Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Iran-Krieg: Nimmt der Fluglärm über der Pfalz zu?

Fluglärm kann für Anwohner zur Belastung werden.
Fluglärm kann für Anwohner zur Belastung werden.

Ein Haßlocher Anwohner wundert sich über zunehmenden Fluglärm über dem Großdorf. Die Bundeswehr erklärt, warum die Region stärker betroffen sein könnte.

Bruno Scheurer wohnt am Parkfriedhof in Haßloch. Seit einiger Zeit nehmen er und seine Frau über ihren Köpfen Lärm wahr, von dem sie vermuten, dass er von Militärflugzeugen kommt. Das sei nun schon seit vielen Monaten so. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ betont Scheurer, wie wichtig es ihm sei, dass er nicht nur für sich selbst, sondern für viele Haßlocher spreche, denen es ähnlich gehe und die sich ebenfalls am zunehmenden Fluglärm störten. „Ab 16 Uhr bis nach Mitternacht ist es am schlimmsten“, sagt er.

Dass der Flugverkehr über Haßloch tatsächlich zunimmt, bestätigte ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr auf Anfrage zwar nicht, er sagt aber: „Grundsätzlich ist militärischer Flugbetrieb überall in Deutschland zulässig und ist nicht an bestimmte Streckenführungen gebunden, um diese Flugbewegungen möglichst gleichmäßig über den gesamten Luftraum der Bundesrepublik zu verteilen.“ Die dabei einzuhaltende Mindesthöhe für Transportflugzeuge betrage 500 Fuß , was etwa 150 Metern entspricht. Nur beim Überflug von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern sei für Transportflugzeuge eine Mindesthöhe von 2000 Fuß, also knapp 600 Metern über Grund einzuhalten. Das trifft auf Haßloch nicht zu, entsprechend tief dürfen Militärflugzeuge dort fliegen. Weiter heißt es: „Selbstverständlich wird dabei versucht, bewohnte Gebiete nicht zu überfliegen. Aber die dicht besiedelte Bundesrepublik setzt diesem Vorhaben neben den gesetzlichen und flugbetrieblichen Regelungen enge Grenzen.“

Iran-Krieg nicht alleiniger Auslöser

Dass der Iran-Krieg allein für die verstärkten Flugaktivitäten über Haßloch verantwortlich ist, greift zu kurz. Tatsächlich führt nach Angaben eines Bundeswehr-Sprechers die „veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa“ insgesamt zu einer stärkeren Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Diese Entwicklung habe also nicht erst mit dem Beginn des Iran-Krieges eingesetzt. Auch Bruno Scheurer berichtet, dass er den Fluglärm bereits seit einigen Monaten wahrnimmt. Hinzu kommt, dass Ramstein nicht weit von Haßloch entfernt liegt und die Region deshalb grundsätzlich stärker von militärischem Flugbetrieb betroffen sein kann.

Den Verantwortlichen seien die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger durch den militärischen Flugbetrieb bewusst, so der Bundeswehr-Sprecher weiter. Übungsvorhaben würden daher nach Möglichkeit so geplant, dass sie in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen niedrigeren und höheren Flugbändern stattfinden, um die Lärmbelastung für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Allerdings stießen diese Bemühungen dort an Grenzen, wo negative Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte zu erwarten wären. Angesichts der hohen Besiedlungsdichte in Deutschland lasse sich die vollständige Meidung bewohnter Gebiete nicht realisieren.

x