Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Mobility-on-Demand“: Auf schwieriger Piste gute unterwegs

Auch Steffen Kleiss aus Königsbach nutzt das Angebot oft. Hier kommt er gerade im Afrikaviertel an.
Auch Steffen Kleiss aus Königsbach nutzt das Angebot oft. Hier kommt er gerade im Afrikaviertel an.

Ökobewusst, bequem und durchaus luxuriös möchte das Neustadter Unternehmen „Mobility on Demand“ seine Fahrgäste chauffieren – und zugleich preiswert. Das Smartphone spielt eine große Rolle, was zu kleinen Holperern führen kann. Freundlichkeit dominiert.

Früher führten alle Wege nach Rom. Heute führen alle Wege über Apps. Das Szenario: Ein angenehmer Vormittag, der Reporter möchte beim Neustadter Unternehmen „Mobility on Demand“ (MoD) einen dieses wunderbaren E-Autos von Tesla ordern, um damit aus der Wittelsbacherstraße in Hambach nach Lachen-Speyerdorf gefahren zu werden. Voraussetzung: Die MoD-App ist aufs Smartphone geladen worden, desgleichen ein Geldguthaben. Letzteres kann, wer will, sogar altmodisch per Banküberweisung tun. Dass die Empfänger-IBAN eine belgische ist, erregt einen Hauch Aufmerksamkeit.

Der Reporter gehört nicht zu den Geburtsjahrgängen, die jeden Smartphone-Trick mit der Muttermilch aufgesogen haben, ist aber trotzdem guten Mutes. Also: App anklicken, bestätigen, dass man die Corona-Regeln beachtet. Sodann sieht man auf einer Karte, wo man sich selbst befindet, und wo der nächstgelegene MoD-Haltepunkt – „Modstop“ genannt – ist, wohin das Auto also fährt, um Fahrgäste zu- oder aussteigen zu lassen. Derzeit gibt es rund 170 solcher Haltepunkte in Neustadt, von jedem Ort im Stadtgebiet solle der Fahrgast maximal 200 Meter laufen müssen, um einen Modstop zu erreichen.

Die erste Adresse

Nun schreibt der Reporter in ein Feld seines Smartphones, wohin er möchte: Lachen-Speyerdorf, Jahnplatz. Es geschieht – nichts. Mehrfache Wiederholung. Nichts. Der Reporter befürchtet, alle werden später wieder sagen, er sei schuld und niemals das Smartphone. Es ist ein glücklicher Zufall, dass man nur ein paar, wenn auch steile, Treppen hinunterlaufen muss, um von der Wittelsbacherstraße zu den Karolinenterrassen zu gelangen. Dort werden die MoD-Teslas aufgeladen.

Klingeln an der Haustür. Ein Herr öffnet. Er sagt, es gebe Probleme mit Google, manche Zieladressen würden nicht akzeptiert, wenn sie ins Smartphone getippt werden, sondern nur, wenn man auf der Karte im Smartphone mit dem Finger auf den Zielort tippe; es handele sich vor allem um Zieladressen in Königsbach und Lachen-Speyerdorf. Man könne bei Problemen das Feld „Support“ anklicken, sagt der Herr durchschnittlich freundlich und zeigt, wie das Zielort-Antippen geht. Der Reporter ist heilfroh, dass Google schuld ist und sagt dem Herrn zum Abschluss, dass alles in der RHEINPFALZ zu lesen sein werde – nicht tadelnd oder gar hämisch, sondern informierend. Der Herr bleibt gelassen.

Mittlerweile ist das Auto da, pünktlich, höchstens zehn Minuten soll man warten müssen, drei Minuten vor Ankunft erhält man eine Nachricht aufs Smartphone mit dem Kennzeichen des Wagens, einem Bild und dem Namen des Fahrers. Das Auto ist schon irgendwie ein Traum. Feinste Lederausstattung, man gleitet dahin, fast lautlos.

„Das war Herr Rouwen“

Der Reporter ist auf seinem Weg der einzige Fahrgast im Wagen; hätten zur gleichen Zeit weitere Menschen ein MoD-Auto Richtung Lachen-Speyerdorf bestellt, hätte ein „Pooling“ stattgefunden: Der Computer hätte mehrere Fahrgäste für dieses Auto bestimmt, was zu kleineren Umwegen hätte führen können. So dauert es ungefähr acht Minuten bis nach Lachen-Speyerdorf, der Fahrpreis beträgt 5,26 Euro, die automatisch vom Guthaben auf dem Smartphone abgebucht werden. Die Rückfahrt mit einem Bus, der stündlich, aber nur bis 21 Uhr geht, kostet 2,10 Euro und dauert 20 Minuten. MoD ist von 7 bis 23 Uhr unterwegs, an Wochenende auch mal bis 1 Uhr nachts.

Der Fahrer im Tesla ist außerordentlich freundlich und sagt dem Reporter nebenbei, dass der Herr in der Karolinenterrasse Stefan Rouwen sei – Gründer, Geschäftsführer und wichtiger Privatinvestor von MoD. Der Reporter und Rouwen hatten sich zuvor nie gesehen. Insofern eine authentische, effiziente Konfliktlösung der kleinen Auftakt-Panne. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, zumal ja nur Google schuld war.

Skepsis überwunden

Eine sehr gelungene Fahrt, trotz des Auftaktproblems, findet der Reporter, und befragt die Neustadterin Andrea Lampe, von der er weiß, dass sie MoD-Kundin ist. „Ich bin skeptisch gegenüber E-Autos, gegenüber Apps, gegenüber Geldüberweisungen, zum Beispiel nach Belgien“, sagt sie. Super Voraussetzungen. „Ich hab’s ausprobiert und bin begeistert von MoD“, fährt sie fort. Ein bestimmter Weg sonntags um 7 Uhr habe mit dem Taxi 15 Euro gekostet, mit MoD 4,35. „Die Fahrer sind super nett, die Pünktlichkeit funktioniert, und sonntagsmorgens um 7 Uhr riecht es im Wagen manchmal wunderbar nach frischen Brötchen.“ Was damit zu tun hat, dass MoD auch Lebensmittel transportiert, über www.diepfalzbringts.de bestellbar.

Mehr Modstops

Nachfrage bei MoD-Projektleiterin Kerstin Ullrich: Ist MoD auf gutem Weg? „Ja. Die Neukunden-Kurve geht nach oben“, bilanziert sie, „aber wir brauchen einen ganz langen Atem.“ Expansion sei nötig, zwei weitere Autos - bislang drei - sollen 2021 hinzukommen, weitere Fahrer - bisher sechs - unbefristet und fest eingestellt, die Anzahl der Modstops erhöht werden, zumal es in Lachen-Speyerdorf, Duttweiler, Geinsheim, Mußbach, Königsbach, Gimmeldingen und auf der Haardt bislang nur je ein bis zwei gibt.

Demnächst sollen möglichst viele Modstops durch eigene Schilder, etwa an Laternenpfählen oder Straßennamenschildern, sichtbar werden. Zudem werde es bald, als Ausnahme, möglich sein, nicht per App, sondern telefonisch einen Wagen zu ordern.

Ziel: autonom

MoD sehe sich als „andere, besondere Art des Öffentlichen Personennahverkehrs“, so Ullrich, eingebunden ins Tarifsystem des VRN, wovon der MoD-Fahrgast preislich profitiert. „Wir wollen und müssen in Neustadt was Besonderes bieten“, betont Ullrich, deshalb auch die Teslas, die, wenn man sie kauft, hoch fünfstellig kosten können.

Ganz besonders spreche zudem für Tesla, „dass sie beim autonomen Fahren sehr weit sind“. Und autonom fahrende E-Autos, eine letztlich aus einem Leitstand heraus lenkbare Flotte, ist – auch mit Blick auf Renditechancen – das Endziel von MoD. Bis dahin könnten zehn Jahre ins Land gehen, urteilt Fachfrau Ullrich. Ein weiter Weg.

Info

www.mobility-on-demand.com

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