Neustadt Nach 40 Jahren auf den Schrottplatz

Maikammer. Es ist ein Drama in zwei Akten, das der Maler und Restaurator Aribert Frosch in den vergangenen Monaten als unfreiwilliger Hauptdarsteller durchlebte. Schauplatz ist seine Heimatgemeinde Maikammer, genauer die Verbandsgemeindeverwaltung und der Kindergarten Regenbogen. An beiden Orten wurden Werke des Künstlers recht unsensibel ausrangiert.
Der 82-jährige Frosch, der seine Brötchen einst als Kunsterzieher am Kaiserdom-Gymnasium in Speyer verdiente und bis heute als freischaffender Künstler wirkt, ist weit über die Region hinaus bekannt. 2013 schenkte er seinem Heimatort 35 seiner Bilder mit einem geschätzten Wert von 40.000 Euro (wir berichteten). Mit Freude nahm Bürgermeister Karl Schäfer die Werke damals in Empfang und verpflichtete sich, sie als Einheit öffentlich zugänglich zu machen. Drei Werke fanden ihren Platz im Haus Rassiga, die anderen 32 wurden im Ratssaal und den Büroräumen der Verbandgemeindeverwaltung verteilt. Die aber ging 2014 nach der Zwangsfusion an die Verbandsgemeinde Edenkoben. Damit wurden Froschs Gemälde zu ungeliebten Objekten. Im Zuge der Gebäuderenovierung für die neue Verwaltungsorganisation wurden die Gemälde und Monotypien abgehängt und völlig ungeschützt zwischen Farbeimern und Handwerkerpinseln in den Fluren abgestellt. Dort blieben sie auch, als die frisch gestrichenen Zimmer von den neuen Mitarbeitern bezogen wurden. „Ich kann ja niemanden dazu zwingen, ein Gemälde aufzuhängen, das ihm nicht gefällt“, meint Büroleiter Jörg Nicklis. Nachdem die meisten Arbeiten keine neue Wand fanden und auch Schäfer keine Möglichkeit für eine adäquate Präsentation in Räumen der Ortsgemeinde sieht, zieht Frosch nun die Notbremse und fordert seine Schenkung zurück. In der Hoffnung, dass die Werke keinen Schaden genommen haben, wird er sie vorerst in seinem Atelier verwahren. Käufer hätten schon Interesse bekundet. Dieses glimpfliche Ende ist einer anderen künstlerischen Arbeit aus seiner Hand verwehrt geblieben. Eine Eisenplastik, die Aribert Frosch vor über 40 Jahren für die Außenwand des katholischen Kindergartens gestaltete, ist im Zuge der jüngsten Renovierung auf einem Edenkobener Schrottplatz gelandet. Die mehrteilige Arbeit, die „Spielende Kinder in Obhut einer Nonne und einer Erzieherin“ zeigte, musste wegen der neuen Dämmung von der Wand abgenommen werden, war danach nicht mehr erwünscht und lag monatelang im Baustellendreck. Kindergartenleiterin Christiane Prilop freute sich über die freie Fläche und die Möglichkeit, hier nun „was Flottes, Farbiges, Modernes“ in Form eines bunten Regenbogens passend zum Logo des Kindergartens anbringen zu können. Obwohl sie zu diesem Wunsch nach wie vor steht und auch der Meinung ist, dass „die Plastik nicht mehr in die Zeit passte und 40 Jahre für ein Kunstwerk wirklich genug sind“, tut es ihr leid, dass es mit der Skulptur ein so trauriges Ende nahm, für das sie sich definitiv nicht verantwortlich fühlt. Auch Architekt Lothar Textor weist alle Schuld von sich, zumal das Kunstwerk „nicht mit einem Signum ausgezeichnet war“ und er nicht wissen konnte, dass es von Aribert Frosch stammte, den er kenne und schätze. Textor versichert aber, dass er die Plastik „sorgsam dokumentiert, fachmännisch demontiert und völlig unbeschädigt der Kirchengemeinde als Eigentümer übergeben“ habe und dass es von der Kirchengemeinde „nie ein Zeichen gab, dass das Werk nach der Renovierung wieder angebracht werden sollte“. Textor meint: „Es stand bestimmt ein halbes Jahr an der Baustelle, und ich habe Herrn Schwaab mehrmals gebeten, es abzuholen, bevor es zerstört oder geklaut wird.“ Manfred Schwaab, Vorsitzender des Verwaltungsrats der katholischen Kirche Kosmas und Damian, bestreitet diese Aussage und betont, dass er die Plastik erst mehrere Wochen nach ihrer Demontage gesehen habe. „Da waren die Figuren schon auseinandergebrochen im Matsch und im Dreck gelegen“, erinnert sich Schwaab und fügt hinzu: „Was heißt da Kunstwerk? Im Nachhinein kann jeder sagen, es war Kunst.“ Irgendwann habe er die kaputten Teile zusammengesammelt und zum Schrotthändler gebracht. „Vom Erlös waren grade mal die Fahrtkosten bezahlt“, sagt er. Und dennoch: Auch Schwaab tut es leid, dass er sich nicht daran erinnerte, von wem die Skulptur war - zumal sowohl Aribert Frosch als auch der ausführende Schlosser August Herrmann einst Mitglieder des Kirchengremiums waren und es nicht schwer gewesen wäre, ihre Urheberschaft zu ermitteln. Alle Beteiligten – nicht zuletzt Bürgermeister Karl Schäfer als Bauherr sehen das Drama als Verstrickung unglücklicher Umstände und haben dem Künstler ihr Bedauern ausgedrückt. (ttg)