Haßloch
Holiday Park wird Plopsaland: Wie die Pfalz vom neuen Namen profitieren soll
Zwei Tage vor der großen Umbenennung herrscht auf dem Gelände des Holiday Parks Hochbetrieb: Industriekletterer hängen an Seilen am Freefalltower und bringen das neue Plopsaland-Logo weithin sichtbar an. Unten verschwinden die Abfälle der Besucher bereits in grünen Plopsa-Mülleimern. Das zentrale Eingangsschild lässt noch auf sich warten, die Stangen für die Montage hängen bereits. Bernd Beitz, Direktor Deutschland der Plopsa-Gruppe, bleibt dennoch entspannt: „Es wurde schon sehr viel geschafft. In den nächsten Stunden und Nächten wird noch mehr passieren.“
Viel wichtiger sei ohnehin, was sich im Park selbst getan habe: Allein in diesem Jahr werden bis Samstag drei neue Fahrgeschäfte eingeweiht – zwei weitere sollen noch folgen. Die Richtung ist klar: Der Park soll noch stärker zum Erlebnis für die ganze Familie werden.
Neue Magie in alten Mauern
Mit Blinky Bill, einer Figur aus dem Studio-100-Universum, wurde der Bereich rund um die Achterbahn G-Force neu belebt – ein Ort, der junge Erwachsene genauso ansprechen soll wie Familien mit Kindern. Mit der Umbenennung am Samstag zieht das Schlümpfe-Abenteuer in die Burg Falkenstein ein – eine neue, immersive Themenfahrt, die mit modernster Technik die blauen Figuren zum Leben erweckt.
„Die Schlümpfe stehen symbolisch für den Übergang zwischen Holiday Park und Plopsaland“, sagt Beitz. Die Burg Falkenstein, für viele untrennbar mit dem Holiday Park verbunden, bleibt als Gebäude bestehen. Doch anstelle von Gruselfaktor erwartet die Besucher nun eine fantasievolle Fahrt durch eine detailreiche Schlumpf-Welt. „Wir verbinden die DNA des Holiday Parks mit der Magie von Plopsa“, erklärt Beitz. Passend dazu wird es auch eine neue Schlumpf-Show geben. Im Herbst folgt zudem eine Familienachterbahn, die den Animationsfilm 100% Wolf aufgreift.
Mehr als ein neuer Name
Mit den neuen Figuren, die nach und nach einziehen werden, entstehe das größte Charakter-Line-Up an Kinderhelden in einem deutschen Freizeitpark, sagt Beitz. Ab Samstag werden diese täglich in einer neuen Festival-Parade durch den Park ziehen und so für Besucher noch greifbarer. Der neue Name ist dabei nur der sichtbare Teil eines ehrgeizigen Zukunftsplans. „Plopsa“ stehe für die Zugehörigkeit zur belgischen Gruppe, „Land“ bringe die Magie und das Eintauchen in eine neue Welt zum Ausdruck. Der Zusatz „Deutschland“ betont laut Beitz die regionale Verwurzelung – in der Pfalz, in Deutschland, in Europa.
Während einige treue Besucher mit dem Namen Holiday Park Kindheitserinnerungen schwinden sehen, verwirklicht sich mit dem Namen Plopsaland Deutschland für die Parkbetreiber die Vision einer internationalen Marke mit klarer Identität. Und dennoch: „Der Park ist Teil der Pfälzer Kulturgeschichte“, betont Beitz. Und dieser wolle man auch künftig gerecht werden. Das Pfälzer Dorf werde nicht nur erhalten, sondern weiterentwickelt. „Wir investieren, um es im Pfälzer Stil noch attraktiver zu machen, und wollen Pfälzer Events veranstalten“, kündigt der Plopsa-Direktor an. Los geht es bereits am Samstag mit einem Weinfest – modern inszeniert, aber ganz im regionalen Thema.
100 Millionen für die Zukunft
Seit der Übernahme durch die Plopsa-Gruppe im Jahr 2010 hat der belgische Freizeitparkbetreiber rund 50 Millionen Euro in den Holiday Park investiert und ihn Schritt für Schritt vom traditionsreichen Familienbetrieb zum modernen Erlebnispark umgebaut. Dass der Mutterkonzern bereit ist, nun weitere 100 Millionen Euro in Haßloch zu investieren, hat laut dem belgischen Plopsa-CEO Carl Lenaerts verschiedene Gründe: Da sei zum einen das Vertrauen in das deutsche Team, das signalisiert habe, dass es bereits sei, die Strategie umzusetzen. Außerdem sei der Standort in einer „touristisch reichen Region“ sehr attraktiv für das Unternehmen. „Der Name Plopsaland Deutschland ist nur ein kleiner Teil unseres Masterplans“, sagt Lenaerts. Dieser ruhe auf vier Säulen: Indoor-Erlebnisse, Outdoor-Attraktionen, Übernachtungsmöglichkeiten und ein moderner Wasserpark.
Im Indoor-Bereich hat sich in Haßloch seit 2019 viel getan. Mit dem Majaland entstand ein kompakter Winterpark, der sich als eigenständiges Produkt etabliert habe. „Schon im ersten Jahr waren wir an der Kapazitätsgrenze“, erinnert sich Beitz. Inzwischen wurden zusätzliche Öffnungstage im Winter eingeführt. Auch bei den Tagesöffnungszeiten verfolgt man neue Strategien: „Wir arbeiten daran, die Schließtage perspektivisch komplett zu eliminieren“, erklärt Beitz. Gleichzeitig sollen die Tagesöffnungszeiten ausgeweitet werden, beispielsweise durch Formate wie „Summer Nights“ oder spezielle Halloween-Events.
Vom Saisonpark zum Ganzjahresziel
Eine ganzjährige Öffnung sei besonders mit Blick auf die Besucherzahlen auch wirtschaftlich sinnvoll: „Allein durch die Ausweitung der Öffnungszeiten und den Wegfall von Schließwochen sollten wir künftig die Marke von einer Million Besuchern überschreiten. Mit ganzjährigem Betrieb und dem Wasserpark werden wir deutlich darüber hinauskommen.“ Das aktuelle Jahr laufe sehr gut, so Beitz – die Million sei für die nähere Zukunft in greifbarer Nähe.
Auch in Sachen Wassererlebnis denkt man groß: Die Abrissarbeiten des alten Badeparks sind in vollem Gange, Ende September soll der Grundstein für Plopsaqua gelegt werden. Läuft alles nach Plan, soll der Wasserpark Ende 2027 fertig sein. Parallel dazu soll die vierte Säule des Masterplans, die Übernachtungsmöglichkeiten, aufgebaut werden: Bis 2030 könnten rund 1000 Betten entstehen, von Campingplätzen über thematisch gestaltete Chalets und Hotels bis hin zu exklusiven Villen, sagt Plopsa-CEO Lenaerts. „Diese Lasagne an Unterbringungsarten – viele Schichten für unterschiedliche Zielgruppen – macht den Park zum mehrtägigen Reiseziel“, erklärt er weiter. Das mache sich auch bei der Wertschöpfung der Besucher in der Region bemerkbar.
Impulse für die Region
Dass ein Plopsaland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein kann, zeigten auch die Erfahrungen aus dem belgischen Küstenort De Panne, wo die Gruppe einen weiteren Freizeitpark betreibt und bereits Zahlen ausgewertet hat. „Wir schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern stärken auch die regionale Wirtschaft. Besucher, die in den Park kommen, unternehmen auch andere Dinge in der Region “, erklärt der Belgier.
Und was ist mit den kleinen Hotels und Pensionen im Umland? Die müssten sich keine Sorgen machen, versichert Beitz. Im Gegenteil: Viele der Besucher suchten auch außerhalb des Parks nach Übernachtungsmöglichkeiten. Außerdem würde der Ausbau einer eigenen Infrastruktur nicht die Kooperation mit regionalen Anbietern ablösen. „Das ist eine Win-win-Situation“, sagt Beitz. Ziel sei es, die Pfalz insgesamt als Urlaubsregion zu stärken.