Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Tönen zum Mond reisen – ein Besuch beim Akkordeonensemble der Musikschule Haßloch

„Es liegt auf der Brust auf. Das heißt, seine Töne übertragen sich direkt auf den Körper, auf das Herz“, sagt Alexander Dietrich
»Es liegt auf der Brust auf. Das heißt, seine Töne übertragen sich direkt auf den Körper, auf das Herz«, sagt Alexander Dietrich über das Akkordeon. Seine Liebe zu dem Instrument gibt er an seine Schüler weiter.

Das Akkordeon wurde „Instrument des Jahres 2026“ gekürt. Wir schauen, welche Rolle es in unserer Region spielt.

Seit 38 Jahren unterrichtet Alexander Dietrich Akkordeon an der Musikschule Haßloch. „Mit ihr kann man alles ausdrücken, was man fühlt“, sagt er über die von den Landesmusikräten zum „Instrument des Jahres 2026“ gekürte Ziehharmonika, für die er schon rund 500 Stücke komponiert hat. Viele davon konnte er auch bereits mit seinem Schulensemble aufführen.

Als Alexander Dietrich Ende der 1980er Jahre aus Kasachstan nach Deutschland übersiedelte, dauerte es nicht lange, bis er als Akkordeon-Lehrer an die Musikschule Haßloch kam. „Erst hatte ich einige Schüler in Neustadt. Nach ungefähr zwei Jahren habe ich dann an der Musikschule in Haßloch mit dem Unterricht begonnen“, sagt er. Fünf Tage in der Woche ist Dietrich an der kommunalen Einrichtung tätig, aktuell hat er 18 Akkordeonschüler im Alter von 6 bis 76.

Der Vollblutmusiker hat in seiner früheren Heimat an der Hochschule von Almaty, bis 1993 Alma-Ata genannt, ein Studium als Dirigent, Pianist und Akkordeonspieler absolviert. „Das Akkordeon ist mein liebstes Instrument. Mit ihm kann man alles ausdrücken, was man fühlt“, sagt er. „Es liegt auf der Brust auf. Das heißt, seine Töne übertragen sich direkt auf den Körper, auf das Herz.“

„Im Ensemble können auch schon Anfänger mitspielen“

Hjördis Penkert bestätigt mit einem Kopfnicken, was der Akkordeonlehrer an dem „Instrument des Jahres 2026“ besonders schätzt. „Ich habe selbst bei Herrn Dietrich dieses schöne Instrument spielen gelernt“, sagt sie. „Inzwischen sind auch meine Töchter Schülerinnen bei ihm“, berichtet die junge Frau im Kammermusiksaal der Musikschule, wo gerade unter Dietrichs Leitung eine Probe des Akkordeonensembles für ein gemeinsames Konzert mit dem Streichorchester der Musikschule läuft.

Nach dem weltbekannten „Yesterday“ von den „Beatles“ erklingen im Kammermusiksaal noch gut eine Handvoll weitere Stücke mit Titeln wie „Rendezvous“, „Reise zum Mond“ und „Argentinischer Tango“. Die teils rhythmisch geprägten, gut tanzbaren und teils melodiösen Stücke sind Kompositionen von Alexander Dietrich selbst. „Ich habe bisher ungefähr 500 Stücke für das Akkordeon komponiert. Etwa 100 davon haben wir mit unserem Musikschul-Ensemble auch schon aufgeführt“, sagt er.

Das Akkordeonorchester versteht der Leiter als wesentlichen Bestandteil der musikalischen Ausbildung. „Im Ensemble können auch schon Anfänger mitspielen“, unterstreicht er. Denn er arrangiere die jeweiligen Stücke den Fähigkeiten der einzelnen Schüler entsprechend. Dann könnten schon auch mal nur fünf oder sechs Noten auf einem Blatt stehen, sagt er.

Das Musizieren in einem Orchester stärke den Gemeinschaftssinn, stellt Dietrich fest. Außerdem gibt es jährlich eine Probewoche, in der die Ensemblemitglieder in einer Jugendherberge wohnen und bis zu 40 Stunden gemeinsam spielen. Die Organisation dieser Akkordeonfreizeiten übernimmt vor allem Hjördis Penkert. „Sie ist meine rechte Hand“, sagt der Ensembleleiter.

Spitzeninstrumente kosten so viel wie ein Auto

Bei der Probe in der Musikschule, bei der an diesem Tag fünf Schüler fehlen, sind gut ein halbes Dutzend Akkordeonspieler vertreten. Dazu zählen neben Hjördis Penkert deren Tocher Jasmin, die bereits mit fünf Jahren erste Töne auf dem Handzuginstrument erzeugt hat, Alina Kuliou, die mit sechs Jahren, und Isabell Rykeit, die mit neun Jahren anfing. Auf die Frage nach ihrer Lieblingsmusik fürs Akkordeon antwortet Jasmin Penkert „alles!“ – und die andern stimmen ihr sogleich zu.

Alexander Dietrich unterrichtet seine Schüler auf chromatischen Piano-Akkordeons. Mit die besten Instrumente dieser Bauart stelle ein italienisches Unternehmen her, ist der Akkordeonlehrer überzeugt. Deren Preis nähert sich bei Spitzeninstrumenten dem eines fabrikneuen Kleinwagens an. Doch es sind auch Einsteigermodelle für mittlere vierstellige Eurobeträge zu haben. Und an der Musikschule gibt es Akkordeons, die Schüler gegen eine moderate Gebühr ausleihen können.

An der Probe im Kammermusiksaal nehmen auch Musiker mit anderen Instrumenten teil. Carl Böse spielt das Cello, und auch am E-Piano, am Schlagzeug und an einer E-Bassgitarre sind weitere Ensemblemitglieder zu Gange. Allein schon dadurch klingt das Orchester nicht wie ein gewöhnliches Akkordeonensemble. Und Stücke aus der Feder des Orchesterleiters wie „Reise zum Mond“ gewinnen durch das besondere Arrangement an Farbigkeit und Prägnanz.

Termin

„Balg und Bogen“ heißt das gemeinsame Konzert von Akkordeon- und Streichorchester der Musikschule Haßloch, das am Samstag, 14. März, ab 18 Uhr im „Kulturviereck“ in der Gillergasse 14 zu erleben ist. Es erklingen Werke aus Klassik und Pop von „Queen“, „Abba“, Benjamin Britten und Astor Piazzolla in Arrangements von Alexander Dietrich und außerdem Eigenkompositionen von ihm. Dietrich leitet das Konzert zusammen mit Rafael Alves. Der Eintritt ist frei.

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