Neustadt
Mitfahrdienst wird Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs
Das Mitfahrdienstsystem ist ein Kind des Neustadter Start-up-Unternehmens Mobility-on-Demand Holding GmbH. Gegründet wurde es von dem BASF-Ingenieur Stefan Rouwen, der auch Geschäftsführer ist. Das System ist ein Zwischending aus Taxi und Bus: Wer von A nach B will, ohne lange auf einen Bus warten zu wollen, ruft per Handy-App ein MoD-Auto, in dem er dann aber vielleicht nicht der einzige Fahrgast ist. Wenn andere zur selben Zeit ähnliche Strecken buchen, werden sie mitgenommen, was kleinere Umwege bedeuten kann. Die Wartezeit, bis MoD vorbeikommt, soll maximal zehn Minuten betragen.
Private Betreibergesellschaft
Mit dem Beschluss der Stadtpolitik auf Vorschlag der Verwaltung kann die MoD Holding GmbH nun eine lokale Betreibergesellschaft gründen. An ihr ist die Stadt nicht beteiligt. Damit trägt sie auch kein unternehmerisches Risiko, ebenso wenig wäre sie bei möglichen Schadenersatzforderungen der Busunternehmen im Boot. Ab 2023 soll der Mitfahrdienst das ganze Jahr über 24 Stunden am Tag die Kernstadt und die Weindörfer bedienen, bis dahin soll das Angebot nach und nach ausgebaut werden.
2023 ist deshalb Startpunkt, weil bis dahin die Buslinien im Stadtgebiet neu vergeben werden müssen. Dafür ist die Kommune zuständig, in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Dieser hat Ende 2019 Mitfahrdienste in sein Tarifsystem aufgenommen; allerdings dürfen sie einen Qualitätszuschlag von einem Euro (für Zeitkarteninhaber) oder zwei Euro (für alle anderen VRN-Tickets) pro Fahrt erheben.
Landesbetrieb muss genehmigen
Wäre noch die Behörde Landesbetrieb Mobilität: Will die zu gründende Neustadter MoD-Betreibergesellschaft als Sonderform des Linienverkehrs anerkannt werden, muss sie das beim Landesbetrieb beantragen. Dieser hat bereits angekündigt, die Genehmigung zu erteilen, sofern die aktuell beauftragten Busunternehmen Imfeld und Palatina keine begründeten Einwände dagegen vorbringen.
Eine klare Konkurrenz wird MoD für die Neustadter Taxiunternehmen sein: Mit ihnen wurde nach Angaben des städtischen Beigeordneten Bernhard Adams gesprochen – sie seien nicht begeistert. Indes sei für sie entlastend, dass bis Ende 2020 mit nur sechs Fahrzeugen begonnen werde, um die Anzahl dann nach und nach zu erhöhen.
Noch Informationsbedarf
Im Hauptausschuss hatten Grüne, CDU und FWG dem MoD-Mitfahrdienst zugestimmt, FDP und SPD sahen hingegen noch Informationsbedarf. Grundsätzlich aber begrüßten alle Fraktionen das Mitfahrsystem als weitere Möglichkeit, den Individualverkehr und die damit verbundenen Probleme für die Kernstadt zu verringern.
Kommentar: Zu Beginn verwirrend
Die Politik ist sich einig: Weniger Autos in der Stadt bedeuten mehr Lebensqualität. Und ein Mitfahrsystem wie Mobility-on-Demand, noch dazu elektrisch betrieben, kann dazu beitragen. Was es FDP und SPD eventuell schwer gemacht hat, schon jetzt zuzustimmen, ist die Projektverwirrung im Jahr 2017. Denn die MoD Holding GmbH hat neben dem Mitfahrdienst noch das vom Bund geförderte Modellprojekt Hambach-Shuttle in der Pipeline. Im Gegensatz zum Mitfahrdienst soll dieses ohne Fahrer auskommen – wie gesagt ein Testlauf mit offenem Ende, der nichts festschreibt. Beim Mitfahrdienst indes dürfte autonomes Fahren mehr als fraglich sein. Das System ist auch nicht neu, sondern in einigen Großstädten bereits eingeführt. Aber für eine kleine Stadt wie Neustadt ist es eine tolle Chance.