Neustadt Mit vereinten Kräften

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Der Beruf der Bildhauer und Steinmetze verändert sich. Das beobachtet Helmut Bartholomä schon seit Jahrzehnten. Nicht allen Betrieben sei es gelungen, sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen. Zudem sei die Förderung des Nachwuchses oft vernachlässigt worden. Folge davon sei, dass so mancher alteingesessene Betrieb den Generationenwechsel nicht schaffe. „Die beiden fusionierten Innungen hatten zuletzt immer weniger Mitgliedsbetriebe. Deshalb lohnte es immer weniger, Leitung und Organisation zweimal zu unterhalten“, sagt Bartholomä. Nach der Fusion gehören zur Innung Deutsche Weinstraße 30 Betriebe. Ziel sei nun, mit vereinten Kräften mehr Präsenz zu zeigen. „Wir können bei Messen, Ausstellungen oder Wettbewerben jetzt anders auftreten“, ist der Obermeister überzeugt. Der 64-jährige Schifferstadter Bildhauer war bereits gut 20 Jahre lang Obermeister der Innung Vorderpfalz und zuvor schon als Stellvertreter im Vorstand aktiv. Seit 17 Jahren ist er auch der Landesinnungsmeister. In ganz Rheinland-Pfalz gibt es nach Bartholomäs Angaben etwa 150 Betriebe, die in den Innungen organisiert sind. Der Schifferstadter war auch im Bundesverband der Bildhauer und Steinmetze aktiv und leitete dort den Arbeitskreis Friedhofs- und Erinnerungskultur. Dass sich die Zeiten für Bildhauer und Steinmetze geändert haben, kann der Obermeister an vielen Beispielen belegen. Für sehr bedeutend hält Bartholomä die Entwicklung in der Bestattungskultur. „Früher waren individuelle Grabmale der Regelfall. Oft genug waren aufwendig gestaltete Grabsteine auch Statussymbole“, erklärt der Bildhauer. Heute gehe der Trend zu Bestattungen, die häufig ohne Grabmal auskämen. Das seien etwa Bestattungen an Bäumen, Rasengräber oder anonyme Bestattungen. Viele Bildhauer hätten sich zu sehr auf das Friedhofsgeschäft verlassen und darüber andere Tätigkeiten vernachlässigt. Das gelte zum Beispiel für Arbeiten an Gebäuden, wenn Treppen oder Tür- und Fensterstürze aus Naturstein zu bauen seien. Konkurrenz für heimische Bildhauer komme inzwischen auch aus Indien und China, wo „Arbeitskräfte zu Dumpingpreisen unter fragwürdigen Bedingungen Steine behauen“. Billigprodukte gebe es heutzutage auch in jedem Baumarkt, wo Brunnen und Skulpturen als massengefertigte Betongüsse angeboten werden. Bei Massenprodukten kann von Handwerkskunst und individueller Gestaltung keine Rede sein. Doch gerade die machen für Bartholomä den Beruf so interessant. Seine Werkstatt im Schifferstadter Gewerbegebiet Im Lettenhorst ist voller Skizzen und Modelle. Er zeigt Entwürfe, die Hinterbliebene mit ihm gemeinsam entwickelt haben, um ihrer Lieben zu gedenken. Sie zeigen Dinge und Symbole, die ganz persönliche Bedeutungen haben. „Ein wichtiges Ziel der Innungsarbeit ist das Werben und Informieren über unser Handwerk“, sagt der Obermeister. Er selbst probiert dazu neue Ideen. So habe er Firmlinge der Schifferstadter Pfarreien zu einem Rundgang über den Friedhof eingeladen, wo er den Jugendlichen Zeichen und Symbole auf Grabsteinen erläuterte. Am folgenden Wochenende durften die Jugendlichen in seiner Werkstatt selbst Steine nach eigenen Entwürfen behauen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Handwerkern wie etwa Stadt- oder Landschaftsgärtnern sei für die Innung wichtig. Die Weiterbildung durch Seminare will Bartholomä weiter fördern. Auf seiner Wunschliste steht auch eine weitere Fusion: „Es wäre sicher sinnvoll, wenn die Innung Westpfalz mit ihren 24 Betrieben noch dazu käme, so dass wir eine Innung für die ganze Pfalz hätten“, ist Bartholomä überzeugt. Ob er das als Obermeister noch auf den Weg bringt, ist offen. Schon jetzt will er potenzielle Nachfolger auf das Amt vorbereiten. Zu seinem 67. Geburtstag will er Platz für jüngere Kollegen machen.

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