Haßloch
Nach Führungswechsel: Wie geht es mit den Gemeindewerken weiter?
Frau Hauck, Herr Spiegel, für einige kam der Wechsel in der Geschäftsführung der Gemeindewerke überraschend. Deshalb würde ich gerne mit der Frage einer besorgten Leserin einsteigen: Habe ich es bei den Gemeindewerken auch künftig noch mit einem verlässlichen Partner zu tun?
Hauck: Ja, auf jeden Fall. Wir waren bereits als Prokuristen direkt unter der Geschäftsführung tätig und sind seit Jahren Teil des Teams. Wir kennen das Unternehmen, die Themen und die Branche. Dazu kommt, dass wir uns gut ergänzen: Andreas Spiegel bringt die technische Perspektive ein, ich die kaufmännische. Gerade in der derzeit sehr turbulenten Lage der Energiewirtschaft war es naheliegend, auf ein eingespieltes Team zu setzen. Für uns ist klar: Die Gemeindewerke stehen weiterhin für Sicherheit und Kontinuität.
Sie teilen sich nun die Geschäftsführung. Was ist der Hintergrund dieser Entscheidung, und wo liegen die Vorteile einer Doppelspitze?
Spiegel: Wir sind gleichberechtigte Geschäftsführer und treffen die Entscheidungen gemeinsam. Warum man sich genau für dieses Modell entschieden hat, können nur die Gesellschafter beantworten. Aber vermutlich hat man gesehen, dass unsere Zusammenarbeit funktioniert. Wir sind sehr stolz, dass man uns dieses Vertrauen entgegengebracht hat.
Hauck: Gleichzeitig sind wir beide weiter stark im Tagesgeschäft verankert. Das ist durchaus eine Doppelbelastung. Der Vorteil ist aber, dass wir uns gut aufteilen können und uns fachlich ergänzen. Hinzu kommt, dass wir das Unternehmen seit vielen Jahren kennen. In der aktuellen Situation war es deshalb naheliegend, die Verantwortung aus dem bestehenden Team heraus zu übernehmen – auch, weil Fachkräfte schwer zu finden sind und Nachbesetzungen Zeit brauchen.
Als Grund für die Trennung von Ihrem Vorgänger wurden unterschiedliche Ansichten über den künftigen Kurs genannt. Welchen Kurs wollen Sie einschlagen und wo sind die Schwerpunkte?
Spiegel: Die Energie- und Wärmewende wird eines der zentralen Themen der kommenden Jahre sein. Gemeinsam mit der Gemeinde wollen wir die kommunale Wärmeplanung nun in die Praxis umsetzen. Dabei ist schon jetzt absehbar, dass es für rund 80 Prozent der Gebäude in Haßloch keine große Netzlösung geben wird, sondern individuelle Lösungen gebraucht werden. Die Zukunft liegt also nicht allein im großen Wärmenetz, sondern in einem Mix aus Einzellösungen, Quartiersansätzen und dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, auch Netzlösungen. Eng damit verbunden ist der Ausbau der Strominfrastruktur. Wenn künftig mehr über Wärmepumpen, Elektromobilität und Photovoltaik läuft, brauchen wir starke und verlässliche Netze. Deshalb investieren wir bereits, etwa in die neue Stromübergabestation in der Meckenheimer Straße. Haßloch ist heute schon gut aufgestellt, aber wir müssen das Netz weiter stärken. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Künftig brauchen wir mehr Messdaten und mehr Steuerungsmöglichkeiten, um den Netzausbau gezielt und wirtschaftlich planen zu können. Das ist eine langfristige Aufgabe, die uns über Jahre beschäftigen wird. Auch die Wasserversorgung bleibt ein wichtiges Zukunftsthema. Mit dem geplanten Neubau des Wasserwerks steht eine große Investition an, die aus unserer Sicht notwendig ist, um die Versorgung dauerhaft sicherzustellen. Und schließlich geht es auch um das Unternehmen selbst: All das gelingt nur mit einem starken und motivierten Team. Wir wollen als Arbeitgeber attraktiv bleiben, das Wir-Gefühl stärken und die Gemeindewerke als verlässlichen Partner vor Ort weiter festigen.
Hauck: Dazu kommt der kulturelle Wandel im Unternehmen. Wir erleben einen Generationenwechsel, und damit verändern sich auch Erwartungen und Arbeitsweisen. Diese Unterschiede zusammenzubringen, ist nicht immer einfach. Aber genau darin liegt eine wichtige Führungsaufgabe: den Übergang so zu gestalten, dass Erfahrung erhalten bleibt, Neues integriert wird und das Team zusammenwächst.
Sie haben die kommunale Wärmeplanung bereits angesprochen. Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck, dass vor allem individuelle Lösungen gefragt sind. Welche Potenziale gibt es in Haßloch darüber hinaus für kollektive Wärmeversorgung?
Spiegel: Klar ist: Wir müssen jetzt loslaufen und wir sind noch nicht losgelaufen, das ist Fakt. Gleichzeitig haben sich auf Bundesebene zuletzt wieder Rahmenbedingungen verändert. Deshalb müssen wir genau schauen, was am Ende tatsächlich gilt, bevor wir die nächsten Schritte gehen. Die fünf priorisierten Gebiete müssen nun nacheinander geprüft werden. Die veränderte Gesetzeslage hat den Prozess zuletzt allerdings etwas gebremst. Hinter jedem Prüfgebiet steht eine Investitionssumme. Solche zentralen Lösungen müssen wirtschaftlich sein: Die Bürger brauchen einen vertretbaren Wärmepreis, und auch der Betrieb muss auskömmlich sein. Daneben schauen wir uns auch andere Modelle an, etwa die kalte Nahwärme. Gerade in Neubaugebieten kann sie in Kombination mit Wärmepumpen und Photovoltaik eine interessante Option sein. Auch solche Potenziale wollen wir für Haßloch genauer prüfen. Grundsätzlich wird sich außerdem viel in Richtung Beratung entwickeln. Wir haben bereits eine Energieberatung, aber der Bedarf wird steigen – für Netzanschlüsse und Wärmenetze ebenso wie für individuelle Lösungen. Diese ganzheitliche Beratung können wir als Energieversorger gut abdecken. Den Bereich wollen wir ausbauen und den Weg gemeinsam mit den Bürgern als starker Partner gehen.
Wie sieht es beim Thema Gas konkret aus? Können Bürger, die heute mit Gas heizen, damit auf absehbare Zeit weiter planen?
Spiegel: Nach heutigem Stand sagt der Gesetzgeber: 2045 soll Schluss sein. Der Haßlocher Bürger muss sich bei der Gasversorgung also in den nächsten Jahren keine Sorgen machen. Wir betreiben und unterhalten unser Gasnetz. In Neubaugebieten werden wir allerdings kein neues Gasnetz mehr legen. Es muss aber niemand Angst haben, dass wir nächstes Jahr anfangen, Gasleitungen zurückzubauen.
Durch die Wärmewende wird auch der Energiebedarf erheblich steigen. Welche Rolle spielen dabei Windkraft und Freiflächen-PV, etwa an der Westrandstraße?
Spiegel: Bei der Windkraft muss man unterscheiden: Sie speist nicht in unser Netz ein, sondern in das Netz der Pfalzwerke. In diesem engeren Sinn haben wir mit der Windkraft vor Ort also nichts zu tun. Anders bei der Freiflächen-Photovoltaik: Das ist ein wichtiger und ökologisch sinnvoller Baustein. Zum Projekt an der Westrandstraße sind wir mit der Gemeinde und dem Projektpartner im Gespräch. Allein wird Photovoltaik den zusätzlichen Strombedarf nicht decken können, aber der Energiemix wird künftig eine entscheidende Rolle spielen.
Ein Thema, das die Bürgerinnen und Bürger natürlich immer beschäftigt, ist die Preisentwicklung. Kann man da für dieses Jahr schon etwas sagen?
Hauck: Strom- und Gaspreise sind ein hochkomplexes Thema. Die Energiemärkte sind volatil, und internationale Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf die Preise aus. Deshalb können wir heute nicht seriös sagen, ob die Preise stabil bleiben. Wir arbeiten mit klaren Risikoregeln und kaufen nicht die gesamte Jahresmenge auf einmal, sondern in mehreren Tranchen über das Jahr verteilt. So lässt sich das Risiko besser steuern. Wir verfolgen bewusst eine risikoarme Beschaffungsstrategie. Vielleicht sind wir deshalb nicht immer die billigsten, aber wir stehen für Versorgungssicherheit.
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