Neustadt Motorradtour mit der Polizei

Es gebe zwar noch kein konkretes Motto, aber es könne vielleicht heißen „Sicheres Motorradfahren in Edenkoben und Umgebung“, erklärt Polizeihauptkommissar Peter Schlicht, der die Gruppe anführen wird. Unterstützt wird er dabei von Polizeioberkommissar Frank Klauser, der am Ende der Motorradschlange für Sicherheit sorgt. Die Polizeibeamten wollen den Teilnehmern nicht nur zeigen, wo es verstärkt zu Unfällen mit Beteiligung von Motorrädern gekommen ist. Hauptanliegen der Polizisten ist es vor allem, allen zu helfen, ihr Fahrzeug sicher zu handhaben. „Leider gehören wir als Motorradpolizisten einer aussterbenden Spezies an, was an den klammen öffentlichen Kassen liegt. Dies bedauern wir, denn wir können in bestimmten Situationen besser agieren und reagieren als Kollegen, die im Auto sitzen“, findet Peter Schlicht den Weg der Einsparung an dieser Stelle nicht gut. Von Edenkoben aus fährt der Tross im sogenannten versetzten Fahren, also immer einer links, dann mit etwas Abstand einer rechts, zunächst über Maikammer hinauf in Richtung Kalmit. Eine bei Motorradfahrer beliebte Strecke, wenn auch eine recht schmale, wie Peter Schlicht erläutert. Hier ist sein Hauptthema das richtige An- und Befahren einer Kurve. „In den vergangenen sechs Wochen ist es hier zu sechs Unfällen gekommen, hinzu kommen noch die, von denen wir gar nichts erfahren, weil die Motorräder direkt abtransportiert werden“, erzählt der Polizist. In den vergangenen fünf Jahren habe es im Zuständigkeitsbereich der Polizei Edenkoben 175 Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern gegeben. „Die neun Todesfälle, die es zu beklagen gab, lagen deutlich über dem Landesdurchschnitt“, sagt Peter Schlicht. Einen vorbeifahrenden Motorradfahrer lobt Frank Klauser: „So muss man diese Kurve anfahren. Obwohl wir hier standen, hat er seinen Blick voll auf die Straße konzentriert und somit die Kurve flüssig und rund, aber nicht zu schnell durchfahren“. Weiter führt die Fahrt über St. Martin, Edenkoben und Rhodt nach Hainfeld. Kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Burrweiler wird der zweite Halt eingelegt, wo Frank Klauser einen Unfall vom Oktober 2013 noch einmal nachstellt. Thema ist hier das zu dichte Auffahren und das Überholen von Autos sowie das daraus resultierende abrupte Bremsen. Aufmerksam hören alle den Ausführungen zu. Deutlich an den Reaktionen ablesbar ist dabei, dass wohl nicht alle immer so fahren, wie es nötig wäre. Nur kurz ist dann die folgende Wegstrecke, denn die zuletzt aufgrund mehrerer schlimmer Unfälle wiederholt in die Schlagzeilen geratene Kreuzung der Landstraßen 519 und 513 bei Gleisweiler ist Ziel der Polizisten. Dort, wo im März 2013 ein Motorradfahrer ums Leben kam, machen Schlicht und Klauser deutlich, wie lange Brems- und Anhalteweg sind und wie sich diese überproportional verlängern, wenn die Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer auf 70 oder gar 90 erhöht wird. Ein erschreckendes Ergebnis. Von Böchingen über Walsheim und Edesheim kommend erreicht die Gruppe die Kreuzung L 507/L 542, an der es vor Großfischlingen ebenfalls immer wieder „knallt“. An dieser Stelle geht Klauser auf die Problematik des Übersehenwerdens der Motorradfahrer ein. In diesem Moment war dies auch – bedingt durch die tiefstehende Sonne – der Fall. Auch die Geschwindigkeit von Motorrädern werde von anderen Verkehrsteilnehmern oft unterschätzt und somit nicht selten zur Ursache von Unfällen. Nach knapp drei Stunden ist der Ausgangspunkt in Edenkoben wieder erreicht. Fazit: Ein lehrreicher Exkurs über die Landstraßen der Region mit interessanten Ausführungen von zwei motivierten Polizisten. Die Teilnehmer sind begeistert. „Ich fahre seit 16 Jahren, habe heute aber einiges hinzugelernt. Allein dass Bremsen nicht gleich Bremsen ist, war mir vorher nicht so bewusst“, macht Norbert Meyerer aus Wörth deutlich. Die Aufklärungsarbeit von Schlicht und Klauser wird mit spontanem Beifall quittiert. (lam)