Neustadt Nach der Kerwe kommen die Poller

Schilder allein haben nicht gereicht, um die Durchfahrt von der Wein- zur Bahnhofstraße über den Deidesheimer Marktplatz zu unte
Schilder allein haben nicht gereicht, um die Durchfahrt von der Wein- zur Bahnhofstraße über den Deidesheimer Marktplatz zu unterbinden. Nun sollen es versenkbare Poller abends und an den Wochenenden auch früher richten.

Während der Weinkerwe ist der Deidesheimer Marktplatz derzeit für Durchfahrten gesperrt, Aber auch wenn die Kerwestände nach dem dritten Augustwochenende abgeräumt sind, wird er zu bestimmten Zeiten für Autofahrer tabu sein. Versenkbare Poller sollen das gewährleisten. „Sie sind bestellt und sollen nach der Weinkerwe installiert werden“, kündigt Stadtbürgermeister Manfred Dörr an.

Das Absperren der Fußgängerzone wird saisonal begrenzt und gilt an den Werktagen abends und an Wochenenden auch schon an Nachmittagen. „Also nur außerhalb der Geschäftszeiten“, sagt Dörr. Am Marktplatz befinden sich mehrere Läden, darunter auch welche für die tägliche Lebensmittelversorgung, sowie an der Ecke zur Bahnhofstraße die Filiale der VR Bank Mittelhaardt. Der Stadtrat hat im Juli 2016 die Sperrzeiten am Marktplatz nach Einbau der versenkbaren Poller festgelegt auf die Zeit von Ostern bis 1. November und dann montags bis freitags von 19 bis 24 Uhr, samstags von 16 bis 24 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 24 Uhr. Mit den direkten Anliegern am Marktplatz sei darüber gesprochen worden, erklärt der Bürgermeister. Versenkt werden können die Poller über eine App oder über Fernbedienung. So können die Anwohner bei Bedarf auf den Marktplatz fahren. Auch Rettungsdienste, Feuerwehr und die Müllabfuhr haben die Möglichkeit, die Poller abzusenken. Standort der Poller wird zur Weinstraßenseite hin in Höhe der Metzgerei sein, auf der Bahnhofstraßenseite bei der Treppe des Deidesheimer Hofs. Die Poller sind ausgestattet mit einer Rundumbeleuchtung, akustischem Signal und einer Heizung. Bei Defekt fahren sie automatisch in den Boden. Eine Kontaktschleife gewährleistet, dass jeder Autofahrer, wenn die Poller hochgefahren sind, den Marktplatz mit dem Auto verlassen kann. Nur die Einfahrt auf den Platz wird verwehrt. 35.000 Euro sind für diese Verkehrsregelung im Haushalt der Stadt eingeplant. Und diesmal habe die Kommunalaufsicht bei der Kreisverwaltung es gebilligt, informiert Dörr. Das Einbauen der Poller war auf Einschreiten der Kommunalaufsicht wegen der hohen Verschuldung der Stadt mehrfach verschoben worden. Damit werden Fakten geschaffen in einer Angelegenheit, die in Deidesheim lange und auch kontrovers diskutiert worden ist. Mit der Erneuerung des Stadtkerns in Deidesheim war neben der Aufwertung des Zentrums und der Verkehrsberuhigung auf der Weinstraße (mit Pflaster) auch das Ziel verbunden, den Marktplatz wieder stärker zu einem Aufenthaltsort zu machen. Mit festen, nicht versenkbaren Metallpollern war der Bereich um den Andreasbrunnen und vor dem Deidesheimer Hof gegen Autoverkehr abgesichert worden. Der Rest wurde zunächst als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Fußgänger und Autofahrer sollten gleichberechtigt sein. Es stellte sich heraus, dass das nicht immer funktionierte, weil Autofahrer sich nicht daran hielten. Es folgte das Ausweisen des Marktplatzes als Fußgängerzone an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Ein mobiles Holzgatter mit dem Schild „Durchfahrt verboten“ wurde an Wochenenden aufgestellt. Der Nachteil: Es ließ sich leicht wegräumen. Und so geschah es auch oft. Die Fußgängerzonenpläne waren umstritten. Die Anwohner waren mehrheitlich dagegen. Auch in der Bahnhofstraße gab es Stimmen von Gastronomen beziehungsweise Besitzern von Beherbergungsbetrieben, weil ihre Gäste nun nicht den kürzesten Weg wählen konnten, sondern über Nebenstraßen fahren müssten, die dann leicht verstopft werden könnten. Der Stadtrat hat im Juli 2016 noch einmal ausgiebig diskutiert, ob man zu ansehnlicheren, aber teureren Pollern greifen solle oder zu deutlich billigeren Schranken. Die CDU sprach sich für Poller aus, weil dies besser aussehe und praktikabler sei. Zu hohe Kosten und Reparaturanfälligkeit der Poller kritisierten Ratsmitglieder von SPD und FWG. Schließlich wurde auch bei der Haushaltssitzung im März 2017 noch mal über die Ausgaben für Poller diskutiert. Achim Schulze (SPD) wandte sich gegen das Verpollern der „kleinsten Fußgängerzone im Lande“. Die Grünen meinten, es täten auch preisgünstigere Barrieren. Die CDU verwies hingegen darauf, dass man Schranken öffnen und dann schließen müsse, und man dafür jemanden brauche. Bei Pollern funktioniere das automatisch. Das Aufstellen und Wegräumen von mobilen Barrieren koste schließlich auch Geld, verteidigt Manfred Dörr nun die Pollerlösung. Er ist überzeugt davon, dass „die Leute sich daran gewöhnen“ werden. Dass es ohne handfeste Maßnahmen nicht gehe, habe sich gezeigt: Wo eigentlich nur Schritttempo erlaubt sei, seien Autofahrer immer wieder „richtig schnell“ durchgefahren. Da die Bahnhofstraße zu den Sperrzeiten des Marktplatzes keine Verbindung mehr zur Weinstraße hat, soll es dort Hinweise vorweg geben, Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sollen dann erst gar nicht in die Bahnhofstraße hineinfahren.

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