterung hat die SGD Süd untersagt.

Die Entwässerungsfrage betrifft dabei nicht nur den Freizeitpark. Der gesamte Bereich südlich von Haßloch ist bis heute nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Neben dem Park sind dort rund 15 private Anwesen betroffen. Während Plopsa sein Abwasser bislang selbst reinigt und in ein Gewässer einleitet, sammeln die übrigen Grundstücke es in geschlossenen Gruben, die regelmäßig geleert und per Tankwagen zur Kläranlage transportiert werden. Ein Provisorium, das mit den geplanten Erweiterungen an seine Grenzen stoßen würde.

Drei verschiedene Optionen

Über Jahre hinweg wurden verschiedene Varianten geprüft. Eine Möglichkeit sah vor, eine neue Druckleitung zu bauen und den Freizeitpark sowie die umliegenden Grundstücke an die zentrale Kläranlage anzuschließen – ein Projekt mit geschätzten Kosten von fast sieben Millionen Euro. Neben der Gemeinde und möglichen Fördermitteln hätten sich auch die angeschlossenen Eigentümer beteiligen müssen. Allein auf den Freizeitpark wären nach ersten Berechnungen mehr als drei Millionen Euro entfallen.

Eine zweite Option hätte vorgesehen, dass Plopsa die Leitungsinfrastruktur zunächst selbst errichtet und finanziert, bevor sie in den Besitz der Gemeindewerke übergeht. Diese Variante wäre mit entsprechenden Abstimmungsprozessen und dauerhaften Bindungen einhergegangen.

Am Ende entschied sich das Unternehmen für die dritte Option, den Bau einer eigenen Kläranlage. Man habe diese Lösung von Beginn an favorisiert, während die SGD zunächst eine leitungsgebundene Entsorgung mit Anschluss an die Gemeindewerke bevorzugt habe, erklärt Beitz. Diesen Ansatz sei man zunächst mitgegangen, um Planungssicherheit für die Erweiterung zu gewinnen. Nach technischen Prüfungen und Kostenberechnungen habe sich jedoch gezeigt, dass bei der Leitungsvariante zahlreiche Beteiligte finanziell hätten einbezogen werden müssen. „Es hätten viele Leute beteiligt werden müssen, die eigentlich nichts damit zu tun haben“, so Beitz.

Zudem hätte der Bau einer Druckleitung durch Landschaftsschutzgebiete und Wald geführt und einen langwierigen Genehmigungsprozess erfordert. Mit einer eigenen Anlage lasse sich das Verfahren deutlich verschlanken. „Ich gehe davon aus, dass es zeitlich der schnellste Weg ist“, sagt Beitz. Für Anlieger und Gemeinde sei es zudem „der unkomplizierteste und günstigste Weg“. Niemand müsse sich beteiligen oder zusätzliche Beiträge leisten. Zwar seien auch hier Genehmigungen erforderlich, doch seien deutlich weniger Beteiligte eingebunden als bei einem groß angelegten Leitungsprojekt. Auch das Risiko von Widersprüchen durch Anwohner sei damit geringer.

Hoffnung auf schnelle Umsetzung

Während die leitungsgebundene Lösung mehrere Jahre beansprucht hätte, rechne man nun mit einer Umsetzung innerhalb von etwa ein bis anderthalb Jahren. „Jetzt kommt es darauf an, welche Anforderungen die SGD Süd stellt, und welche Kapazitäten wir einplanen müssen.“

Die Kosten ließen sich derzeit noch nicht exakt beziffern, würden jedoch ebenfalls im Millionenbereich liegen, sagt Beitz. Ziel sei es, die Infrastruktur parallel zur baulichen Erweiterung zu schaffen. „Im Idealfall entsteht das Hotel zeitlich so, dass es eröffnet werden kann, wenn auch die Kläranlage in Betrieb geht.“

Die Entscheidung ist auch deshalb von Bedeutung, weil Plopsa plant, das angrenzende Gelände der Aumühle zu erwerben und dort weitere Übernachtungsmöglichkeiten – etwa Ferienhäuser oder -wohnungen – zu entwickeln. Auch hierfür ist eine gesicherte Abwasserlösung Voraussetzung.

Unterstützung durch Koalitionsfraktionen

Die Koalition im Haßlocher Rathaus begrüßte den Schritt ausdrücklich. Die Fraktionen von SPD, FWG und CDU bezeichneten den Bau einer eigenen Kläranlage als „nachhaltige, genehmigungsfähige und wirtschaftlich sinnvolle Lösung“. Sie schaffe Planungssicherheit für den Freizeitpark und die Gemeinde und mache einen Beschluss zur geplanten Abwasserdruckleitung im Süden der Gemeinde überflüssig. Zugleich unterstrichen die Fraktionen die Bedeutung des Parks für Haßloch und die Region – als Arbeitgeber, Wirtschaftsfaktor und touristischer Anziehungspunkt.

Denn die Investition in die eigene Infrastruktur ist Teil eines größeren Vorhabens. Plopsa will in den kommenden Jahren rund 100 Millionen Euro in den Standort investieren und den Park neu ausrichten. Dazu gehört auch der Bau des Freizeitbads Plopsaqua auf dem Gelände des ehemaligen Badeparks. Die Baugenehmigung liege vor, sagt Beitz. Derzeit warte man noch auf die Genehmigung zur Absenkung des Grundwassers, für die zusätzliche Berechnungen erforderlich gewesen seien. Sobald diese vorliege, könne mit den Arbeiten begonnen werden.

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