Neustadt Moderne Zahnmedizin für Ruanda

Placeholder-Image

Ruanda hat über elf Millionen Einwohner. Und die werden von rund 20 Zahnärzten betreut. Dementsprechend schlecht ist es um die Zahngesundheit der Bevölkerung bestellt: Über 60 Prozent der Kinder leiden an Zahnschmerzen. Seit 2012 verbessern die Zahnärzte Jürgen Raven aus Maikammer und Franz-Josef Ratter aus Deidesheim in dem afrikanischen Land die zahnmedizinische Versorgung.

Im Februar 2014 gründeten die beiden Mediziner den gemeinnützigen Verein „dental roots-racines dentaires zahnwurzel e. V.“, um das ursprüngliche Projekt „Aktion Zahnwurzel“ auszubauen und zu verbessern. Laut Ratter hat der Verein etwa zehn Mitglieder, bei denen es sich um Zahnärzte und -techniker aus dem Raum Neustadt handelt. In Ruanda arbeiten die ehrenamtlichen Helfer mit Regierungsstellen, wie dem Gesundheitsministerium, Distriktkrankenhäusern und der Universitätsklinik in der Hauptstadt Kigali zusammen. Das Projekt wird unter anderem von der Landeszahnärztekammer, dem Gesundheitsministerium des Landes Rheinland-Pfalz, dem Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz-Ruanda und dem Verein „Mamisch hilft“ (Verein, der in Entwicklungsländer die Lebensverhältnisse durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ verbessern will) unterstützt. So konnten in Ruanda bisher zwei komplette zahnärztliche Behandlungszentren aufgebaut werden, in denen alles vorhanden ist, um eine sehr gute Standardbehandlung durchzuführen. Laut Ratter verfügen die Praxen über die modernste Technik: „Jederzeit könnte dort auch ein deutscher Zahnarzt arbeiten.“ Ratter, der seit 2012 bereits viermal in Ruanda war, möchte das Ganze noch ausbauen: Neben Zahnärzten sollen auch noch Zahntechniker mit ins Boot geholt werden. Eine Zusammenarbeit zwischen den Universitätskliniken in Mainz und Kigali soll die Möglichkeit geben, die ruandischen Kollegen auch in Deutschland auszubilden. Laut Ratter besteht bereits „ein guter Kontakt“. Jürgen Raven, der seit 2012 bisher zweimal in Ruanda war, ist seit 1992 auch in Südamerika ehrenamtlich engagiert. Dort konnte er Erfahrungen sammeln, die ihm jetzt nach eigener Aussage „in Afrika zugutekommen“. Ihm zufolge läuft die Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen problemlos ab, so dass seine Tätigkeit nicht behindert wird: „Heute werden aber eine Arbeitserlaubnis und ein Visum verlangt.“ Das zahnärztliche Engagement in Ruanda wird auch von anderen gefördert: So haben die beiden Ärzte aus der Pfalz in dem afrikanischen Land 200 Zahnpflegesets verteilt, die von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (LAGZ) Rheinland-Pfalz gespendet wurden. Der Lions Club Deidesheim unterstützt mit 3000 Euro die Bemühungen. Der Lions Club ist eine Vereinigung, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch gemeinnützige Arbeit die Welt zu verbessern. Mit der Spende soll das Röntgen modernisiert werden. Beim Röntgenfilmen werden Chemikalien verwendet, die in Ruanda schlecht entsorgt werden können. Außerdem fehlt es an Materialien zum Filmen. Mit der Spende soll die Digitalisierung von Röntgendaten mitfinanziert werden. Dieses Verfahren ist billiger und umweltverträglicher. Ruanda ist ein Binnenstaat in Ostafrika. Bis 1916 war es eine deutsche Kolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es in belgischen Kolonialbesitz über und wurde 1962 unabhängig. Im Jahr 1994 kam es dort zu einem Völkermord: Opfer wurden 800.000 bis eine Million Menschen der Volksgruppe der Tutsi. Erst in den vergangenen Jahren erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Trotzdem mangelt es noch immer an der sozialen Fürsorge. Seit 1982 ist das kleine afrikanische Land Partnerland von Rheinland-Pfalz.

x