Neustadt „Mit Sport gezielt vorbeugen“
Nahezu jeder zweite Todesfall in Deutschland sei auf Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems zurückzuführen, sagt Dr. Mathias Wenk, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Neustadter Krankenhaus Hetzelstift. Entsprechend groß war die Resonanz beim gestrigen Expertentelefon der RHEINPFALZ.
Wenk nutzte dabei die Gelegenheit, Werbung für die Gefäßsportgruppe des TV Mußbach zu machen, denn gezielter Sport könne nicht nur die Folgen von Gefäßerkrankungen mildern, sondern auch deren Entstehung vermeiden. „Bewegung ist ein wichtiger Parameter, genauso wie gesunde Ernährung“, so der Experte, der als einer der Ansprechpartner des Gefäßzentrums Vorderpfalz am Hetzelstift pro Jahr etwa 3000 Patienten ambulant und rund 1000 stationär behandelt. Er betont die Risiken, die eine dauerhaft unbehandelte Erkrankung der Arterien mit sich bringen könne, nämlich unter anderem Herzinfarkte und Schlaganfälle. Doch auch weit weniger schwerwiegende Folgen wie die so genannte Schaufensterkrankheit – ein muskelkaterartiger Schmerz zwingt die Patienten dabei, alle paar hundert Meter stehen zu bleiben – bringen deutliche Einschränkungen der Lebensqualität mit sich. Weil Gefäßverengungen mittels einer Ultraschalluntersuchung leicht und schmerzfrei diagnostiziert werden könne, wirbt Wenk unter anderem dafür, dies bei Beschwerden zu prüfen. Zusätzliche Risiken seien dauerhafter Bluthochdruck und Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, aber auch Rauchen und zu fette Ernährung. Wegen jahrelangen Rauchens machte sich unter anderem eine 68-jährige Neustadterin Sorgen um ihre Gefäße: Zufällig sei bei einer Untersuchung ihrer Bauchschlagader eine Verkalkung festgestellt worden, jetzt fürchte sie sich davor, ein Aneurysma zu bekommen. „Das sollte man beobachten, aber eine Verkalkung ist keine Erweiterung “, klärte Wenk die Dame auf und empfahl einen Besuch in einer der regelmäßigen Sprechstunden. Dringlicher erschien ihm der Fall einer 70-jährigen Mußbacherin, deren Operationswunde nach einem Eingriff an der Ferse nicht abheilen will: Weil hier zunächst abgeklärt werden müsse, ob eine Durchblutungsstörung oder eine Entzündung im Knochengewebe vorliegt, sei ein baldiger Termin ratsam. Kalte, weiße Finger plagten dagegen einen 65-jährigen Anrufer aus Neustadt: Seine Schilderung interpretierte Wenk als Morbus Raynaud, eine häufigen Gefäßkrankheit mit vielfältigen Ursachen. Eine mögliche sei die Kälteagglutinine, bei der die Eiweiße in den Gefäßen verklumpen. „Das kann man nur symptomatisch behandeln, indem man beispielsweise bei niedrigen Temperaturen gefütterte Handschuhe trägt“, sagte Wenk. Linderung schaffe aber auch körperliche Betätigung, bei der sich die Gefäße weiten und so die Durchblutung verbessern. Bei einem 68 Jahre alter Mann aus Haßloch mit einer langen Leidensgeschichte – er durchlitt schon diverse Thrombosen und eine Lungenembolie – wurde eine Erweiterung der Bauchschlagader festgestellt. Er fürchte jetzt, an einem Aneurysma zu leiden. Wenk erklärte, dass für dieses Krankheitsbild nicht die Länge, sondern der Durchmesser ausschlaggebend sei – akuter Handlungsbedarf bestehe ab fünf Zentimetern – empfahl aber regelmäßige Ultraschalluntersuchungen einmal pro Jahr. Eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern empfahl Wenk auch einem 75-jährigen Mußbacher, der eine transitorisch ischämische Attacke („Tia“) erlitten hatte – die mögliche Vorstufe eines Schlaganfalls. „Da sollte man konsequenterweise aber auch die Arterien am Herzen und den Beinen im Auge behalten.“ (hox)