Neustadt Mit schmerzenden Händen ins Ziel
QUEIDERSBACH/NEUSTADT. Der frühere Junioren-Welt- und Europameister im Mountainbike, Lukas Baum, ist auch auf den schmalen Stollenreifen nicht zu schlagen. Bei den deutschen Cyclocross-Meisterschaften im westpfälzischen Queidersbach holte er nach den drei DM-Titeln im Mountainbike jetzt auch noch das Meistertrikot bei den U 23 im Radcross. Er ist der erste Sportler des Radsportclub (RSC) Neustadt, der den nationalen Titel im Radcross holte.
Samstag, Punkt 16.35 Uhr, Sportplatz am Falkenstein: Auf den letzten Metern nahm Baum die Hände vom Lenker und streckte seine beiden Arme selbstbewusst in den Himmel. Der 21 Jahre alte Neustadter war glücklich, aber auch erleichtert. Er zitterte am ganzen Körper. Er stieg vom Rad, ließ sein Gefährt einfach fallen, das sein Bruder Joshua und sein unermüdlicher Betreuer Adolf Neumaier noch rechtzeitig aufnehmen konnten. Der junge Radsportler hatte bei der klirrenden Kälte mit Temperaturen von bis zu minus fünf Grad Celsius durchgehalten. Er rieb seine Hände, denn sie schmerzten von der Kälte. Da gab ihm Bundestrainer Peter Schaub seine wärmenden Handschuhe. Auch sein Vater Michael legte ihm die wärmende Jacke über und er herzte zugleich seine Mutter Uschi. Davor hatte ihr Sohn sein Meisterstück perfekt gemacht. Und das in einer beeindruckenden Art und Weise. Es war eine Demonstration der Stärke und des Willens. Bereits in der zweiten Runde setzte sich der ambitionierte Neustadter an die Spitze des Feldes und ließ auf dem anspruchsvollen und 2500 Meter langen Rundkurs mit zahlreichen Treppenpassagen der Konkurrenz keine Chance. „Eigentlich war das gar nicht meine Taktik, so früh die Spitze zu übernehmen“, meinte Baum. „Ich wusste aber, dass ich eine gute Form hatte. Dass sie so gut ist, dass ich das Rennen gewinne, das hatte ich nicht erwartet“, meinte Baum nach 50-minütiger Fahrt auch ein wenig erleichtert. „Spaß hat es aber bei diesem Wetter nicht gemacht.“ Er wirkte dennoch spitzig, locker und zugleich in bestechender Form. „Ich hatte heute keinen Druck, ich bin in der Vorbereitung auf die MTB-Saison. Ich spüre, dass noch viel Luft nach oben ist“, meinte Baum und zeigte demonstrativ seine nicht rasierten Waden. „Ich weiß um mein Potenzial. Deshalb werde ich auch hart weiterarbeiten“. Das bekam auch die Konkurrenz zu spüren. Baum vergrößerte von Runde zu Runde seinen Vorsprung. Daran änderte sich auch nichts, als Lukas Meiler drei Runden vor dem Ende noch bis auf zehn Sekunden an ihn heran kam. „Ich musste da ein wenig Tempo rausnehmen, aber ich hatte nie Zweifel, dass es nicht reichen sollte“, meinte Baum augenzwinkernd. Seine Geschwister sowie Frank Neumaier und die RSC-Ehrenvorsitzende Roswitha Mann hielten ihn an der Strecke auf dem Laufenden. Lukas Baum brillierte auf dem festgefrorenen Kurs auch bei den Abfahrten und schulterte auch recht locker das Rad bei den Laufpassagen. Dennoch war er froh, als das Rennen zu Ende war. „Meine Hände waren so kalt, dass ich kaum noch ein Gefühl zum Schalten hatte“, meinte Baum. Die Radcross-DM war für ihn nur eine Durchgangstation in Richtung Mountainbike-Weltcup. Dort will er die nötigen Punkte für eine gute Start-Position für die MTB-WM holen. Sein Ziel für 2017 ist klar: „Ich will U 23-Weltmeister werden und den nächsten Schritt in Richtung Olympia 2020 in Tokio machen.“ Deshalb wird der sympathische Neustadter auch auf die Radcross-WM in drei Wochen in Bieles in Luxemburg verzichten. „Das war heute auch mein letztes Cross-Rennen in diesem Winter“, meinte Baum. |wij