Neustadt Musik ist Familientradition

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Deidesheim. Tatjana Sperling (Klavier) und Eduard Sperling (Geige) spielen am Samstag, 19. April, in der Deidesheimer Stadthalle „Paradiesgarten“ ein Benefizkonzert. Die Einnahmen kommen der Kolpingkapelle Deidesheim und der Ruppertsberger Bloskapell für die Ausbildung junger Musiker zu Gute.

Das Konzert ist für die beiden Künstler Lob und Ansporn für die Jugendarbeit der Vereine – und ein Dankeschön dafür, dass sie sich in der Verbandsgemeinde Deidesheim sehr wohlfühlen. Tatjana und Eduard Sperling, Musiker und Musikpädagogen, wohnen seit einigen Jahren in Ruppertsberg. Beide stammen aus Musikerfamilien in der ehemaligen Sowjetunion. Dass die Kinder ebenfalls Musik zu ihrem Beruf machten, „das war in den Familien Tradition“, sagt Eduard Sperling. „Eine musikalische Karriere war in der ehemaligen Sowjetunion ein sicherer Broterwerb“, bestätigt Tatjana Sperling. In Eduard Sperlings deutsch-russischer Familie hat schon die Großmutter Gitarre gespielt, erinnert er sich. An sein Lieblingsinstrument zu kommen, dürfte allerdings nicht immer ganz einfach gewesen sein. „Mein Großonkel hatte sich selbst eine Geige gebaut“, erzählt er. Sein Vater studierte bereits Musik, und auch die Mutter war Akkordeonistin und Musikpädagogin. Musik prägte auch Tatjana Sperling von Kindheit an. Ihre Mutter war Klavierlehrerin, ihr Vater spielte Akkordeon und begründete mit der ersten Musik-Kunst-Schule Russlands ein Zentrum der ästhetischen Erziehung. Schon früh erhielten beide Musikunterricht, nahmen an Wettbewerben teil und trafen sich schließlich in Südrussland an der Musikhochschule in Rostow. Gemeinsam reisten sie nach Deutschland aus. Ihre Diplome wurden anerkannt. Tatjana Sperling unterrichtet seit 2000 Klavier an der Musikschule Deidesheim, Eduard Sperling seit 2001 an der Städtischen Musikschule Ludwigshafen. Am meisten Freude an ihrem Beruf bereitet ihnen „alles“, sagt Tatjana Sperling und lacht. „Es ist schön, die Entwicklung der jungen Menschen zu beobachten“, führt sie aus. Das findet auch ihr Mann: „Es ist immer wieder spannend zu sehen, was am Anfang an Können da war, und was daraus wird.“ Zudem entwickele sich mit dem gemeinsamen Musizieren und Lernen über die Jahre hinweg auch eine innere Verbundenheit zu den Schülern. „Nein“, betonen beide einträchtig, „ein Kind muss nicht unbedingt sehr begabt sein“, um Klavier oder Geige spielen zu lernen. „Man kann Kinder, wenn sie es wollen, auch zur Musikalität erziehen“, findet Eduard Sperling. Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern, ist eine Aufgabe, die beiden am Herzen liegt. Bei kleinen Konzerten lernen selbst Anfänger schon mehr Selbstvertrauen, auch die Teilnahme ihrer Schülerinnen und Schüler an Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ wird gefördert. „Wenn die Kinder Erfolg haben, ist das auch unser Erfolg.“ Tatjana und Eduard Sperling spielen selten zusammen Konzerte. „Vielleicht einmal pro Jahr. Es fehlt uns einfach die Zeit, gemeinsam zu üben“. Etwa ein halbes Jahr arbeiten sie intensiv an einem Konzertabend. Das bedeutet statt Freizeit „sehr, sehr viel üben“. Erst getrennt, und dann kommt das, was beide behutsam „Gewöhnungsphase“ nennen: ihre individuellen Vorstellungen und Interpretationen der Stücke auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Doch das gehe in der Regel recht harmonisch zu, versichern beide glaubhaft. Etwas anderes als beruflich Musik zu machen, hätte sich das Paar nicht vorstellen können. Er habe als Jugendlicher einmal mit dem Gedanken gespielt, Vogelkundler zu werden, sagt Eduard Sperling. Ornithologie ist seitdem neben Wandern sein Hobby. Tatjana Sperling beschäftigt sich auch in der Freizeit am liebsten „mit schönen Dingen“. Sie malt.

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